Videopunk

Anarchy in Web-TV

23
Feb 2010

Bewegtbild muss sich selbst aufgeben

Vor mehr als zwei Jahren posaunte ich mein Videopunk-Manifest in den digitalen Konzertsaal. Bewusst provokativ, kontrovers, verknappt. Viele Diskussionen wurden seitdem geführt, was denn nun Webvideo sein kann oder soll. Endlich meine Antwort: Webvideos müssen sich selbst als Darstellungsform aufgeben.

Nicht ein moralischer, sondern ein durchaus rationaler Altruismus ist gemeint. Selbstaufgabe zum Selbstzweck. Nicht der Abrufzahlen wegen, sondern zum Wohle der Medienkonvergenz.

Webvideo wird gemeinhin als eingekapselte Darstellungsform gesehen. Äußerliche Faktoren wie Länge, Stilmittel, technisches Handwerk gleichen sich zunehmend den analogen Nutzungsgewohnheiten an. Guter Content ist so lang wie er gut ist, Sehgewohnheiten werden adaptiert und manchmal bewusst gebrochen. Ein verwackeltes Video kann gleichberechtig neben einer Hochglanzproduktion stehen.

Doch im Sinne der Netznutzungsweise kämpft Webvideo weiterhin um seinen eigenen Stellenwert. Alle Versuche der Monetarisierung basieren darauf: Pre-Rolls sind nur ein Ausdruck von vereinheitlichter Mediennutzung. Und damit der immanente Feind des Webvideos.

Webvideos müssen sich von den äußerlich angelegten Windeln freistrampeln.

Für DerWesten habe ich versucht, einige Grenzen zu überschreiten und die Regeln der Darstellung zu brechen.

1.)

Kurze Live-Schnipsel (dort als Fazit in Blog-Form), gefilmt per Handy, vermitteln unmittelbar den bewegten Eindruck vor Ort. Die journalistische Einordnung erfolgte sowohl über Twitter (Text und Foto) als auch über die redaktionelle aktuelle Arbeit der Zentralredaktion in die Reportagen der anderen Kollegen.

Bewegtbild verzichtet hier auf eine, z.B. moderierte Einordnung des Gesehenen in das Geschehen.

 

2.)

Dieses Video von einer Haussprengung wirkt altbacken in seiner Darstellungsform. Leider ist der "Reifegrad" des Videos im Portal nicht mehr zu sehen. Bevor das fertig geschnitte Video ins Portal kam, gab es eine Rohfassung nur mit der Sprengung. Dies bereits nach wenigen Minuten. Insgesamt wurden drei Versionen des Videos online gestellt, parallel zu den aktuell eintreffenden Texten und Informationen der Reporter vor Ort. Webvideo war ein Teil des journalistischen Prozesses und wuchs mit.

 

3.)

Bei dieser Reportage ging es darum, Bruchstücke in der Geschichte mit Bewegtbild anzureichern. Dies fängt bei einem bebilderten Interview an, geht über einen klassischen VJ-Beitrag über das Handwerk, bis hin zu einfachen Schwertkampfszenen zur bildlichen Illustrierung des Erlebten. An dieser Stelle gingen Text und Video eine schon bei der Produktion aufeinander abgestimmte Symbiose ein. Beide Darstellungsformen haben als gemeinsame Erzählweise davon profitiert. (Leider sind beim Relaunch einige Videos zum Ende hin verkürzt worden...)

 

Diese drei Beispiele waren nur der Anfang. Die geschätzten Kollegen von Spiegel Online haben mittels Videos ein Quiz gebaut: Die Frage taucht im Video auf und bezieht sich auf den gesehenen Inhalt. Berühmt ist die mit Preisen ausgezeichnete Reportage "Pearls before breakfast" der Washington Post. Das als Überwachungsvideo "getarnte" Video rundet die Geschichte ab. Das Special der Las Vegas Sun zur Geschichte der Stadt vereint etliche Darstellungsformen zu einer Einheit.

Videos müssen sich als Darstellungsform aufgeben. Um sich selbst neu zu erfinden.

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22
Feb 2010

Shake it, baby!

Wer es noch nicht weiß: Ich bin ein Freund der wackelnden Kameraeinstellungen. Ich stehe dazu, ich will es gar nicht verneinen. Ich oute mich. Neulich hat mich jemand deshalb als "Qualitätsverweigerer" tituliert.

 

In der Wahrnehmung vieler Kollegen wird Webvideo mit verwackelten Videos gleichgesetzt. Das rührt vorallem daher, dass der Großteil an YouTube-Content von Oma Lieschen, Enkel Jens und manchmal von Kater Fritz produziert wurde. Die Wackler sind dort ebenso normal, wie kalte Currywurst-Sauce in Berlin (ihr Banausen!).

Und was ist mit den Profis? Die es besser wissen sollten, die damit Geld verdienen wollen, die ein Handwerk beherrschen? "Wir dürfen nicht verwackeln, wir sind ja besser."

Mir kommt es nicht auf den stilistischen Aspekt eines Wackelvideos an - dieser mag in einigen Videos eine Rolle spielen: Mehr Authentizität, Nähe, Ich-Perspektive.

Warum ich dennoch auf die shaky cam stehe?

Weil der Inhalt dahinter oft wichtiger ist als das handwerkliche Begleitgespenst.

Live-Videos vom Brennpunkt des Geschehens, meist per Handy gefilmt; diese eine persönliche Szene während der Reportage; der spontane O-Ton am Spielfeldrand: All dieses wären ohne Gewackel kaum möglich.

Bin ich deshalb ein Qualitätsverweigerer?

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16
Feb 2010

Typisch VJ

Mein geschätzter VJ-Kollege Roman Mischel war neulich für die Caritas unterwegs. Herausgekommen ist dieses tolle "Portrait einer starken Frau".

 

 

Warum ich das hier poste? Weil ich dieses Herangehensweise an ein Thema nicht nur typisch, sondern wie gemacht für einen VJ halte.

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12
Feb 2010

Über das Ende des Videojournalismus im deutschen Web

Am Anfang war es eine Bewegung - wir wollten dem sich entwicklenden Bewegtbild-Markt im Web unsere Färbung geben. Nach drei Jahren hat es sich ausgeträumt: Für Videojournalismus ist kein Platz mehr auf deutschen Nachrichtenseiten.

 

Blicken wir zurück: Es war 2007. Der Webvideo-Markt in Deutschland war gerade geboren. YouTube schlug ein wie eine Bombe, etliche große Verlagshäuser versuchten sich in Bewegtbild. Wir haben experimentiert, wir haben Erfahrungen gesammelt, wir haben Video gelebt. Irgendwann kamen dann die Zahlenknechte. Sie wollten Erfolge messen. Erlöse sollten her. Und der Videojournalismus im Web starb.

Diese Erkenntnis ist bitter. Nicht nur für uns Produzenten, sondern auch für die Webseher. Statt des TV-Einheitsbreis sollte sich im Netz eine neue Bildsprache bildern. Ein persönlicheres Fernsehen. Näher, tiefer aber auch schneller. Autorengetrieben, mit eigener Handschrift. Unverwechselbar.

 

Der große Vorteil eines VJs ist die eigene Arbeitsweise. Das Spielen mit Gestaltungsmitteln während des gesamten Produktionsablaufes. Von der Planung, Recherche, Dreh und Schnitt bis zur Ausspielung im Netz. Der Webvideojournalist war der Prototyp des Social-Media-Journalisten.

Übriggeblieben ist nur der Kostenfaktor VJ. Ein-Mann-Produktionen die schnell und günstig sind. Der inhaltliche Aspekt ist in den Zahlenwerken verschollen.

Heute werden VJs als Bildlieferanten missbraucht: Schnell zum Unfall oder PK. Die gleichen leeren Worthülsen wie im Fernsehen drüberstülpen und ratzfatz auf die Seite.

Herausgebildet hat sich ein Markt, auf dem die neuen Händler nur verlieren können. Geben wir es zu: Handwerklich können wir es nicht immer mit den "Großen" aufnehmen. Dennoch werden unreife Tomaten angepriesen, anstatt mit exotischen Früchten die Kundschaft zu locken.

 

Innovation in Zeiten des Medienumbruchs sieht anders aus.

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07
Feb 2010

Geldverdienen und andere Webvideo-Mythen

10 Mythen, die einfach mal benannt werden müssen. Punkt.

 

  1. Webvideos kann jeder herstellen
  2. Webvideos muss jeder herstellen
  3. Mit Webvideos lässt sich Geld verdienen
  4. Mit Webvideos lässt sich kein Geld verdienen
  5. Webvideos müssen teuer sein
  6. Qualität beginnt beim Inhalt
  7. Dem Nutzer ist Qualität egal
  8. Die Nutzer konsumieren Bewegtbild, weil es Bewegtbild ist
  9. Webvideo ist wie Fernsehen, aber im Netz
  10. Webvideos werden das Internet dominieren

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04
Feb 2010

Eine Zukunft ohne Flip

In letzter Zeit ist es still an dieser Stelle um die Flip-Kameras geworden. Die Erklärung ist einfach: Bereits Ende des Jahres 2009 wurde das Projekt stillschweigend auf Eis gelegt.

 

Aus Kostensicht ist dieser Schritt nachvollziehbar: Schließlich kostete die Produktion (Dreh, Schnitt) eines Flip-Videos ca. 60 Euro. Aus Verlagssicht viel zu viel Geld für exklusives vermarktbares Bewegtbildmaterial. Auch die rund 40 mit Flip-Kameras ausgestatteten Redaktionen werden sich bedanken, wird das weithin überschätzte Thema "Webvideo" nun endlich an ihrer beruflichen Entwicklung vorbeigehen. Und wer sich in der regionalen Branche auskennt, wird zustimmen: Vierstellige Abrufzahlen für derlei Videos sind ohnehin viel zu wenig.

 

In diesem Sinne kann ich allen Beteiligten nur gratulieren: Während andere Verlagshäuser diesen unheilvollen Weg energisch beschreiten, besinnt man sich in Essen auf angestammte Zukunftsgeschäfte. Und nicht wenige Redakteure haben nun eine Flip für den nächsten Urlaubs-Trip in der Schublade. Da sag noch einer, Verlage verstünden es nicht ihre Mitarbeiter zu motivieren.

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02
Feb 2010

Der Wandel in der Interaktivität

Nichts weniger als die Körperhaltung galt bis dato vielen Video-Theoretikern als Unterscheidungsmerkmal zwischen Webvideos und Röhren-Sendungen. Diese Schwarz-Weiß-Welt war auch allzuschön: Auf der einen Seite die Couch-Potatoes, die genüßlich Heidi Klum beim Modelfinden angeifern, auf der anderen Seite der Kohlenhydrate-verseuchte YouTube-Nerd.

 

Mittlerweile gehört YouTube-Content zur Werksausstattung eines aktuellen Fernsehers und Portale wie Hulu bringen Serien und Filme auf den Netbook. Verschwimmt alles? War die Unterscheidung in lean-back und in lean-forward nur ein Hoax?

 

Schauen wir uns ein paar Zahlen an, wird schnell klar: Die als Hype abgespeiste "Interaktivität" ist elementar für die Rezeption eines Bewegtbildes. Die Erkenntnis ist nicht neu, gleichwohl wird an der Umsetzung gespart. Im Zeitalter der "Synergieeffekte" und des "Content-Sharings" wird zunehmend die Video-Kuh gemelkt, bis sie leer ist. Innovation sieht anders aus.

 

Es fehlt an mutigen Konzepten - und deren Umsetzung - mit dem Thema Bewegtbild Grenzen zu überschreiten. HBO hat vergangenes Jahr einen mutigen Schritt getan und mit viel Aufwand ein vollkommen nicht-lineares Video-Erlebnis auf den Monitor gebracht. Die weiter voranschreitende Verquickung von verschiedenen Content-Quellen wird diesen Ideenschwung weiter beschleunigen.

Übrigens, um den Text-Anfang wieder ins Spiel zu bringen, wird diese neue Interaktivität weitestgehend Medien-unabhängig sein. Eine spannende Rolle könnte das dieser Tage viel zu oft zitierte iPad bringen. Sollte es sich als Mainstream-Gadget durchsetzen, wird der Ruf der kritischen Masse nach neuen Storytelling-Methoden vielleicht erhört.

Der Bewegtbild-Markt ist soeben erst den Kinderschuhen entwachsen. In spätestens fünf Jahren wird niemand mehr darüber streiten, ob nun welches Format wann wie wo ausgespielt wird.

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29
Jan 2010

Kostenlos Hulu und Vevo gucken - so geht's (2)

Das Interesse am Workaround scheint (sagt zumindest Google Analytics) groß zu sein. Deswegen hier noch ein paar Kniffe:

 

Über Greasemonkey für Firefox gibt es ein Script, welches die lästigen HotSpot Shield Ads verbannt. Prädikat: Nützlich.

 

Leider läuft HotSpot Shield nicht bei jedem, und auch nicht jeder ist mit der Geschwindigkeit zufrieden. Eine Alternative ist das Erwerben eines VPN-Zugangs in den Staaten, z.B. HideMyNet.com - mit 5 Dollar ein vertretbarer Paid-Workaround.

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25
Jan 2010

Die Sache mit den integrierten Webvideos

Noch ist nicht alle Hoffnung verloren! Monatelang herrschte Stillstand im Webvideo-Sektor. Neue Formate waren Mangelware, neue multimediale Erzählformen mussten mit der Lupe gesucht werden. Das wird sich hoffentlich bald ändern.

 

Wie ich zu der Vermutung komme?

 

Vergangene Woche war ich Referent bei ver.di in Berlin. Natürlich ging es um Webvideo, natürlich sind die Probleme einer großen Gewerkschaft ähnlich groß wie bei Verlagshäusern. Darum soll es hier aber nicht gehen. Spannend war vielmehr, was die übrigen Referenten - ohne Absprache - auf den Punkt brachten. Eine Erkenntnis, die immer schon da war, aber kaum konsequent umgesetzt wird.

 

Webvideos leben vom kontextualen Umfeld

 

"Der Nutzer sucht nach Inhalten, nicht nach Medien", verdeutlichte Stefan Raue, stellvertretender Ressortleiter Innenpolitik (ZDF) den Gedanken. Die Ergänzung von Textberichten mit Bewegtbild werde stetig zunehmen. Übrigens auch ein Trend, den sich die Öffentlich-Rechtlichen, allen Kritikern zum Trotz, nicht verweigern könnten. Hier liegt noch genügend Sprengstoff für hitzige Debatten.

85 Prozent über Kontext

Reden sind schön, Argumente besser. Vorallem wenn sie mit Zahlen untermauert werden. Rainer Zugehör, Geschäftsführer des Video-Services movingimage24 konnte und wollte keine konkreten Daten nennen. Nur so viel: Spiegel Online (ein movingimage24-Kunde) generiere nur einen geringen Prozent seiner Videoabrufe über den Video-Bereich des Portals. Der Großteil Prozent würde über "integrierte Videos" in Artikeln geholt.

Auch wenn die Zahlen vernichtend für den Video-Bereich eines News-Portals klingen mögen: Vielen Nutzern dient die Video-Sektion weiterhin als Tor zu Video-Welt. Der Nutzen würde aber weitestgehend überschätzt, zu viele Ressourcen dafür aufgebraucht.

Was bedeutet....

 

.... dass Video-Portale wie YouTube oder Mediatheken eine gewisse Klientel bedienen. "Die sind aber im Gesamtvolumen zu vernachlässigen. Das Gros der Abrufe wird über die eigenen Seiten und Kontexte generiert", sagte Zugehör.

Der Weg stimmt

Auch wenn in diesen Sätzen und Zahlen Hoffnung liegt: Noch sind wir nicht am Ziel angekommen - falls wir es jemals sein werden. Noch werden sinnpassende Video-Beiträge den Texten zugeordnet. Für die Masse des Contents wird das kurzfristig so bleiben. Allerdings wird sich das Vermischen von Medien im Netz weiter beschleunigen.

Die Chance

Die wahre Chance, und damit meine Hoffnung liegt im sinnvollen Verknüpfen von Bewegtbild und anderen Darstellungsformen. Video-Schnipsel, die einen Reportage zum Leben erwecken. Animationen, die den Sachtext verständlicher machen. Diese sinnvolle Kombination aus Bewegtbild und Content ist allerdings noch Mangelware. Noch. Oder?

 

Nachtrag:

Korrektur: Spiegel Online ist kein Kunde von movingimage24.

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18
Jan 2010

Guck-Tipps (1)

Gelangweilt vom deutschen Trash-TV? Für Lost gibt es noch nix im P2P? Der DVD-Player streikt? Dann einfach ins Web gucken.

 

Riese

Hier dreht sich alles ums große Thema "Steampunk".

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DSDS in gestellt und in Hollywood mit gescheiterten Darstellern.

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Nostalgia Critic

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