Es ist eine Lüge für den guten Zweck

Es war einmal ein Werbespot, der spaltete eine Region. So oder ähnlich wird man in wenigen Jahren über den Versuch dreier junger Sauerländer sprechen, ihrer Region einen Stempel aufzudrücken, der viel zu groß war.

Ich möchte an dieser Stelle gar nicht erneut auf das Wie, Was und Warum eingehen. Der Versuch ist löblich, das Engagement sicherlich erwähnenswert. Und dennoch schießt das Projekt meilenweit am Ziel vorbei.

Lauschen wir einem der Initiatoren bei WDR, wird schnell das ganze Debakel offensichtlich.

"Das ist ja Werbung und da ist häufig etwas gelogen. Es ist nicht ganz gelogen, es stimmt ja von Arnsberg. Und es ist ja eine Lüge für den guten Zweck."

Im Kern geht es darum, dass die im Spot angepriesenen, und nicht ganz ernst gemeinten Entfernungen nicht stimmen.

Es ist genau dieses Mantra, dass junge Leute scharenweise vor Werbung flüchten lässt. Es ist genau diese antiquierte Geisteshaltung, die in Zeiten des digitalen Wandels die sich verschiebende mediale Rezeption ignoriert. Und es ist genau der Grund, warum sich in Kürze keiner mehr an diese Aktion erinnert wird.

"Das Etikett soll nicht größer sein als der Sack."

Lukian (griechischer Satiriker)

Worst of Pro (8): Da wo die Kuhhaufen qualmen...

Die folgenden Worte fallen mir so schwer wie Zeitungsverlagen das Liebesbekenntnis zum Internet. Als alter Sauerländer schmerzt es mich aber umso mehr, dass neuerdings so für meine alte Heimat geworben wird.

Dabei hat der Spot ja einiges zu bieten: Spielereien mit Tiefenschärfe, Prominente (kennt noch jemand den CDU-Merz?) und eine halbwegs lustige Idee.

Leider leider leider krankt der Spot an zwei elementaren Dingen.

1.)

Der minutiöse Schwanzvergleich hakt gewaltig. Natürlich ist es ein Unterschied, ob ich 40 Minuten bis zum nächsten Flughafen fahren muss oder eben nur 30. Allerdings ist Dortmund nicht Berlin-Tegel. Und Skifahren vor der Haustür macht spätestens dann keinen Spaß mehr, wenn mal wieder ein umgestürzter Holzlaster auf dem Kahlen Asten eine ganze Landstraße für Tage lahmlegt. Den Unterschied zwischen Autofahren-müssen und Straßenbahnfahren-können kriegt man einem Sauerländer ohnehin nur schwer beigebracht. Achja: Für ein ausgeprägtes Nacht- und Kulturleben steht das Sauerland auch nicht gerade im Qype-Verzeichnis.

2.)

Die Schauspieler scheinen als C-Besetzung einer B-Produktion der Herdringer Freilichtbühne entlaufen zu sein. Over-acting in ganz groß. Und warum der Sauerländer Kamerad den Travolta geben muss, weiß sicherlich nur der Barkeeper.

Das Sauerland hat unendlich viele schöne Seiten. Warum zum Teufel versucht jede Imageaktion, den großen Metropolen eins auszuwischen? Selbstbewusstsein sollte anders aussehen.

Bevor ich mich jetzt weiter aufrege, packe ich meinen Koffer. Weihnachten geht's ins Sauerland, in die alte Heimat. Warum? Nicht weil das Partyleben ein heimliches Klein-Berlin ist oder ich an jeder Ecke Rodel kann. Sondern wegen der Menschen. Vielleicht wäre das mal eine Idee für einen Imagefilm...

 

Update: Lieber (nicht freigeschalteter) Kommentator "doc_winterberg": Ich bin gern zu Diskussionen bereit. Die beleidigte Leberwurst zu spielen und persönliche Spitzen abzusetzen bewirkt aber bei mir weder den Wunsch, mit Ihnen konstruktiv zu diskutieren noch meine Meinung zu ändern.

Worst of Pro (7): Mega-Bombast-Hypnose

Die Herren von ZHI Consulting scheinen nicht nur Texte zu klauen, sie machen auch noch schlechte Videos. Ein Fleißkärtchen gibt's für den Vorsatz, möglichst professionell rüber zu kommen. Leider folgt wegen Verfehlung des Themas die Aberkennung sämtlicher Punkte. Wie wohl das Sequel heißen mag? "Angriff der nonverbalen Kommunikation"?, "Letzter Ausweg Persönlichkeitstraining"?

Lassen Sie sich verzau... äh hypnotisieren!

Worst of Pro (5): 2010lab.tv - Setzen, Sechs.

Noch wenige Tage und das Ruhrgebiet ist nicht mehr Europas Kulturhauptstadt 2010. Was bleibt? Zumindest das vergurkte Web-TV-Projekt 2010lab.tv. Die Ruhrbarone haben bereits mehrfach den Finger in die aus Steuergeldern bezahlte Wunde gelegt. Wenn ich mir das Portal unter Web-TV-Kritierien anschaue, würde ich gern eine ganze Packung Jodsalz draufschütten.

Der erste Eindruck ist dabei gar nicht so schlecht: Ein großer Videoplayer begrüßt den Besucher. In der rechten Spalte werden Serien angeteasert, im mittleren Bereich gibt's die neuesten Videos. Trotzdem: Das Navigieren auf der Seite gleicht dem Einkaufen auf der Rü in Essen - fürs Bummeln an Schönwettertagen ok, für ein echtes Kauferlebnis fahr ich lieber nach Düsseldorf an die Kö.

So schön groß der Videoplayer auch ist, so wenig Funktionen bringt er mit. Von einem öffentlich finanzierten Projekt erwarte ich eine Downloadmöglichkeit und mindestens eine Embed-Funktion. Doch selbst diese Minimalanforderungen vergeigt das Lab. Immerhin bespielen die Labber die üblichen sozialen Netzwerke. Twitter dümpelt mit knapp 800 Followern vor sich hin, ähnlich sieht es bei Facebook aus. Es gibt zwar einen eigenen YouTube-Kanal, die wenigen hochgeladenen Videos erreichen aber kaum dreistellige Abrufzahlen. Der Vimeo-Kanal findet quasi komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Sind die Videos für mobile Nutzung aufbereitet? Leider nicht. Keine HTML5-Unterstützung, auf iPad und Co. erhalte ich nicht mal eine Fehlermeldung: Der Videoplayer glänzt mit Abwesenheit und versteckt sich hinter einem schwarzen Nichts.

Neben diesen technischen Klogriffen leistet sich 2010lab.tv müde Inhalte. Kultur kann unglaublich spannend, auch für eine breite Masse sein. Nicht so das inhaltliche Angebot beim Lab. Zu viel Einerlei, zu wenig Einzigartigkeit. Positiv: "Ist das Kunst oder kann das wech" von Christoph Tiemann, der zwei seiner W-Team-Figuren aus seiner Serienzeit bei DerWesten aus der Umkleide geholt hat. Warum genau ein solches Format weder bei YouTube noch Facebook direkt landet, ist mir ein Rätsel.

2010lab.tv ist weder Fisch noch Fleisch. Die vielen Textartikel (!) wirken auf einem Videoportal deplatziert, für ein Videoportal fehlen allerdings einige grundlegende Funktionen. In der Grundschule würde der Zusatz "Sie haben sich bemüht" aufs Zeugnis kommen. Leider reicht das im Internet nur für eine Ehrenrunde.

 

Worst of Pro (4): Sixt vs. ein-letzter-Rest-Anstand

Entweder haben die Jungs und Mädels von JvM ihre tägliche Dosis kolumbianischen Schnupftabak nicht bekommen oder sie haben beim letzten ADC-Treffen ihr Oberstübchen an der Garderobe vergessen. Jedenfalls mundet die Castor-Guerilla-Kampagne für den Stahldroschkenvermieter Sixt geschmackloser als ein wiedergekäutes Stück Nordsee-Fischburger. Das Video sei deswegen nur beispielhaft für all die großen mächtigen Werbeagenturen, die vor lauter Gemächtprahlerei den Kontakt zum Volk verloren haben.

Man mag die Demonstrationen für fehlgeleitet halten, für teuer, sinnlos oder man mag sogar AKWs für toll befinden, eingestreute Witzwerbung ist bei dem ernsten Thema ebenso fehl am Platze wie das minderbemittelt seichte Gefeiere der Aktion im Sixtschen Firmenblog.