Noch nie war der Webvideo-Markt, auch in Deutschland, so spannend wie im Jahr 2010. Auch 2011 verspricht, viele Akzente zu setzen und neue Bewegungen loszustoßen. Ein Blick in die Glaskugel, was uns 2011 erwarten kann. (Oder auch nicht.)
1.)
Webvideos werden weiterhin eine monetäre Nische besetzen
Zwar sollen bereits 2013 die Werbegelder im Onlinebereich den großen Kuchen "Zeitungen" überholt haben. Seinen Anteil am Gesamtkuchen wird Online-Bewegtbild allerdings noch erkämpfen müssen. Denn obwohl die Werbeausgaben im Bereich online weiterhin regelrecht explodieren, zieht das totgeglaubte Medium Fernsehen mit deutlich kleineren Zuwachsraten, aber basierend auf extrem starken Grundwerten mit.
2.)
Immer mehr Video-Parallelwelten
Der Webvideo-Markt wird zunehmend heterogener. Zwar hat YouTube einen Marktanteil von fast 50 Prozent in Deutschland. Doch finden viele der dortigen "Marken" und Top-Videos nur selten den Weg in den alltäglichen Mainstream. Die sog. "YouTuber" stellen vielmehr eine eigene, wenn auch überaus mächtige Community dar. Sich als Unternehmen aber deswegen aus der YouTube-Welt zu verabschieden, wäre der falsche Weg. Es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass jeder Videoabspielort eine eigene Herangehensweise und Sprache erfordert.
3.)
Neue Werbeformate haben's schwer
Viel wird derzeit über neue Werbemöglichkeiten bei Bewegtbildern gesprochen. Fakt ist aber: Selbst 30-sekündige Pre-Rolls werden heutzutage ohne Murren von der Webseherschaft angenommen. Neue, und durchaus riskante Werbeformen haben es deswegen schwer, sich in der struktur-konservativen Werbebranche durchzusetzen.
4.)
Virale Videos werden zurückgehen
Mit der zunehmenden Monetarisierung geht die Professionalisierung des weltweiten Video-Contents einher. Klassische virale Videos, also vornehmlich durch Nutzer generierter Inhalt und Videos ohne klare kommerzielle Interessen, werden weiterhin für einen beträchtlichen Anteil der Abrufe verantwortlich sein. Nur wird der Kampf gegen die PR- und Werbemaschinerie stetig aufwändiger. Der Kampf um die Aufmerksamkeit des Nutzers hat gerade erst begonnen.
5.)
Der Markt wird sich weiterhin konsolidieren
2010 war bereits ein Jahr der großen Zusammenschlüsse. Auch 2011 wird den Markt verstärkt bereinigen. Viele Videostartups haben schlichtweg gegen die Big Player mittelfristig keine Chance. Und je attraktiver der Markt für Geldgeber wird (siehe Punkt 1), desto eher werfen diese ihre Fischernetze aus, um ihr Portfolio am Bewegtbildmarkt zu stärken.
6.)
Interaktive Formate werden massentauglich
Ich erinnere mich noch an die ersten interaktiven Videoexperimente auf dem Massenmarkt: Interaktive Spielfilme auf CDs für den PC. Die Euphorie hielt nur wenige Jahre. Dank neuer Herangehensweisen wie Microsofts "Kinect"-Kamera geht der interaktive Film in eine zweite Runde. Bereits jetzt experimentieren einige Vermarkter mit den neuen Möglichkeiten, die die kleine Bewegungskamera bietet: Interaktive Schaufenster-Erlebnisse werden uns in den nächsten Monaten oder zumindest Jahren ebenso häufig begegnen wie vollkommen neue Arten des Videospiels. Bleibt nur die Frage: Wie können journalistische Videoformate davon profitieren?
Wie immer das mit Glaskugeln ist: Nichts genaues weiß man nicht. Wie seht ihr das Video-Jahr 2011?
Die folgenden Worte fallen mir so schwer wie Zeitungsverlagen das Liebesbekenntnis zum Internet. Als alter Sauerländer schmerzt es mich aber umso mehr, dass neuerdings so für meine alte Heimat geworben wird.
Dabei hat der Spot ja einiges zu bieten: Spielereien mit Tiefenschärfe, Prominente (kennt noch jemand den CDU-Merz?) und eine halbwegs lustige Idee.
Leider leider leider krankt der Spot an zwei elementaren Dingen.
1.)
Der minutiöse Schwanzvergleich hakt gewaltig. Natürlich ist es ein Unterschied, ob ich 40 Minuten bis zum nächsten Flughafen fahren muss oder eben nur 30. Allerdings ist Dortmund nicht Berlin-Tegel. Und Skifahren vor der Haustür macht spätestens dann keinen Spaß mehr, wenn mal wieder ein umgestürzter Holzlaster auf dem Kahlen Asten eine ganze Landstraße für Tage lahmlegt. Den Unterschied zwischen Autofahren-müssen und Straßenbahnfahren-können kriegt man einem Sauerländer ohnehin nur schwer beigebracht. Achja: Für ein ausgeprägtes Nacht- und Kulturleben steht das Sauerland auch nicht gerade im Qype-Verzeichnis.
2.)
Die Schauspieler scheinen als C-Besetzung einer B-Produktion der Herdringer Freilichtbühne entlaufen zu sein. Over-acting in ganz groß. Und warum der Sauerländer Kamerad den Travolta geben muss, weiß sicherlich nur der Barkeeper.
Das Sauerland hat unendlich viele schöne Seiten. Warum zum Teufel versucht jede Imageaktion, den großen Metropolen eins auszuwischen? Selbstbewusstsein sollte anders aussehen.
Bevor ich mich jetzt weiter aufrege, packe ich meinen Koffer. Weihnachten geht's ins Sauerland, in die alte Heimat. Warum? Nicht weil das Partyleben ein heimliches Klein-Berlin ist oder ich an jeder Ecke Rodel kann. Sondern wegen der Menschen. Vielleicht wäre das mal eine Idee für einen Imagefilm...
Update: Lieber (nicht freigeschalteter) Kommentator "doc_winterberg": Ich bin gern zu Diskussionen bereit. Die beleidigte Leberwurst zu spielen und persönliche Spitzen abzusetzen bewirkt aber bei mir weder den Wunsch, mit Ihnen konstruktiv zu diskutieren noch meine Meinung zu ändern.
Videos müssen packen, ein visuelles Feuerwerk lostreten, den Zuschauer vom Bürostuhl fegen. Oder doch nicht?
Maximilian Buddenbohm hat ein neues Buch ("Es fehlt mir nicht, am Meer zu sein") im Handel. Als er mich vor ein paar Monaten fragte, ob ich nicht Lust hätte, dazu einen klitzekleinen Trailer zu produzieren, habe ich zunächst gezögert. Schließlich können vor allem Buchtrailer schrecklich langweilig sein. Anders bei seinem Trailer: Langeweile sollte von Anfang an eine tragende Säule sein.
Und so ist dann dieses kleine Video entstanden. Inklusive Drehtag am Meer und (leider kein Videobeweis vorhanden) Hunden, die uns in die Kameratasche gepinkelt haben.
Die Herren von ZHI Consulting scheinen nicht nur Texte zu klauen, sie machen auch noch schlechte Videos. Ein Fleißkärtchen gibt's für den Vorsatz, möglichst professionell rüber zu kommen. Leider folgt wegen Verfehlung des Themas die Aberkennung sämtlicher Punkte. Wie wohl das Sequel heißen mag? "Angriff der nonverbalen Kommunikation"?, "Letzter Ausweg Persönlichkeitstraining"?
Chuck Fadely ist ein Webvideo-Urgestein. Als Videojournalist beim Miami Herald gehörte Chuck zu den ersten Videojournalisten, die für eine Tageszeitung Videos erstellt haben - und dies trotz Zeitungskrise in den USA immer noch macht. In der NewspaperVideo-Gruppe bei Yahoo hat er jetzt vier Punkte veröffentlicht, die sich jede deutsche Zeitung aufs Kameradisplay schreiben sollte.
Hier die von mir frei übersetzte Aufzählung, die ich zu 100 Prozent unterschreibe.
1.
Zunächst: Gerade zu Anfang haben weder Reporter, Redakteure noch Fotografen eine Ahnung davon, was gute Videos ausmacht. Also nicht den Fehler machen, und Videoaufträge in die Fotoabteilung geben. Gibt es jemanden für Videos, dann sollte er sich um die Geschichten kümmern. Zum Start eine Geschichte pro Tag machen und sicherstellen, dass der VJ den gesamten Tag für die Produktion hat, er braucht die Zeit. Wenn die großen Chefs nach Videos schreien, will plötzlich jeder Reporter und Redakteur ein Video für seine Geschichte haben - bloß nicht unter Druck setzen lassen! Stattdessen: Sorgfältig auswählen. Wichtig: Die Personen, welche die Videothemen aussucht muss zweierlei wissen. Erstens wie Videos produziert werden und zweitens die Statistiken der eigenen Webseite.
2.
Wenn es vor allem um Videoabrufe geht, gibt es nur zwei Dinge für Video: Vornehmlich harte News und Sport. Aber: Die meisten Zugriffe kommen von den (Text-)Geschichten, auf die die Nutzer über Suchmaschinen stoßen. Also hat das Einbetten von Videos in solche Geschichten oberste Priorität. Tipp: Videos zu den eigenen Top-Geschichten des Tages machen, welche sich längst nicht immer mit Print-Geschichten decken werden. Nicht zu viele Zugriffe auf Wohlfühl-Geschichten und Kultur-Videos erwarten.
3.
Bei der Auswahl von Video-Geschichten darauf achten, dass diese packend und emotional sind. Fakten und Zahlen haben keinen Platz in Videos. Zeige Dinge, anstatt von ihnen (im Off) zu erzählen. Mache Videos kurz und knackig. Die meisten Leute verlassen ein Video in den ersten zehn Sekunden, also mache diese besonders. Videos brauchen einen Spannungsbogen, einen Beginn, Mitte und ein Ende. Das kann bedeuten, dass der VJ für einige Aufnahmen noch bis zum Ende einer Geschichte bleiben muss, der Fotograf aber bereits fertig ist. Videos produzieren kostet viel Zeit.
4.
Ganz wichtig: Billigvideos haben absolut keinen Wert für die Zeitung. Werbetreibende hassen billig produzierte Stücke, Zuschauer klicken sie weg und eben so wichtig: Videomacher hassen es, absichtlich "Müll" produzieren zu müssen. Suche also Geschichten aus, die es wert sind und gib den Videomachern die Zeit, sie gut zu machen. Vermeide Geschichten im Zeitungsstil: Video ist dazu da, Geschichten anders zu erzählen als Text.
Chucks Fazit:
Video ist ein Fass ohne Boden, welches ohne Ende Zeit erfordert. Erwarte nicht, dass Fotografen zusätzlich ordentliche Videos abliefern können. Auf der anderen Hand sind Videos das faszinierendste Werkzeug, um Geschichten zu erzählen. Kein anderes Medium kann derart intensiv Menschen zum Weinen oder Lachen bringen.
Nahezu jeder werbliche Bewegtbildversuch einer Firma im Netz ist eine Katastrophe. Ausnahmen wie Old Spice werden wochenlang durch die Branche gefeiert. Dabei ist ein Großteil der Corporate-Videos nichts mehr als uninspirierter Schrott. Auf dem Handelsblatt Management Forum "Social Media" werde ich deswegen folgende Thesen in die Marketing-Reihen schleudern.
Nie war es günstiger
Nett ist genug
Jeder kann es
Jeder braucht es
WebTV ist wie Fernsehen
Und mich anschließend mittels folgender Thesen widerlegen und selbst vor die Mauer stellen:
Anlässlich des Viral Video Awards 2010 habe ich neulich etwas fürs ZDF-Blog Hyperland geschrieben. Darin versuche ich mich an einer Definition von viralen Videos.
In den USA ist der Kampf ums Wohnzimmer ausgebrochen: Mit neuen Endgeräten versuchen Google, Apple und kleine Anbieter wie Boxee, das Internet auf den Fernseher zu holen. Die schwersten Gefechte werden hinter den Kulissen ausgetragen.
CNN auf GoogleTV
Die großen TV-Sender laufen Sturm gegen das Fernsehen 2.0. Auch in Deutschland baut sich eine Front auf. Bewegte Zeiten: Mittels neuer Set-Top-Boxen oder speziell ausgestatteter TV-Geräte, wollen die Geräteanbieter das bisherige Fernsehprogramm um Inhalte aus dem Netz erweitern.
via blog.zdf.de
Fürs ZDF-Blog "Hyperland" habe ich versucht, die aktuellen Wirren rund um GoogleTV und Co. in Deutschland zusammenzufassen. Den ganzen Artikel gibt's drüben bei den Mainzern.