Worst of Pro (8): Da wo die Kuhhaufen qualmen...

Die folgenden Worte fallen mir so schwer wie Zeitungsverlagen das Liebesbekenntnis zum Internet. Als alter Sauerländer schmerzt es mich aber umso mehr, dass neuerdings so für meine alte Heimat geworben wird.

Dabei hat der Spot ja einiges zu bieten: Spielereien mit Tiefenschärfe, Prominente (kennt noch jemand den CDU-Merz?) und eine halbwegs lustige Idee.

Leider leider leider krankt der Spot an zwei elementaren Dingen.

1.)

Der minutiöse Schwanzvergleich hakt gewaltig. Natürlich ist es ein Unterschied, ob ich 40 Minuten bis zum nächsten Flughafen fahren muss oder eben nur 30. Allerdings ist Dortmund nicht Berlin-Tegel. Und Skifahren vor der Haustür macht spätestens dann keinen Spaß mehr, wenn mal wieder ein umgestürzter Holzlaster auf dem Kahlen Asten eine ganze Landstraße für Tage lahmlegt. Den Unterschied zwischen Autofahren-müssen und Straßenbahnfahren-können kriegt man einem Sauerländer ohnehin nur schwer beigebracht. Achja: Für ein ausgeprägtes Nacht- und Kulturleben steht das Sauerland auch nicht gerade im Qype-Verzeichnis.

2.)

Die Schauspieler scheinen als C-Besetzung einer B-Produktion der Herdringer Freilichtbühne entlaufen zu sein. Over-acting in ganz groß. Und warum der Sauerländer Kamerad den Travolta geben muss, weiß sicherlich nur der Barkeeper.

Das Sauerland hat unendlich viele schöne Seiten. Warum zum Teufel versucht jede Imageaktion, den großen Metropolen eins auszuwischen? Selbstbewusstsein sollte anders aussehen.

Bevor ich mich jetzt weiter aufrege, packe ich meinen Koffer. Weihnachten geht's ins Sauerland, in die alte Heimat. Warum? Nicht weil das Partyleben ein heimliches Klein-Berlin ist oder ich an jeder Ecke Rodel kann. Sondern wegen der Menschen. Vielleicht wäre das mal eine Idee für einen Imagefilm...

 

Update: Lieber (nicht freigeschalteter) Kommentator "doc_winterberg": Ich bin gern zu Diskussionen bereit. Die beleidigte Leberwurst zu spielen und persönliche Spitzen abzusetzen bewirkt aber bei mir weder den Wunsch, mit Ihnen konstruktiv zu diskutieren noch meine Meinung zu ändern.