Bis heute dachte ich, das Sparring mit Lokalredaktionen rund um Webvideo sei die höchste Gewichtsklasse. Aber wie so vieles im Journalistenleben kommt es a.) meistens anders und b.) als man denkt. Bei newsaktuell in Düsseldorf sollte ich aus dem Video-Redaktionsalltag berichten und den anwesenden PR-Profis aus der Region Tipps geben. Wie erstelle ich Webvideos, was ist zu beachten - und besonders: Wie kriege ich diese teuren Bewegtbild-Pressemitteilungen gefälligst bei der WAZ (oder anderen News-Portalen) unter.
Los geht’s bei Null
Das Wissen rund um Webvideo erschöpft sich bei vielen Kollegen schon bei der Technik. Über Inhalte reden wir dann mal in Ruhe. Ein anderes Mal. Nein, es ist nicht so, als wenn die PR-Profis nicht wüssten, wie wichtig Webvideo ist und noch sein wird. Doch manche Fragen haben gezeigt, welch dicke Bretter die Kollegen in ihre Unternehmen zu bohren haben.
Kaffeekränzchen beim Pförtner
Klar, die Nutzer (also wir alle) wollen nicht mehr diesen hochglanzpolierten Einheitsbrei der Marke “Image-Film made 1996″. Doch was tun, wenn die eigene Vorstandsetage die Qualität eines Videos nach seinen Produktionskosten bemisst. Und noch etwas ist mir aufgefallen: Die 90-Sekunden-Denke ist in den PR-Stuben noch weit verbreiteter als in hiesigen Lokalredaktionen. Was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass die PR-Kollegen schon vor geraumer Zeit ihr Gespür für Geschichten beim Pförtner abgegeben haben. Oder, damit möchte ich aber keinem zu Nahe treten, es nie hatten. Wer mich ernsthaft fragt, wie man seine Öffentlichkeitsarbeit aufs Regionale runterbricht, muss irgendwo irgendwann sehr lange gefehlt haben. Oder saß zu lange beim Pförtner.
Vom Sender zum Mitredner
Was einige Kollegen dort draußen auf der anderen Seite der Journalisten-Schreibtische aber gänzlich vergessen haben: PR heißt auch Öffentlichkeitsarbeit. Und damit ist auch Reden gemeint. Ja, mit uns Journalisten (Kudos deswegen an alle Anwesenden) und auch mit diesen, wie hießen die nochmal, achja, “Empfängern” am anderen Ende der Leitung. Werbung macht eine andere Abteilung. Die dürfen kritiklos ihren Produkt-Blah in den Äther pusten.
Die Denke in den Pressestuben mancher Unternehmen muss also arg nach Anno Schnüff müffeln. Käsige Selbstbeweihräucherung aus der Mahagoni-Schublade, gut abgehangen und auf der Wiedervorlage ganz weit oben.
Das klingt jetzt vielleicht alles schlimmer, als es die meisten Beteiligten selbst wahrhaben wollen. Aber bei uns Journalisten hat es auch eine Weile gedauert, bis wir die Holz-only-Ohrpropfen rausgenommen haben. Das tut im ersten Moment weh, aber nach einer Weile stellt sich der Wahrnehmungs-Bonus ein.
Wir werden euch helfen. Keine Sorge. “Möge die Macht mit euch sein.”
P.S.: Weil das Thema aber so unglaublich spannend ist, werde ich mich ab jetzt hin und wieder der Dunklen Seite widmen und schauen, wohin es manche Unternehmen und ihre Videos verschlägt.
Videopunk - Anarchy in Web-TV Webvideos und die Zukunft des Bewegtbildes