Regionale Fernseh-Offensive in NRW
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Der Fernsehmarkt in Nordrhein-Westfalen entdeckt die Nische für sich. Neben center.tv formieren sich die regionalen Zeitungsverlage für einen Angriff auf die heimischen Fernsehgeräte. Noch dieses Jahr soll es flächendeckend lokale Fenster geben. Mit knapp drei Jahren Verspätung ist damit der "Zalbertus-Effekt" eingetreten.
Als André Zalbertus im Jahre 2005 mit center.tv in Köln auf Sendung ging, erntete er nicht nur Lob. Auch heute noch schwankt das Progrann, mittlerweile auch im Ruhrgebiet zwischen Billig-Bewegtbild und rührigen Regional-Reporten. Mit Formaten wie "Bratwurst-Salon" ist center.tv zum Musikantenstadl der deutschen Fernsehlandschaft geworden: Immer lieb und nett, möglichst unaufgeregt und äußerst jungendinkompatibel.
Auch wenn center.tv keine Zahlen nach außen dringen lässt: Das Geschäftsmodell "Regional-Fernsehen" scheint zumindest auf breiter Flur nordrhein-westfälischer Medienetagen Gefallen zu finden.
Sowohl in Köln (DuMont Schauberg), Düsseldorf (Rheinische Post), Aachen (H. Neusser) bei center.tv, als auch bei NRW.TV (WAZ Mediengruppe) sind deutsche Regionalverlage beteiligt.
Mit direkten Eingriffen ins Programm haben sich die Verleger bis jetzt zurückgehalten. Doch bereits im April plant die WAZ Mediengruppe auf NRW.TV den regelmäßigen Gang vor die Kamera. Ein tägliches lokales Fenster, produziert in Essen, soll den Ballungsraum Ruhrgebiet mit Bewegtbild-Nachrichten versorgen. Live-Schalten und weitere Sendeformate (u.a. zum Revierlieblingsthema "Fußball") sollen in Planung sein.
Die Konkurrenz ist längst aus dem Winterschlaf erwacht und schraubt an ähnlichen Formaten, jeweils bezogen auf das Print-Verbreitungsgebiet. Dort wo keine Beteiligungen an Fernsehsendern bestehen, könnte NRW.TV als Ausspielstation in die Bresche springen. Unter anderem soll es laut mehrerer Quellen intenstive Gespräche mit den Westfälischen Nachrichten (Münster) geben. Inwieweit sich die Rheinische Post in Düsseldorf auf ihre Beteilgung bei center.tv stützt oder mit einer Kooperation mit NRW.TV liebäugelt, scheint noch nicht sicher zu sein.
Sicher ist aber: Hinter verschlossenen Türen sprechen die konkurrierenden Verlage über eine gemeinsame Fernsehzukunft. Nicht zuletzt, um dem TV-Platzhirsch WDR geschlossen entgegenzutreten.
Angst braucht man in Köln aber weniger zu haben. Ohne die Milliarden öffentlicher Gebühren im Rücken wird es beim privatwirtschaftlichen Regional-TV um eine saubere Refinanzierung gehen. Inwieweit lokale und regionale Nachrichten - und eben nicht Unterhaltungsformate - vermarktbar sind, wird sich zeigen müssen.
Derweil koketiert Zalbertus in der Welt am Sonntag mit seiner Idee, zweimal wöchentlich eine Zeitung für das Ruhrgebiet herauszugeben. Ein klarer Angriff auf den Fast-Monopolisten WAZ Mediengruppe. In den anderen center.tv-Städten wäre dies aufgrund der Verlagsbeteiligungen nicht möglich. Auch mit der WAZ gab es Verhandlungen, die allerdings im Zwist endeten. Ist die Zeit jetzt reif für eine Retourkutsche?
