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Webvideos sind Jazz

Es gibt vermutlich in der Medienbranche keinen schwammigeren Begriff als "Qualität". Dabei singen nicht zuletzt die Hohepriester der alten Medien in den üblichen Postillen ihr Lied vom Erhalt eben dieser. Ohne sich jemals auf einen gemeinsamen Refrain für alle Stimmen geeinigt zu haben, verpflichten sie nun das junge Genre der Webvideos zu den Chorproben.

 

Ich bin kein Freund erzwungener Standards und indoktrinierender Lehrbücher, vor allem wenn es um Webvideos geht. Das, was erfolgreiche Vertreter ausmacht lässt sich nur schwer in Regeln fassen oder in Schulungsplänen unterbringen. So ist es mit der oft besungenen mangelhaften "Qualität" von Webvideos. Wer will schon festlegen, was gut und schlecht ist? Trotzdem lohnt es sich, hinzuhören.

 

Erfolgreiche Webvideos tönen nicht, sie klingen. Sie zeichnen sich durch eben das aus, was Bohlen-Pop von Garagen-Rock unterscheidet: Das gewisse Etwas. Webvideos machen ist wie Jazz. Perfektion bis zu einem gewissen Punkt. Und sich dann fallen lassen.

 

Ebenso wie in der Musik lässt sich die technische nicht von der inhaltlichen Komponente trennen. Deswegen kann ich rein technischen Betrachtungen zur Thematik Webvideo nicht viel abgewinnen. Welche Kamera die perfekte Wahl für Webvideos ist, entscheidet in Medien-Utopia nur einer: Der Inhalt. Auch wenn wir nicht in einer Moreschen Berufswelt werkeln, sollte dieser Fokus nicht verloren gehen.

 

Ich mache seit nunmehr vier Jahren hauptberuflich Webvideos. Berichte mit der Flip-Kamera, Live-Reportagen mit dem Video-Smartphone, klassische VJ-Stücke mit einer DV-Kamera, Hochglanz-Look mit Video-DSLRs, Webcam-Interviews, Live-Talkrunden, mal als YouTube-Video, mal als TV-Hybrid, mal als Teil eines Multimedia-Pakets. Und trotz all dieser Experimente bin ich fast so klug wie nach zuvor.

 

Wenn Qualität bei Webvideos eine Adjektiv eingepflanzt werden sollte, dann muss es "subjektiv" sein. Die Frage des eigenen Geschmacks, das Erleben des Gesamtpaketes Video plus Audio gleich Bewegtbildgeschichte entscheidet. Und oft sind die eigenen Augen und Ohren die besten Ratgeber. Zumindest diese Strophe sollte sich jeder Medienmacher ins Gesangsbüchlein schreiben.

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Posterous theme by Cory Watilo