Der Kampf ums Wohnzimmer ist entbrannt. Neben Google, Boxee und Roku wagt Apple den steinigen Weg ins Heiligtum netzaffiner Haushalte. Leider ist Apples zweiter Versuch einer Videobox nur ein uninspirierter Versuch, den die Konkurrenz mittelfristig ins digitale Vergessen schicken wird. Warum AppleTV ein Flop ist?
Auf den ersten Blick wirkt das kleine Kästchen wie ein typisches Apfelprodukt: Minimal-Design, viel Wundertechnik in kleinstmöglicher Größe, iTunes als vertrautes Paid-Content-Backend. Nach drei Wochen Alltagstest haben sich diese vermeintlichen Vorzüge aufgebraucht. Die Box steht nun wie andere Geräte im Multimedia-Rack, aufgrund der kleinen Größe sehr unauffällig und iTunes ist nur eine Einstiegsdroge. Das Filmschauen auf Knopfdruck befreit, aber irgendwann reicht diese Dosis nicht mehr.
Wenigstens gibt es einen Menüpunkt für YouTube, andere Webservices hingegen fehlen. Auch die Airplay-Technologie, in der z.B. vom iTunes des Macbooks Filme und Musik auf die Apple-Box geschickt werden können, stößt schnell an seine Grenzen. Akzeptiert werden nur iTunes-kompatible Dateiformate.
Wer eine gut gemasterte Blu-ray auf einem FullHD-TV gesehen hat, will in Zukunft keine Qualitätskompromisse mehr eingehen. Leider ist dieser bei AppleTV eingebaut. Mehr als 720p spuckt das Kästchen nicht über den HDMI-Stecker.
Doch dies sind alles nur mehr oder weniger kleine Ungereimtheiten. Das größte Manko ist gleichzeitig Apples größte Innovation und Einnahmequelle: Apps. Diese fehlen hier gänzlich. Zwar basiert AppleTV wie iPhone, iPad und iPod Touch auf dem Betriebssystem iOS. Apps werden dagegen auch in Zukunft kaum den Weg auf den Fernseher finden: Kein externes Speichermedium kann angeschlossen werden, der interne Speicher ist mit 8GB ebenso klein wie das Gehäuse dimensioniert.
Allerdings ist Apple weiterhin Apple: Genügend Käufer wird die Box allein aus Fankreisen anziehen. Insofern könnte eine Version 3 von AppleTV den Weg in die Wohnzimmer besser meistern. Fraglich nur, ob angesichts der starken Konkurrenz der Platz im Multimedia-Rack nicht schon vergeben ist.
Das weltstärkste Videoportal rennt von Rekord zu Rekord. Nachdem im März 2010 bereits 24 Stunden neues Videomaterial jede Minute hochgeladen wurde, ist das Uploadverhalten der Nutzer nun explodiert. Ganze 35 Stunden Material finden jetzt pro Minute den Weg auf das Portal. Spannende Frage, nicht nur für Netzneutralitätsinteressierte: Welche Datenmengen sind denn überhaupt 35 Stunden Videomaterial?
Aufgrund der vielen unterschiedlichen Formate, Kodierungen und Auflösungen ist höchstens von YouTube eine verlässliche Zahl kommunizierbar.
Machen wir dennoch für einen Moment eine Pi-Mal-Daumen-Rechnung auf und stellen uns den Durchschnitts-YT-User vor.
Als Videoformat nehmen wir optimistischerweise mp4 (h.264) an mit einer moderaten Bitrate von 1500 KBit/s und klassischer SD-Auflösung. Macht bei einer Minute Material 9 MB an Daten. Macht bei einer Stunde 540 MB. Macht bei 35 Stunden 18,9 Gigabyte.
Das heißt: Pro Minute werden 18,9 GB Video hochgeladen. Pro Stunde damit 1,134 Terabyte. Pro YouTube-Tag: 27, 216 TB.
YouTube selbst wettet schon auf den nächsten Rekord, 48 Stunden neues Material pro Minute. Womit der Traffic dann Pi-Mal-Daumen bei 40 TB pro Tag liegt. Wer das Ganze für HD ausrechnen will: Einfach die Datengröße verdoppeln (nach Adam-Pi-Mal-Daumen-Riese).
Ich muss gestehen: "Deutschlands junge Online-Zeitung" Zeitjung kannte ich bis gestern nicht. Dabei hat das Münchner Portal ein durchaus interessantes Videoformat im Programm. Bei "Hauskonzert" machen Musiker das, was sie am Besten können: Musik.
Aufmerksame Zuschauer bemerken sofort: Hier wird mit DSLRs gearbeitet. Genauer gesagt mit einer 7D und einer 550D, wie mir Stefan Zinsbacher von Zeitjung erzählt. Die Erklärung ist ebenso einfach:
Die Bildqualität, die Farbintenität, ist einfach überragend, "wie im Kino", wenn man einmal auf dieser Ästhetik ist, wirken die meisten anders gefilmten Bewegtbilder irgendwie fahl, schal und blutleer. Durch die tiefenschärfe hat man natürlich sehr intime aufnahmen, vor allem sehr nahe mit einem lichtstarken 50er-Objektiv können unglaublich gut das Gefühl eines Sängers transportieren. Außerdem sind die Cams so schön klein, dass man den Künstlern nicht mit überdimensionalen Aufbauten usw. Angst macht, in die intime Welt ihrer Lieder eindringt, sondern immer eine sehr private Situation beim filmen entsteht, in der auch die Musiker sehr entspannt sind.
Besonders bei derartigen Musikvideos ist der Ton kriegsentscheidend. Stefan setzt deswegen als On-Camera-Lösung auf das bewährte Sennheiser MKE400, für besten Klang wird die Musiksession aber mit einem externen Aufnahmegerät verewigt.
Rechtlich bewegen sich die Videos in einer Grauzone. Zwar liegt für jedes Video eine Erlaubnis der Plattenlabels vor und Probleme mit der GEMA gab es bis jetzt noch nicht. Hilfreich mag hier die Wahl YouTubes als "Sender" zu sein. Googles Weltsender liegt derzeit weiterhin mit der GEMA im Klinsch, eventuell anfallende Zahlungen müssten trotzdem vom Portalbetreiber erfolgen. Oder YouTube wird das eine oder andere Video in Zukunft löschen.
Fazit
Mir gefällt vor allem die intime Stimmung der Videos, obwohl wenn es manchmal etwas zu sehr wackelt. Eine Prise Bewegtbildphilosophie muss dann auch noch sein: Stefan beschreibt den Produktionsvorgang durchaus als journalistisch, insbesondere was die Vorbereitung auf das Hauskonzert angeht. Insofern hält er es nicht für kritisch, derartig geschönte und von der Realität oftmals abweichende Bilder zu drehen.
Eine kleine Meldung, die große Wirkung haben könnte: Livestream hat eine Facebook-App vorgestellt, mit der jedes Mitglied des Netzwerks per Knopfdruck live auf Sendung gehen kann. Zwar war es schon jetzt möglich, mittels Embed-Code einen bestehende Livestream auf Facebook einzubinden. Die Livestream.com-Lösung ist hingegen ungleich komfortabler. Selbst das im Vorfeld notwendige Erstellen eines Livestream-Accounts kann nun in Facebook erledigt werden. Die einzelnen Konten können dann auf eigene Facebook-Seiten verlinkt werden. Zum Senden an sich wird aber die kostenlose Procaster-Software von Livestream benötigt.
Technisch bleibt mit Livestream.com alles beim Alten: Weiterhin gelten die Einschränken für Nicht-Premium-Konten (z.B. max. 50 gleichzeitige Zuschauer bei "unverified accounts").
Von der kurzen Einrichtung abgesehen, war es noch nie einfacher, mit Video live auf Sendung zu gehen. Die Integration in Facebook, inklusive der Kommentarfunktion, Anbindung an die Pinnwand etc. wird Live-Video vielleicht den bis jetzt ausgebliebenen Erfolg im Netz bringen.
Auf dieses Video der BBC-Journalistin Victoria Holt bin ich bei Michael Rosenblum gestoßen. Was das Video so besonders macht?
Zunächst ist es trotz der 8 Minuten nie langweilig. Es ist exemplarisch für den durch Rosenblum geprägten VJ-Stil. Statt Off-Text erzählt der Protagonist, Sequenzen werden mit Five-Shot aufgelöst, gedreht wird aus der Hand. Generell ist die Technik eindeutig nicht das bestimmende Element des Beitrags. In Zeiten von zunehmend übergekünstelten DSLR-Videos sehr erfrischend.
Rosenblum selbst stellt im Blog die Frage: "What happens when you empower people with video?" Das obige Beispiel zeigt, wie wertvoll das Handwerk sein kann. Kein großes Kamerateam und Location-Scouts, nur ein "600 Dollar plane ticket from London to Rwanda" und eine Woche vor Ort.
Noch nie war es so einfach, so günstig und so lohnend für guten Journalismus, auf bewegte Bilder zu setzen. Ohne die heutigen Möglichkeiten wäre diese Ruanda-Geschichte nie erzählt worden.
Entweder haben die Jungs und Mädels von JvM ihre tägliche Dosis kolumbianischen Schnupftabak nicht bekommen oder sie haben beim letzten ADC-Treffen ihr Oberstübchen an der Garderobe vergessen. Jedenfalls mundet die Castor-Guerilla-Kampagne für den Stahldroschkenvermieter Sixt geschmackloser als ein wiedergekäutes Stück Nordsee-Fischburger. Das Video sei deswegen nur beispielhaft für all die großen mächtigen Werbeagenturen, die vor lauter Gemächtprahlerei den Kontakt zum Volk verloren haben.
Man mag die Demonstrationen für fehlgeleitet halten, für teuer, sinnlos oder man mag sogar AKWs für toll befinden, eingestreute Witzwerbung ist bei dem ernsten Thema ebenso fehl am Platze wie das minderbemittelt seichte Gefeiere der Aktion im Sixtschen Firmenblog.
Für alle Motorsport- und FullHD-Freunde: RTV hat bei der Formel 1 gezaubert und mittels RED, Arri 35mm und Canon 5DMk2s (Onboard-Kameras) asphalterschütternde Bilder produziert.
Gong für Runde 3: Dieses Mal ein bekannter Krankenversicherer, der sich sinnbefreite Videos hat aufschwatzen lassen.
Weil kein Embedding möglich ist, hier nur der Link und die Handlungsanweisung: "Berater mit Video" auswählen und das Grauen genießen. Sorry, liebe DKV, damit schadet ihr euren Beratern mehr als es ihnen nützt.