Mit viel Selbstbewusstsein hat die WAZ heute ihr Multimedia-Spezial lobgepreist. Doch die virtuelle Bibliothek zum Thema "PCB-Skandal durch Envio" ist nur ein trauriger Versuch, modernen Journalismus ins strauchelnde Dickschiff an der Friedrichstraße zu bringen.
Eine stilisierte Stadtkarte Dortmunds (siehe Screenshot), etliche nummerierte Wegpunkte, der erste Eindruck wirkt vernünftig. Doch bereits nach den ersten unkoordinierten Schritten durch die digitale Bibliothek schmerzen die Füße. Warum lande ich beim Klick auf die Nummer 18 (symbolisiert durch ein Boot) beim Stichwort Korea? Warum sitzt die Staatsanwaltschaft (Nummer 8) unter freiem Himmel neben grüner Baumlandschaft? Oder liegt es nur an meiner mangelnden Ortskundigkeit als Essener, dass ich mich inhaltlich in der Dortmunder City verlaufe?
Kein Storytelling
Was dem Spezial fehlt, ist ein roter Faden. Einer, der über das simple Durchnummerieren der Wegpunkte hinaus geht. Es genügt heute nicht mehr, den Nutzer jeden Schritt der Geschichte vorzugeben. Und es hat noch nie dazu gereicht, komplizierte Informationen zu vermitteln. Denn auch hier hakt das Spezial. Die informativen Texte werden lieblos als Bleiwüsten präsentiert, Zwischentitel und Verlinkungen im Text Fehlanzeige. Stattdessen findet der Nutzer das übliche Standardpaket biederen Journalismus: Immer wieder Fotos, viele Originaldokumente zum Download, hin und wieder Videos. Alles garantiert schön IVW-verpixelt. Mit dieser Art Journalismus darf der Leser Dank schlechter Nutzerführung aber gleichzeitig für große Klickzahlen leiden.
Ein ebenfalls fragwürdiges Erlebnis sind die Videos. Bis zu 15 Minuten lang, mit derartig vielen handwerklichen Fehlern, dass selbst einem 15-jährigen Neu-YouTuber eine Veröffentlichung zu peinlich wäre. Das Niveau liegt noch weiter unter Lokalfernsehen. Von Webtauglichkeit ganz zu schweigen. Und für Off-Texte im BILD-Stil ("Sonst helfe ihnen niemand. Dabei sind die Männer krank. Das Gift - es wirkt".) ist die WAZ mittlerweile berühmt-berüchtigt.
Fragenkatalog (anno 2007)
Derlei grobe Schnitzer gibt es in allen Bereichen viele. Und noch mehr Fragen, die 2011 einer Online-Redaktion nicht mehr gestellt werden sollten.
Warum gibt es keinen Zeitstrahl, der die Ereignisse übersichtlich zusammenfasst? Warum fehlt jegliche Einbindung von Social Media? Ich kann selbst das gesamte Spezial nicht "liken" oder einfach per Twitterbutton verbreiten. Warum dürfen die Nutzer nicht von ihren Ereignissen berichten? Und zwar nicht irgendwo, sondern genau hier beim Spezial. Das ist insbesondere sehr schade, weil die Kollegen bei DerWesten ansonsten zu den Vorzeigejournalisten im Bereich Social-Media gehören.
Fazit
All diese Fehler könnte der Nutzer übersehen, wenn er denn wenigstens eine Sache für sich mitnehmen würde: Einen wirklichen Mehrwert im Vergleich zu den selbigen Inhalten z.B. auf DerWesten.de. Doch warum fehlt eben jenes Element, das mir die Zahlenkolonnen verständlich erklärt, Zusammenhänge visualisiert - wo steckt auch nur ein Hauch von Datenjournalismus im Spezial? Dass im Jahre 2011 die größte Regionalzeitung Deutschlands noch immer nicht verstanden hat, dass Online-Journalismus keine Abladestation ist, spricht Bände. Nur leider verkommt diese virtuelle Bibliothek damit zum verstaubten Museum.
Disclaimer: Ich war bis Ende März 2010 bei DerWesten.de als Ressortleiter Video beschäftigt.
Leider ist unsere öffentliche Diskussion vergangene Woche ins Stocken geraten. Nachdem Sie jetzt Ihren Ablassbrief unterzeichnet haben, können wir vielleicht wieder sachlich über das Thema "Livestreaming" reden. Denn ich finde, wir können gar nicht genug darüber reden. Bewegtbild im Netz wird mittelfristig zum bestimmenden Kommunikationsmittel im und außerhalb des Internet werden.
In unserem langen Telefonat am Freitag haben Sie vorgeschlagen, wir mögen doch Diskussionen in Zukunft über die eigenen Blogs führen. Dies würde die Übersichtlichkeit erleichten. Wohl an.
Besser spät als nie: Ein kleines musikunterlegtes Stück mit Eindrücken des 1. Deutschen Webvideopreises, dessen Veranstaltung Stefan Evertz, Christoph Krachten und ich Ende Februar in Essen organisiert hatten.
Ich, wir alle, haben versagt. War es doch unser Ziel, die Gräben zu verschütten, Brücken zu bauen, Wege aufzuzeigen. Nach mehr als drei Jahren Bewegtbildaktivismus sieht die Bilanz verheerend aus. Fernsehen und Webvideo verschmelzen nicht zu einem konvergenten Medium. Die Differenzen sind größer denn je. Längst ist Bewegtbild eine zersplitterte Kulturtechnik, Dialog ein Fremdwort geworden.
Ich habe große Achtung vor den Experimenten hiesiger Fernsehsender. Versuchen doch vor allem die öffentlich-rechtlichen eben jenen schwierigen Spagat zwischen Netz und Flimmerkiste aufs Parkett zu bringen. Eperimente wie der Hybrid-Krimi Dina Foxx im ZDF zeugen von dem Willen, sich zu wandeln. Doch kann kein noch so starker Wille die Realität verbiegen: Der Nutzer geht diese Entwicklung nicht mit.
Blicken wir der Wahrheit ins rot funkelnde Auge: Der größte Teil der Generation "Fernsehen" wird sich niemals mit der Bewegtbildkultur des Netzes anfreunden. Auch auf der anderen Seite des Nutzungsverhaltens herrscht wenig Gegenliebe. Wer heute ohne Tagesschau, Wetten dass und stupide Gerichtsshows sozialisiert wird, der wandert in Massen auf andere Kanäle. Spartenangebote wie das gelungene ZDFKultur sind dabei dennoch nichts weiter als ein Tropfen auf den heißen Stein.
Beide Seiten wollen nicht miteinander reden
Es war kurz vor dem Medienforum.NRW, als ich einen Anruf von den Machern erhielt. Man wünsche sich eine Art Kamingespräch mit einem echten TV-Urgestein, einem Schwergewicht wie Helmut Thoma. Ihm gegenüber sollte dann ein junger Vertreter der Generation "YouTube" sitzen - nicht älter als 20 Jahre. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: Das Kamingespräch - als Überraschungshighlight des medienforums geplant - fand mangels passender williger Kandidaten nicht statt.
Was hätten diese beiden Archetypen der Medienwelt auch zu besprechen gehabt?
Ich glaube, manchen Medienmachern ist immer noch nicht bewusst, welche gravierenden Auswirkungen die rasend schnelle Demokratisierung der Produktionsmittel auf unsere Wirklichkeit haben wird. Mit welcher Geschwindigkeit die Innovations-Meteoren täglich neue Löcher in die verkustete Oberfläche bestehender Medienstrukturen schlagen. Das ist nicht mit jährlichen Studien messbar, das ist nur am eigenen Verhalten erlebbar.
Entweder wir akzeptieren, dass es mediale Parallelgesellschaften gibt. Oder wir verschwenden weiterhin wertvolle Ressourcen auf ein falsches Ideal von Harmonie. Und das zu einer Zeit, in der jede Minute zählt.
(Anmerkung: Ich arbeite unter anderem für das ZDF)
Der 28. Juni 2011 wird in die Mediengeschichte eingehen. Nicht weil Videos wie dieses das Netz erobern, sondern weil Petitionen wie diese aufploppen. Ich habe fast Verständnis für die Sorgen und Nöte mancher Kollegen, zeigt die Aktion doch eines: Die Medienrevolution ist mit Verzögerung auch bei den Bewegtbildprofis angelangt.
Bis dato war es ein kuscheliges Experimentieren: Im TV Geld verdienen, im Netz herumspielen. Die Zeiten haben sich längst geändert. Und mittlerweile reagieren Unternehmen wie Apple auf diese Entwicklung. Der schmale Grat zwischen Profi und Amateur ist längst verschwunden, die Grenzen sind fließend. Kapitalisten sagen: Aber Profis verdienen Geld mit ihrem Beruf. Ich sage: Erstens ist es bei vielen Kollegen nur ein Wollen und nicht ein Verdienen, zweitens haben sich im Netz einige schon aus der alten Welt bekannte Alternativ-Währungen wie "Aufmerksamkeitssucht" breit gemacht und drittens sagt eine Einordnung in Profi oder Amateur nichts über die Qualität aus.
Das Geheule der professionell verschreckten Mediengestalter, Filmer, Cutter ist unerträglich. Ein Videoschnittprogramm ist ein Werkzeug. Und Werkzeuge passen sich in einer Marktwirtschaft den Gegebenheiten an. Wer damit argumentiert, er habe Unsummen in Final Cut investiert und darauf sein Geschäftsmodell aufgebaut, dem kann ich nur sagen: Pech gehabt. Times are a changing. Ähnlich erging es damals den großen europäischen Kutschenbauern. Plötzlich waren die Sägemühlen und Schreinereien überflüssig. Weil Kutschen auf einmal aus Stahl gefertigt wurden.
Liebe Kollegen - macht nicht den gleichen Fehler wie die Print-Vertreter unserer Medienzunft. Ignorieren, belächeln, verfluchen, verklagen. Mit solchen Kindern spielt niemand gern.
Das Genöle ist erschreckend. Seit Tagen weinen Kollege "ihrem" Final Cut hinterher. Die X-Version sei ja ganz nett, aber.... leider nicht für Profis gemacht. Und weil Profis besonders gern und laut heulen, praktizieren sie diese antrainierte Ausbildung möglichst an jedem Blogpost und Tweet. Dabei habe ich Mitleid mit den Kollegen, bedeutet das neue Final Cut insbesondere eines: Klammheimlich hat Apple den Begriff "Professionalität" auf den Kopf gestellt.
Stein des Anstoßes sind die vielen angeblich fehlenden Pro-Features. EDL, Mulitcam, Monitor-Out und und und. Guess what: 90 Prozent der Leser dieses Blogpostings werden mit den Begriffen nichts anfangen können. Und 98 Prozent der weltweiten Videoproduzenten werden nichts vermissen.
Apples Schritt Richtung Nutzermitte ist nicht nur simples Kalkül, einen breiteren Markt zu monetarisieren. Vielmehr hat Apple - wie so oft - die Zeichen der Zeit erkannt. Die Zukunft des Bewegtbildes liegt bei den Prosumern und diese Zielgruppe definiert Professionalität und dafür notwendige Features neu. Die schrittweise Zusammenführung von iMovie und Final Cut, und das zu einem fairen Produktpreis ist ein Segen für die junge Generation digitaler Filmemacher. Bis jetzt haben sie mit den günstigen Schnittalternativen wie Magix leben müssen, jetzt steht ihnen ein Profi-Werkzeug mit der Zugänglichkeit eines Anfängertools zur Verfügung.
Das was YouTube für Videomacher im Sinne der Verbreitung erreicht hat, kann Apple mit Final Cut Pro X für den technischen Part bedeuten. Das ist keine Entwicklung von heute auf morgen, aber ein erster Schritt. Und in den nächsten 12 Monaten wird die gesamte Produktionsqualität weltweiter Webvideos einen Schub nach vorn machen.
Das muss der Profi-Garde im Elfenbeinturm nicht gefallen. Alte Workflows, überholte (vermeintliche) Qualitätsmerkmale und antike Technik sind die wahren Probleme der Zunft. Und diese sind hausgemacht. Aber Rumgeheule ohne Wille zur Veränderung im eigenen Haushalt sind kein Grund, den Fortschritt da draußen zu verteufeln.
Es gibt so Dinge, für die fühle ich mich zu alt. Zum Beispiel Jahreshauptversammlungen beim Männergesangsverein, Sonntagsdisco mit DJ Reiner im Altenheim um die Ecke, oder eben das Medienforum.NRW.
Ich muss gestehen: Ich das Forum mal gemocht. Das war 2007, als ich erstmalig und im Dienste der WAZ den Weg nach Köln antreten durfte. So viele bekannte Mediengesichter, spannende Panels über die Zukunft meines Traumberufes und am Abend eine schmucke Party.
Dieses Jahr, 2011, habe ich lieber Büroarbeit absolviert, geistig verwirrten ElRep-Fans die Beichte abgenommen und ein gutes Buch gelesen, als mich mit dem Medienforum zu beschäftigen. Oder wie mein Kollege Sixtus das immer nennt: „Aufmerksamkeitshygiene“ betrieben.
Ein paar Brocken der medial rückwärtsgerichteten Oralergüsse haben mich dann doch erreicht. Danke, Twitter. Jedenfalls war das Geschwurbel der Medienobersten Grund genug, mir für mein Nichterscheinen dort doppelt und dreifach zu gratulieren.
Es ist ja nicht so, dass ich große Erwartungen an das Medienforum.NRW hätte. Wer Politiker (Hombach), Beamte (Nienhaus) und Schauspieler (Kraft, Rüttgers) über Medien philosophieren lässt, darf sich über das Schmierentheater nicht wundern.
Das konsequente und zunehmende Fernbleiben von digitalen Denkern der Branche sollte den Kölner Regisseuren allerdings zu denken geben.
Achja, ich bin dann doch dieses Jahr kurz schwach geworden. Die Bootsparty auf dem Rhein wollte ich mir nicht entgehen lassen. Weil dort einige Personen waren, die ich sonst selten sehe. Und die ebenfalls tagsüber lieber Arbeiten, als Internet-Antithesen aus dem Jahre 2007 zu lauschen.
Die Party war übrigens deftig skurril. Was weniger an den rund 800 Gästen, der „Silent Disco“ (Rahmenprogramm!) oder dem wirklich guten Roast Beef lag. Nur irgendwie habe ich schon 2007 Jean Pütz betrunken mit Kölschglas in der Ecke hocken sitzen sehen, und für ein Handyfoto mit Mutti Beimer fehlte mir zu wenig Anstand. Wie passend übrigens, dass der Abend vom Qualitätsfernsehsender QVC gesponsert wurde. Und jeder Besucher beim Verlassen der Party mit einer Marcus-Schenkenberg-QVC-Unterhose nach Hause gehen konnte. Also ehrlich, für manche Sachen fühle ich mich definitiv zu alt.
Wie bereits vor ein paar Tagen angekündigt, schränke ich meine außerhäusigen Produktionstätigkeiten ein. Der Hintergrund war allerdings noch nicht klar: Ich habe sämtliche bei Online-Casinos erspielten Bitcoins gegen Gold eingetauscht und mir ein Stück der aufstrebenden Fernseh- und Webvideoproduktionsgesellschaft "Blinkenlichten" gekauft. Als Gesellschafter möchte ich nun die Expansions- und Weltherrschaftspläne rund um "ElRep" und Co. forcieren.
An meinen übrigen Tagen biete ich als Freiberufler weiterhin Workshops, Vorträge und Seminare zum Thema "Webvideo" an. Der nächste kurzweilige Workshop findet z.B. schon am 23. und 24. Juni während der Creativity and Business, kurz C'n'B, -Convention in Köln statt. Die C'n'B ist DIE Veranstaltung für Kreativtätige und lockt spannende Besucher und Referenten aus der ganzen Welt an. Das Programm gibt es hier. Die Deutschen Webvideotage sind Partner der Veranstaltung und Dank der freundlichen Unterstützung von Panasonic auch mit einem eigenem Stand vertreten. Panasonic stellt auch die Videokameras für den Workshop. Und am Ende verlosen wir unter allen Workshop-Teilnehmern sogar eine der Kameras.
Eintrittskarten für die Schnellsten
Zur Feier des Tages verschenken wir vier Eintrittskarten zu eben jener C'n'B-Convention und dem Workshop. Der reguläre Ticketpreis beträgt für beide Tage 238 Euro. First come, first serve: Die ersten vier Personen, die mir eine E-Mail mit ihrem vollständigen Namen schicken, erhalten jeweils ein Ticket. Einzige Aufgabe: Die E-Mail-Adresse müsst ihr selbst herausfinden. Twitter-DMs, Facebook-Nachrichten und Faxe sind von der Teilnahme ausgeschlossen.
Update!!!
Die Tickets sind weg. Weil es schon jetzt mehr Interessenten als Tickets gab, gehen erneut zwei C'n'B-Karten in die Runde. Dieses Mal nach dem Zufallsprinzip, damit auch die Teilnehmer der ersten Runde eine Chance behalten.
Die Tickets gehen am Montag per Mail raus.
Update2!!!
Die Ticketcodes sind alle per Mail raus. Am Ende waren es dann doch deutlich mehr Teilnehmer als Tickets - vielen Dank aber an alle fürs mitmachen. Und ein Besuch der CnB lohnt sich auch so...
Der Spiegel-Verlag hat einen neuen Sender gestartet. Dabei möchte man mit "Spiegel.tv" nichts weiter als Web-TV auf eine neue Stufe bringen. Doch wie schlägt sich das Premium-Video-Portal?
Der erste Eindruck ist "groß". Der Seitenbesucher wird mit einem anderweitig unüblich großen Videoplayer begrüßt. Zweiter Eindruck: Die Bildqualität ist hervorragend. Auch wenn das meiste Material seine Fernsehherkunft nicht verleugnen kann. Die ersten beiden Eindrücke entstehen schnell - denn der Nutzer steigt direkt ins laufende Programm ein. Spiegel.tv hat sich dafür sogar eine Sendelizenz besorgt und möchte diesen Stream rund um die Uhr mit Inhalten bestücken. Diese kommen aus dem eigenen Hause - mit Online, SpiegelTV und den Digital-Töchtern gibt es genug Bewegtbildlieferanten.
Möchte der Nutzer nach einem bestimmten Videos suchen, wird er nicht fündig. Eine Suchfunktion bietet die Seite nicht. Stattdessen soll der Nutzer, angelehnt an das iPad-Konzept der Spiegel-App, über Themen navigieren. Dies funktioniert erstaunlich flüssig, wenn auch eine Suche zusätzlich nicht schaden könnte.
Mehr ist über Spiegel.tv eigentlich nicht zu sagen. Und das ist das größte Problem der Seite. Sie wirkt wie eine abgespeckte Mediathek der öffentlich-rechtlichen Sender. Die Videos lassen sich nicht auf anderen Seiten einbetten und ebenfalls nicht bei Facebook und Co. "liken". Zwar lassen sich einzelne Videos, auch aus dem Stream heraus, bei Twitter und Facebook als Link teilen. Eine Abspielmöglichkeit im Facebookstream bietet Spiegel.tv nicht an.
Die Stärke des Spiegel-Verlages, wie bei allen Verlagen, ist die Kombination von Textinhalten mit neuen Medien. Diese Stärke spielt Spiegel.tv nur schwach aus. Erst wer mit der Maus über den rechts unten gelegenen Button "Spiegel Online" fährt, erhält hier Links zum Webangebot des Nachrichtenmagazins. Bis auf diese Links findet leider keine inhaltliche Verknüpfung statt.
Werbung soll es geben, allerdings nicht als Pre-Roll, sondern nur als Mid-Roll nach frühestens drei Minuten. Das ist einerseits sehr löblich und nutzerfreundlich, gleichzeitig aber ein Experiment. Durch ihre Länge brechen die ex-TV-Beiträge mit den Nutzungsgewohnheiten im Netz. Zwar steigt die Nutzungsdauer von Bewegtbild in Deutschland kontinuierlich an. Laut comscore liegt diese bei 6,3 Minuten (April 2011). Inwieweit massenhaft lange Videos einen Platz im Netz finden, bleibt aber offen. 50 Prozent der gesamten Videoabrufe in Deutschland werden von YouTube generiert, Tendenz ebenfalls stark steigend. Hier liegt die durchschnittliche Nutzungsdauer weiterhin deutlich unter 6 Minuten.
Gänzlich unverständlich ist die Entscheidung und der zusätzliche Aufwand, mit einer Sendelizenz an den Start zu gehen. Warum asugerechnet im Internet ein neues durchlaufendes Programm geschaffen wurde, bleibt ein Rätsel. Wenigstens ist dieses "Feature" ein Alleinstellungsmerkmal am Markt, riecht aber allzu streng nach Bevormundung des Nutzers.
All diese Faktoren sind jedoch formeller Natur. Auch in inhaltlicher Hinsicht bietet Spiegel.tv keine Innovationen. Es wird aus dem Fernsehen syndiziert. Und selbst die Spiegel-Online-Beiträge sind, bis auf ihre Länge, altbacken.
Fazit: Zur Syndizierung aka Resteverwertung der TV-Produktionen ist Spiegel.tv sicherlich ein gewinnbringendes Video-Portal. Zumindest der Verlag dürfte sich aufgrund der starken Marke über zusätzliche Erlöse freuen. Aus Nutzersicht ist das Portal unaufgeregt erwartbar. Spiegel.tv spricht eindeutig eine nicht-digitale Masse an. Mit "Fernsehen der Zukunft" und Marktentwicklungen hin zu "Social TV" hat dies nichts zu tun. Inwieweit dies in Zukunft reichen wird, bleibt abzuwarten. Mich beschleicht aber das Gefühl, dass die Kunden von morgen von der Bevormundung der Seite nicht begeistert sind...
Update 13.20 Uhr: Auch hier ein böser Schnitzer - die mobile Nutzung wird anscheinend nicht gewünscht. Apple-Nutzer werden aufgefordert, sich Adobe Flash zu installieren. Immerhin gibt es den direkten Link zur Download-Seite...