Willkommen in der Video-Parallelgesellschaft
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Ich, wir alle, haben versagt. War es doch unser Ziel, die Gräben zu verschütten, Brücken zu bauen, Wege aufzuzeigen. Nach mehr als drei Jahren Bewegtbildaktivismus sieht die Bilanz verheerend aus. Fernsehen und Webvideo verschmelzen nicht zu einem konvergenten Medium. Die Differenzen sind größer denn je. Längst ist Bewegtbild eine zersplitterte Kulturtechnik, Dialog ein Fremdwort geworden.
Ich habe große Achtung vor den Experimenten hiesiger Fernsehsender. Versuchen doch vor allem die öffentlich-rechtlichen eben jenen schwierigen Spagat zwischen Netz und Flimmerkiste aufs Parkett zu bringen. Eperimente wie der Hybrid-Krimi Dina Foxx im ZDF zeugen von dem Willen, sich zu wandeln. Doch kann kein noch so starker Wille die Realität verbiegen: Der Nutzer geht diese Entwicklung nicht mit.
Blicken wir der Wahrheit ins rot funkelnde Auge: Der größte Teil der Generation "Fernsehen" wird sich niemals mit der Bewegtbildkultur des Netzes anfreunden. Auch auf der anderen Seite des Nutzungsverhaltens herrscht wenig Gegenliebe. Wer heute ohne Tagesschau, Wetten dass und stupide Gerichtsshows sozialisiert wird, der wandert in Massen auf andere Kanäle. Spartenangebote wie das gelungene ZDFKultur sind dabei dennoch nichts weiter als ein Tropfen auf den heißen Stein.
Beide Seiten wollen nicht miteinander reden
Es war kurz vor dem Medienforum.NRW, als ich einen Anruf von den Machern erhielt. Man wünsche sich eine Art Kamingespräch mit einem echten TV-Urgestein, einem Schwergewicht wie Helmut Thoma. Ihm gegenüber sollte dann ein junger Vertreter der Generation "YouTube" sitzen - nicht älter als 20 Jahre. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: Das Kamingespräch - als Überraschungshighlight des medienforums geplant - fand mangels passender williger Kandidaten nicht statt.
Was hätten diese beiden Archetypen der Medienwelt auch zu besprechen gehabt?
Ich glaube, manchen Medienmachern ist immer noch nicht bewusst, welche gravierenden Auswirkungen die rasend schnelle Demokratisierung der Produktionsmittel auf unsere Wirklichkeit haben wird. Mit welcher Geschwindigkeit die Innovations-Meteoren täglich neue Löcher in die verkustete Oberfläche bestehender Medienstrukturen schlagen. Das ist nicht mit jährlichen Studien messbar, das ist nur am eigenen Verhalten erlebbar.
Entweder wir akzeptieren, dass es mediale Parallelgesellschaften gibt. Oder wir verschwenden weiterhin wertvolle Ressourcen auf ein falsches Ideal von Harmonie. Und das zu einer Zeit, in der jede Minute zählt.
(Anmerkung: Ich arbeite unter anderem für das ZDF)
