- Edit
- Delete
- Tags
- Autopost
Die Flip in Redakteurshänden
Flip arbeiten: http://www.derwesten.de/leben/gesundheit/Wie-Roboter-Gelaehmte-laufen-lassen-...
Journalist, Videopunk
Können Sie in wenigen Sätzen, ohne Gebrauch von Netz-Theorien, den Unterschied zwischen Webvideo und WebTV erklären? Willkommen im Club. Auch ich bin neulich daran gescheitert. Dabei lässt es sich mit einem Vergleich erklären. Doch erfordert dieser mehr als Stammtisch-Parolen und Wikipedia-Halbwissen.
YouTube ist Webvideo
Gemeint ist nicht das technische Portal hinter dem bis dato größten Bewegtbildlieferanten der Menschheitsgeschichte. Vielmehr bedeutet der Grundgedanke des Social Media die Trennlinie zwischen Webvideo und WebTV.
Ohne zum x-ten Mal das Hohelied auf Social Media zu singen: Der Nutzer nimmt aktiv an der Gestaltung seines Programmes teil. Als Produzent, Konsument und Kritiker. Er hat sich das Recht auf freie Inhaltewahl zurückerkämpft.
Dass diese Erkenntnis bei Verlagen auf eine Betonmauer stößt, verwundert nicht: Vorallem Medienhäuser verstehen es, ihren vermeintlich exklusiven Inhalt mit letzter Kraft vor ihren Kunden zu schützen. Neuerdings auch mit Selbstschussanlagen.
Insofern kommt die Gelegenheit, günstigen TV-Bewegtbildinhalt als Zweitverwertung einzuspeisen, den Verlagen entgegen: Syndikation, Video-Ads, Crossmedia - beim Thema "Bewegtbild im Netz" wird eifrig Buzzword-Bingo gespielt.
Dabei beruht der Erfolg von Webvideos nicht auf möglichst viel Content zu möglichst günstigen Preisen. Sondern auf den vielfältigen Möglichkeiten, die das Internet dem Submedium Bewegtbild bietet.
Die Maßzahl "Video-Abrufe" ist übrigens in dieser Hinsicht ein ungeeignetes Mittel des Erfolgsnachweises. Faktoren wie Verweildauer, Weiter-Empfehlungsrate, Kommentarqualität und Longtail-Effekt verdeutlichen in Ansätzen, welchen Stellenwert das Produkt Webvideo bei den Websehern bzw. Kunden hat.
Diese Faktoren zu steuern, erfordert den stetigen Dialog mit den Kunden. Eine Funktionsweise, die dem klassischen, weil originär für ein Send-Only-Medium "TV" entwickeltem Bewegtbild nicht gegeben ist.
WebTV nutzt zwar die Werkzeuge des Social-Media-Gedankenguts, blendet aber den geistigen Überbau aus. Und degradiert den Webseher zum Zuschauer zweiter Klasse.
Die Struktur ist eingefahren: Ganz unten gibt es Lokalredaktionen, darüber thront der "Mantel". Die Redaktion, die sich um die vermeintlich wirklich wichtigen Themen kümmert. Themen von überregionalem, je nach Definition auch nur von regionalem Interesse. Ein Auslaufmodell? Zumindest im Video-Bereich: Ja.
Web-Videos bei regionalen Zeitungsverlagen haben nur dann eine Chance, wenn sie sich ihrer Nischen-Funktion bewusst werden. Statt den großen Geschichten hinterherzuhechten, bedarf es journalistischer Demut. Der Kleingärtnerverein besitzt für einige Menschen vor Ort eine mindestens genauso große Relevanz wie die Weltwirtschaftskrise.
Münzen wir diese Relevanz auf Videos, zeigt sich der Standortvorteil eines regionalen Zeitungshauses. Die Redakteure vor Ort sind nah am Menschen. Das Wichtige dabei: Sie sind es jeden Tag. Denn um den neuen Markt zu erobern, bedarf es einer gewissen Regelmäßigkeit an Videos. Ist diese nicht gewährleistet, bleibt das Zusatzangebot eine Ausnahmeerscheinung. Ohne Chance auf Marktdurchsetzung.
Die klassische Funktion einer Mantel-Redaktion, das Schaffen von zusätzlichem Inhalt, ist somit obsolet. Bei uns zeigt sich dies an den Klickzahlen. Vermeintliche Beiträge mit Stars und Sternchen dümpeln im PI-Nirwana. Je mainstreamiger der Inhalt wird, desto weniger Webseher aus der potenziell interessierten Masse klicken sich in den Beitrag.
Allerdings bedarf es gerade im Lokalen verstärkter Marketingmaßnahmen für erfolgreiche Web-Videos. Der angesprochene Nischenmarkt muss über die Existenz des Videos Bescheid wissen. Leider ist dies nicht selbstverständlich - eine kleine Ankündigung im lokalen Print-Teil erreicht unter Umständen genau NICHT die gewünschte Zielgruppe.
Die Ankündigungs-Funktion muss der Lokalreporter selbst übernehmen. Er muss sein Werk aggressiv nach außen bewerben. Und noch nie war dies so einfach wie heut. Ein paar Mails hierhin, ein Foreneintrag dort, und ein Tweet zur richtigen Zeit. Die Werkzeuge liefert das Web zuhauf. Zudem erfreut sich ein analoges Kommunikationsmittel wieder wachsender Beliebtheit: Mundpropaganda.
City of Black & White — Canon 7D documentary from Charles Son on Vimeo.
A short film about the last show of Mat Kearney's City of Black & White tour.
Shot on the Canon 7D.Directed by Ryan McNeill, Charles SonDie Verlockung ist groß. Webvideos, ob nun eigenständig oder als Teil eines Multimedia-Paketes, werden nicht erst seit gestern als Geschäftsmodell für die Zukunft gefeiert. Nur konsequent, dass Sie als Fotograf den Schritt vom Stand- zum bewegten Bild wagen.
Ich will nichts beschönigen: Sie stellen sich damit in die lange Reihe der Radio- und Zeitungsjournalisten, die ihren hauseigenen Internetauftritten mit Videos den notwendigen Pep geben wollen. Lassen Sie sich davon nicht zurück in die Dunkelkammer treiben: Die Konkurrenz nimmt drastisch zu, aber ebenso die Erlösmöglichkeiten. Verlage lechzen nach bewegten Bildern. Geld ausgeben wollen sie dagegen noch nicht. Das hängt weniger mit dem Unwillen zusammen, für Qualität zahlen zu wollen. Sämtliche Erlösmodelle bei Webvideos kranken am Unverständnis der Werbewirtschaft. Bezahlt wird immer noch nach »Page Impressions«, kurz: Klicks. Fotos und Videos werden auf eine Stufe gestellt, ohne die unterschiedlichen Produktionskosten zu berücksichtigen.
Ein Beispiel. Sie sind auf einem Stadtfest unterwegs. Mitgebracht haben Sie ein gutes Dutzend Fotos und ein kleines Video. Ein Bild können Sie in der Zeitung unterbringen, die restlichen Fotos gehen für einen Bonus als Fotostrecke ins Netz. Sie beglücken mit ihrer Arbeit nicht nur die Leser, sondern auch den Internetauftritt. Zwölf Fotos sind pro »Zuschauer« potenziell zwölf Klicks. Und das Video? Ein Klick pro Zuschauer. Was meinen Sie, wofür der Verlag eher bereit ist, Geld auszugeben?
Ich höre den Einwand: »Aber Webvideos werden doch mit Werbung versehen!« Dann verrate ich Ihnen (k)ein Geheimnis: Je nach Größe des Internetauftrittes liegt der Werbepreis bei 20 bis 80 Euro. Pro Tausend Klicks wohlgemerkt. Spielen wir mit den Zahlen: Ihr Video wird von 3000 Personen angeschaut. Im Lokalen eine durchaus ordentliche Zahl. Das macht im besten Fall 240 Euro Einnahmen für den Verlag. Nun ist es Usus, dass Netzportale eine Beschränkung auf eine Werbung pro drei Videos einbauen. Denn welcher eifrige Webseher schaut sich gern mehrmals hintereinander dieselbe Werbung an? Flugs bricht das wacklige Zahlenwerk in sich zusammen. Bedanken dürfen Sie sich erneut bei der Werbewirtschaft.
Bei all der Schwarzmalerei liegt aber genau hier die Chance. Machen Sie sich frei von dem Gedanken, nur »mal eben« ein Video mitzubringen. Setzen Sie Ihre wertvolle Ressource Arbeitszeit gezielt ein. Investieren Sie in Qualität – sowohl des Videos, des Themas als auch Ihrer eigenen Vermarktung. Die Dreifaltigkeit des Webvideo-Business.
Die Versuchung ist groß, bei einem Termin »draufzuhalten«. Besser irgendein als kein Bewegtbild. Sicherlich finden Sie auch hin und wieder einen Abnehmer. Klasse wird dann zu Masse. Und in Zeiten von User Generated Content à la YouTube holen Sie sich noch mehr unerwünschte Konkurrenz ins Arbeitsleben.
Mittelfristig müssen Sie sich von der Masse absetzen. Haben Sie sich für den Schritt in Richtung Webvideo entschieden, verfolgen Sie ihn ebenso energisch wie die Fotografie. Lernen Sie, optimieren Sie Ihre Arbeitsabläufe. Bleiben Sie am Ball.
Auch wenn Videos und Fotos auf den ersten Blick viel gemein haben: Beide Berufsfelder haben ihre speziellen Anforderungen. Das fängt bei der Ausrüstung an und geht bei der Umsetzung weiter. Lösen Sie sich von der Mär, Webvideo sei Fernsehen in Kleinformat. Der Zuschauer konsumiert bewegte Bilder im Netz anders. Während er bei der Produktionsqualität kleine Ungereimtheiten verzeiht, achtet er umso mehr auf den Inhalt. Seine wertvolle Internet-Zeit will gut genutzt sein. Halten Sie ihn deswegen von der ersten Sekunde an am Monitor fest.
Schlussendlich entscheidet er über Erfolg oder Misserfolg Ihres Produktes. Und davon hängt jeder weitere Auftrag ab. Denn der Erfolg im Internet ist durchaus messbar. Zumindest hier ein kleines »Danke« in Richtung »Page Impressions«.
Zwar ist die technische Qualität eines Webvideos wichtig, aber noch entscheidender ist das Thema. Prüfen Sie, welche Nische der Markt hergibt, wo die Wünsche Ihres potenziellen Auftraggebers liegen – und werden Sie dort zum Platzhirsch. Nicht jedes Fotothema ist gleichzeitig ein gutes Videothema, und umgekehrt. Zu jedem Thema lässt sich ein Video produzieren, aber medienkonvergentes Arbeiten im Internet erfordert das Ausloten der sinnvollsten Darstellungsform. Und Video ist beileibe nicht immer die beste Möglichkeit, ein Thema aufzugreifen.
Haben Sie nun ein fertiges Video auf der Festplatte und möglicherweise einen Abnehmer gefunden, beginnt ein weiteres Stück harter Arbeit. Bewerben Sie Ihre Arbeit und damit sich selbst. Werden Sie Ihre eigene Video-Agentur. Das Internet bietet nahezu unendlich viele, meist kostenfreie Möglichkeiten für diesen Zweck. Präsentieren Sie das Video auf Ihrer eigenen Netzpräsenz, entweder durch Verlinkung oder durch Einbetten des Produktes. Nutzen Sie soziale Netzwerke wie Twitter, Facebook, Xing oder MySpace, um Ihr Werk zu verbreiten. Verlinken Sie in Fan-Foren, Gästebüchern, Wikipedia. Aber: nur nicht übertreiben. Sonst landen Sie allzu schnell im Spam-Ordner der jeweiligen Dienste.
Trotz all Ihrer Bemühungen beißt kein Verlag auf Ihr Video-Angebot an? Weil das Redaktionsbudget zu wenig hergibt? Dann werden Sie Ihr eigener Vermarkter. Refinanzieren Sie die Videos mittels eines Sponsoring-Partners und bieten das Produkt den Verlagen gratis an. Schließlich kann es Ihnen egal sein, wer Ihre Brötchen bezahlt.
Sie merken, das Webvideo-Geschäft ist komplex. Und immer noch in einer frühen Entwicklungsphase. Solange Medienunternehmen und Werbewirtschaft kein tragfähiges Modell zur Refinanzierung der Online-Angebote gefunden haben, bleibt Ihnen nur die Flucht nach vorn. Ein steiniger Weg mit vielen Risiken. Sie haben den ersten Schritt getan und sind in diesem spannenden neuen Berufsfeld von Anfang an dabei.
Herzlichen Glückwunsch. Bleiben Sie jetzt standhaft.
(Dieser Artikel von mir erschien Mitte 2009 in Ausgabe 28 von FREELENS, dem Verbandsmagazin der Fotojournalistinnen und Fotojournalisten.)
Mit die interessanteste Session auf dem Videocamp: Wie produziere ich bewusst ein virales Video? Ich bin zwar immer noch der Meinung, dass man viral nicht machen, sondern nur erleben kann. Ein gutes Video mit gutem Marketing wird gefunden werden...
Dennoch:
Hier gibt's eine Liste mit 37 Tipps bzw. Links, die zeigen, mit welchen Mitteln erfolgreiche Videos erfolgreich werden.
Die Meldung wirkt grotesk:
Endlich, als wäre es eine Innovation sondergleichen, können Medienhäuser ihren Lesern Abonnenten Zuschauern Hörern Nutzern das Neueste in Sachen Webvideo bieten: Sie können Videos hochladen! Ja, Sie dort draußen am Monitor. Genau Sie sind jetzt in der Lage, bei ihrer Lokalzeitung Ihr Video direkt hochzuladen. Keine CD muss mehr eingetütet und in der Lokalredaktion abgeben werden. Das nennt man Web 2.0 (oder so). Alles was Sie dazu brauchen, ist ein Benutzerkonto bei YouTube.
Moment Mal, YouTube?
Das was der Google-Videogigant auf die Adressleiste gebracht hat, ist keine Innovation, sondern eine Reaktion auf die Unfähigkeit vieler Medienhäuser. Während selbst Oma Kulitcke aus Oer-Erkenschwick den Rohrbruch bei den Nachbarn mit der Foto-Kamera filmt und ins Netz stellt, haben die alten Medien den Dampfer längst abfahren lassen. YouTubes Angebot ist ein Rettungsring für auf Grund laufende Mediendickschiffe.
Freie Fahrt voraus!
Dennoch: Die meisten Bürgerreporter werden den Rettungsring vorbeischwimmen lassen. Längst haben sie das Ruder ihres eigenen Bootes in der Hand, sind ihr eigener Kapitän und Steuermann.
Die fixe Idee alternder Medienhäuser, 2 Minuten Video-Ruhm auf einer mehr oder weniger geschlossenen Nachrichtenseite könne einen Schiffswechsel auf hoher See bewirken, beweisen die eigene Rückständigkeit.
Doch die Angst vor Googles Übermacht, und die einhergehende Erkenntnis der eigenen Fehler, wird das Schiff nicht vom Kurs abbringen. Es bleibt zu bezweifeln, ob Nutzervideos in nächster Zeit Einzug in deutsche Medienhäuser halten. Wer will auch schon an Bord eines Schiffes sein, dessen Reiseroute gespickt von Eisbergen ist?
Nur noch x-mal Schlafen und der Videomann ist da. Ende November steigt in Essen das Videocamp - ein Barcamp rund ums Bewegtbild. Seit ein paar Tagen sind die Anmeldelisten offen - und es füllt sich. Wer also noch einen Platz ergattern will, surfe flugs bei www.Videocamp.de vorbei und trage sich in die Listen ein. Was kostet der Spaß? Den Teilnehmern nichts - Eintritt, nicht-alkoholische Getränke und lecker Essen gehen auf unsere Kappe. Oder eher gesagt die Kappe der Sponsoren: Flip, Tremor Media und projektwerk.
P.S.: Wer das Videocamp zusätzlich unterstützen möchte, ist herzlich dazu eingeladen. Kurz eine Nachricht an uns absetzen und wir melden uns.
Als Lokation haben wir uns bewusst für das Unperfekthaus entschieden. Es gibt kaum einen Ort in Deutschland, welcher derart entspanntes Brainstormen erlaubt. Und dazu ordentlichen Gratis-Kaffee bietet ;)
Orga-Mastermind Stefan Evertz und ich freuen uns auf zwei Tage kreativen Austausch über die Zukunft des bewegten Bildes.
Manche Dinge ändern sich nie. Scharf kalkuliert heißt eben meistens doch nur Pi-Mal-Daumen.
Update: Jetzt auch zum Hier-Gucken.
How much from Markus Huendgen on Vimeo.
Goof on industrial film production.
Prelinger Archives http://www.archive.org/details/prelinger