Eine Online-Petition oder: Die Medienrevolution hat Bewegtbild erreicht

Der 28. Juni 2011 wird in die Mediengeschichte eingehen. Nicht weil Videos wie dieses das Netz erobern, sondern weil Petitionen wie diese aufploppen. Ich habe fast Verständnis für die Sorgen und Nöte mancher Kollegen, zeigt die Aktion doch eines: Die Medienrevolution ist mit Verzögerung auch bei den Bewegtbildprofis angelangt.

Bis dato war es ein kuscheliges Experimentieren: Im TV Geld verdienen, im Netz herumspielen. Die Zeiten haben sich längst geändert. Und mittlerweile reagieren Unternehmen wie Apple auf diese Entwicklung. Der schmale Grat zwischen Profi und Amateur ist längst verschwunden, die Grenzen sind fließend. Kapitalisten sagen: Aber Profis verdienen Geld mit ihrem Beruf. Ich sage: Erstens ist es bei vielen Kollegen nur ein Wollen und nicht ein Verdienen, zweitens haben sich im Netz einige schon aus der alten Welt bekannte Alternativ-Währungen wie "Aufmerksamkeitssucht" breit gemacht und drittens sagt eine Einordnung in Profi oder Amateur nichts über die Qualität aus.

Das Geheule der professionell verschreckten Mediengestalter, Filmer, Cutter ist unerträglich. Ein Videoschnittprogramm ist ein Werkzeug. Und Werkzeuge passen sich in einer Marktwirtschaft den Gegebenheiten an. Wer damit argumentiert, er habe Unsummen in Final Cut investiert und darauf sein Geschäftsmodell aufgebaut, dem kann ich nur sagen: Pech gehabt. Times  are a changing. Ähnlich erging es damals den großen europäischen Kutschenbauern. Plötzlich waren die Sägemühlen und Schreinereien überflüssig. Weil Kutschen auf einmal aus Stahl gefertigt wurden.

Liebe Kollegen - macht nicht den gleichen Fehler wie die Print-Vertreter unserer Medienzunft. Ignorieren, belächeln, verfluchen, verklagen. Mit solchen Kindern spielt niemand gern.

Warum Final Cut Pro X die Videowelt verändern wird

Das Genöle ist erschreckend. Seit Tagen weinen Kollege "ihrem" Final Cut hinterher. Die X-Version sei ja ganz nett, aber.... leider nicht für Profis gemacht. Und weil Profis besonders gern und laut heulen, praktizieren sie diese antrainierte Ausbildung möglichst an jedem Blogpost und Tweet. Dabei habe ich Mitleid mit den Kollegen, bedeutet das neue Final Cut insbesondere eines: Klammheimlich hat Apple den Begriff "Professionalität" auf den Kopf gestellt.

Stein des Anstoßes sind die vielen angeblich fehlenden Pro-Features. EDL, Mulitcam, Monitor-Out und und und. Guess what: 90 Prozent der Leser dieses Blogpostings werden mit den Begriffen nichts anfangen können. Und 98 Prozent der weltweiten Videoproduzenten werden nichts vermissen.

Apples Schritt Richtung Nutzermitte ist nicht nur simples Kalkül, einen breiteren Markt zu monetarisieren. Vielmehr hat Apple - wie so oft - die Zeichen der Zeit erkannt. Die Zukunft des Bewegtbildes liegt bei den Prosumern und diese Zielgruppe definiert Professionalität und dafür notwendige Features neu. Die schrittweise Zusammenführung von iMovie und Final Cut, und das zu einem fairen Produktpreis ist ein Segen für die junge Generation digitaler Filmemacher. Bis jetzt haben sie mit den günstigen Schnittalternativen wie Magix leben müssen, jetzt steht ihnen ein Profi-Werkzeug mit der Zugänglichkeit eines Anfängertools zur Verfügung.

Das was YouTube für Videomacher im Sinne der Verbreitung erreicht hat, kann Apple mit Final Cut Pro X für den technischen Part bedeuten. Das ist keine Entwicklung von heute auf morgen, aber ein erster Schritt. Und in den nächsten 12 Monaten wird die gesamte Produktionsqualität weltweiter Webvideos einen Schub nach vorn machen.

Das muss der Profi-Garde im Elfenbeinturm nicht gefallen. Alte Workflows, überholte (vermeintliche) Qualitätsmerkmale und antike Technik sind die wahren Probleme der Zunft. Und diese sind hausgemacht. Aber Rumgeheule ohne Wille zur Veränderung im eigenen Haushalt sind kein Grund, den Fortschritt da draußen zu verteufeln.