Etwas still ist es um die drei Jungs von Y-TITTY geworden. Die Erklärung: Sie haben ein Musikvideo gedreht, samt eigenem Song und dem Wunsch, damit in die Charts zu kommen.
Das Video:
Der Titel sagt schon alles: "Ständertime" - es geht um Penisse, Jugendliche, Straßenbahnen und weitere irrwitzige Dinge. Dass das Video nicht jedermanns Humor ist, wissen die Jungs selbst. Bei den Plattenlabels sind sie damit abgeblitzt - und versuchen nun durch ihre beachtliche Online-Reichweite, mindestens 5000 digitale Downloads des Songs zu verkaufen. Und das innerhalb einer Woche.
Ich persönlich finde den Song zwar pubertär unlustig, aber ich bin auch nicht die Zielgruppe. Das Video ist ordentlich gemacht, auch wenn es an einigen Stellen immer noch den Amateur-Charme eines Filmclubs "Blende 77" mit sich trägt.
Ebenso wie Y-TITTY selbst bin ich auf das Ergebnis dieser Marketing-Aktion gespannt. Reichen 300.000 Abonnenten bei YouTube, um einen Indie-Song in die Charts zu hieven? Zumindest eine Sache ist bereits gelungen: Der Hashtag #Ständertime ist in Deutschland blitzschnell Trending Topic bei Twitter geworden.
Dass es für mehr als einen einmaligen Achtungserfolg reicht, glaube ich nicht.
(btw: Ich lasse mich gern eines Besseren belehren.)
Update:
Knapp drei Stunden nach der Veröffentlichung ist der Song bereits auf Platz 43 bei iTunes geschnellt.
Spannende Infografik bei Mashable. Zwar nur für den US-Markt, aber sehr deutlich was das Potenzial von Webvideo auf Sharing-Plattformen angeht. Damit auch einhergehend: Hulu, Netflix und Co. sind nicht in der Statistik.
Die Preisträger des internationalen Online Journalism Award 2011 stehen fest. Im Videobereich dominieren die großen Multimediapakete, deren Videos ich aber nicht bahnbrechend finde. Das folgende Stück hingegen ist grandios.
"Spilling Over" hat den Preis für das beste Onlinevideo ("small site") gewonnen.
In den 8,5 Minuten erfahren wir von den Leidensgeschichten einiger Anwohner der BP-Ölkatastrophe von 2010. Ein durchaus langes Webvideo, aber wunderbar visualisiert.
Der stärkste Teil ist das Storytelling. Ohne zu viel zu verraten: So traurig die Schicksale auch sind, das Video wird niemals langweilig. So stelle ich mir Journalismus im Netz vor. Leider hat das Video bis jetzt keine 8000 Abrufe...
Endlich ist die Katze aus dem Sack: Mein geschätzter Webvideopreis-Kollege Christoph "Clixoom" Krachten hat eine neue Firma aufgemacht. Und es geht um nichts weniger, als um Webvideo und um Geld.
Endlich mal, müsste man sogar sagen. Unter der Firmierung "Mediakraft" haben sich ein paar der reichweitenstarken und vermarktbaren YouTube-Kanäle zusammengefunden, um sich für Vermarktungsansätze zu bündeln.
Der Zusammenschluss ist ein erster Schritt in Richtung einer Professionalisierung des Webvideo-Marktes wie in den USA. Ich bin mir sicher, dass Mediakraft nicht das letzte portalbezogene Netzwerk bleibt. Und Mediakraft zudem schnell Zuwachs finden wird.
Laut BusinessInsider plant YouTube-Mutter Google mittelfristig Investitionen von etwa 500 Millionen Dollar in eigene Bewebtbildinhalte. Ein Strategiewechsel, der TV-Anbietern weltweit starke Kopfschmerzen verursachen wird.
YouTubes Strategie war bis jetzt eher zurückhaltend: Kein eigener Content, der Kauf des Inhalteproduzenten Next New Networks zuvor würde lediglich für Aktionen wie Nachwuchsförderung innerhalb der Community genutzt. YouTube gefiel sich in der Rolle des reinen Plattform-Anbieters, nicht zuletzt auch aus rechtlichen Gründen. Die Haftung für Inhalte liegt damit bei den Contentbesitzern.
Der Sinneswandel überrascht. Noch im Juni beim YouTube-Nachwuchswettbewerb "Secret Talents" hieß es: Nein, wir werden kein Contentanbieter. Denn: "Wir wissen, wo unsere Stärken liegen", lautete damals die Aussage von Google-Pressesprecher Stefan Keuchel. Gefahr erkannt, Gefahr verbannt - Google rüstet nun eben an dieser Front auf.
Hintergrund: Der TV-Markt ist reif zum Abschuss. Vor allem in den USA stehen die Kabelnetzbetreiber mit dem Rücken zur Wand. Die Zahl der sogenannten "cord cutters" - Konsumenten ohne Kabel-TV-Vertrag - nimmt stetig zu. Eine Entwicklung, die sich auch in Deutschland, wenn auch abgemildert, fortsetzen könnte.
Ein weiterer Motivationsgrund für Google: Die eigene Couch-Plattform GoogleTV ist zwar in den USA gefloppt, soll aber 2012 einen neuen Anlauf nehmen und auch z.B. in Deutschland an den Start gehen. Grund für das Scheitern war bis jetzt u.a. die vorsichtige Haltung der Contentanbieter in den USA. Längst nicht jeder TV-Sender oder Filmeproduzent wollte seine Inhalte über Googles-Fernsehbox flimmern sehen. Konsequent nun also, dass Google in eigenen Premium-Content investieren will.
Deutschland könnte bei diesem Strategiewechsel eine starke Rolle einnehmen. Aus verlässlichen Quellen heißt es, dass noch dieses Jahr ein deutsches Content-Netzwerk im Stile Next New Networks gegründet werden soll. Unabhängig - aber finanziell unterstützt durch Google-Geld.
Still und leise baut YouTube das Portal zum Multi-Funktionsmonster um. Neuester Geniestreich: Ein Online-Videoeditor erlaubt das nachträgliche Bearbeiten von Videos mit Grafikeffekten wie bei Instagramm. Aber es gibt noch weitaus nützlichere Funktionen...
Nicht nur schöne Farbeffekte werden demnächst Webvideos verschlimmbessern, auch verwackelte Videos sollen nun der Vergangenheit angehören: Der Bildstabilisator macht's möglich. Auch die notorischen Hochkant-Filmer dürfen ihre Videos reparieren. Denn wie heißt es so schön: Das Leben ist ein Querformat.
Kleiner Wehrmutstropfen: Der Videoeditor kann laut Newteevee nur bei Videos unter 1000 Abrufen eingesetzt werden - um ein nachträgliches Verändern von populären Clips zu vermeiden. Der neue Edit-Button ersetzt dabei nicht den bestehenden Video-Editor: der altbekannte Kamerad ist weiterhin für das Erstellen von neuen Videos aus bestehenden Uploads zuständig. Der jungfräuliche Edit-Modus ist vielmehr die Bildkorrektur am lebenden Objekt.
Das Feature wird derzeit in den USA ausgerollt und damit nach und nach auch in Deutschland starten.
Fazit: YouTube entwickelt Schritt für Schritt ein Video-Editing in der Cloud. Für Profis eher uninteressant, mag dieser Ansatz die Qualität der unendlichen Zahl von Amateur-Videos stark steigern.
Wir bei Blinkenlichten haben ein kleines Video gedreht, ich durfte mal Projektleitung und Regie machen. Im Video geht es um die neue iPad-App der ZEIT. Sieht zwar wie Werbung aus, ist es aber nicht.
Drei Minuten wären dann doch etwas lang dafür. Doch was ist es genau? Tada! Das offizielle Hilfe-Video innerhalb der App. Interessant aber, dass das Video direkt als offizieller Werbeclip angesehen wird. Egal. Uns hat die Produktion viel Spaß gemacht, Hut ab vor den ZEIT-Kollegen, die das Drehbuch ersonnen haben.
Wie viel Geek darf's denn sein? Wenn ich mir die Pilotausgabe der deutschen "Wired" anschaue, kann die Antwort nur negativ ausfallen. Bevor jetzt ein Verriss an dieser Stelle vermutet wird: Ich finde die Knüwersche Testversion trotzdem äußerst gelungen.
Geek-Deutschland hat ein Kleinod mehr. Zumindest für eine kurze Weile. Dass die deutsche "Wired" mir nur digital als iPad-App ins Haus kommt, ist meiner Vorliebe für die US-App gechuldet. Und meiner Verachtung für die GQ. Technisch gibt sich die hiesige Download-Variante dann auch nicht viel anders, als das US-Pendant. 663 MB müssen heruntergeladen werden, bevor der multimediale Spaß los geht. Einziger Unterschied: Ich kaufe für 2,99 keine Ausgabe, sondern die App.
Und ja, ich schreibe bewusst Spaß. Denn mir hat das Erleben der deutschen digitalen Wired durchaus Freude bereitet. Die vielen kleinen Spielereien, die videoalen Gimmicks, das Look and Feel 2011 sind mir näher, als totes Holz in Scheibchen.
Ein paar Dinge sind mir dann doch sauer aufgestoßen. Ich finde die Themenauswahl gelungen, manche Texte hingegen zu lasch. Manchmal fehlt das elegische der englischsprachigen Ausgaben, an anderer Stelle der Rotz und die Frechheit, generell die Luftigkeit und Unbeschwertheit. Wired ist für mich ein Geek-Magazin, von Geeks für Geeks. Nicht so in Geek-Deutschland.
Im videoalen Bereich hätte ich mir etwas mehr Experimentierfreude gewünscht. Hey, das ist die Wired und nicht ein Regionalportal.
Ein absolutes No-Go ist die Promo-Story "Elektrisch und elektrisierend". Auf der Titelseite als "Das Ende des Autos - wie wir es kennen" angepriesen, versteckt sich dahinter eine getarnte BMW-Werbung. Der notwendige Hinweis "Anzeige" verkümmert schwer auffindbar im oberen rechten Bereich der ersten Artikelseite. Alles in allem zieht sich die Geschichte über 5 iPad-Seiten. Ohne Werbung geht es nicht. Aber das ist zu dreist.
Bevor ich jetzt weiter auf hohem Niveau meckere, bleibt festzuhalten: Ich habe das Magazin von vorne bis hinten gelesen und mich nicht gelangweilt. Nein, gar sogar manchmal gelächelt, gestaunt und mich geärgert. Und das ist 1000mal mehr, als jedes andere Magazin derzeit in Deutschland schafft.
(Hinweis: Ich arbeite hin und wieder mit Wired-Chefmaestro Thomas Knüwer zusammen und einige der Wired-Schreiber- und Redakteure sind Autoren beim Elektrischen Reporter, den ich redaktionell mitbetreue.)
Fazit der Podiumsdiskussion auf dem Videocamp Berlin: Die jetzige Rundfunkregulierung in Deutschland muss abgeschafft werden. Offen bleibt, wie die Verbreitung von Medieninhalten künftig reguliert werden soll. Ich fordere deswegen ein öffentlich-rechtliches YouTube.
Es gab wenig Konfliktpotenzial auf dem Panel. Sowohl Christoph Keese, Michael Praetorius, Christoph Krachten als auch ich waren uns schnell einig: Die heutigen Gesetze zum Rundfunk sind von vorgestern. Während Springer-Mann Keese auf eine Selbstregulierung als Ersatz zu den Landesmedienanstalten pocht, halte ich weiterhin eine demokratisch legitimierte Lösung aus öffentlicher Hand für unverzichtbar.
Die eigentlichen Probleme der Rundfunkregulierung liegen derweil nicht im Detail wie Sendeplan, Linearität oder der ominösen 500er-Grenze. Die Probleme bertreffen zwei grundlegende Pfeiler der heutigen Netzstruktur.
Oligopolen gleich geht die Masse des "Internetrundfunks" über die Portale der Big Player, allen voran YouTube als Bewegtbildmacht in den meisten Ländern der Welt. Selbstregulierung hieße, die Verantwortung für gesellschaftlich wichtige Faktoren wie Werberegulierung und Jugendschutzkontrolle in private Hände zu legen. Die Ergebnisse einer frühen Phase der Selbstregulierung sind jetzt schon beim Verhalten YouTubes zu sehen. Die Google-Tochter hat bereits mehrfach in der Vergangenheit in vorauseilendem Gehorsam gehandelt und bar jeder juristischer oder moralischer Zwänge Inhalte vom Portal entfernt. Ersichtlichster Beweggrund: Monetäre Interessen. An Stelle der Physik (Rundfunkfrequenzen) ist die Plattform selbst als Gatekeeper angetreten. Schon heute ist es so, dass Partnerkanäle über mehr Rechte (aber auch Pflichten) verfügen, als der gemeine Nutzer. Auch das Live-Streamen von Inhalten ist ein reines Premium-Feature, welches nur den ausgewählten Partnern zuteil wird.
Doch nicht nur die Plattformneutralität muss geregelt werden. Es bedarf ebenso einer Gleichberechtigung der Infrastruktur. Ohne Netzneutralität liegt die Entscheidung, wer wie schnell und in welcher Qualität senden kann, nunmehr bei den Telekommunikationsunternehmen. Diese stellen die Infrastruktur zur Verfügung - und müssen diese bewirtschaften. Doch wenn es um gesellschaftliche Kriterien geht, haben wirtschaftliche Erwägungen aus Unternehmersicht vorrang. Ich will niemandem kapitalistischen Raubbau unterstellen, aber ohne Vorschriften kann das Ignorieren gesellschaftlicher Überlegungen dieses berühmte eine Mal zu viel sein.
Wie müssten also Regelungen gestaltet sein? Zunächst einmal nicht national, auch wenn dies die Realität ist. Verstehen wir das Internet als unendlicher Hort globalisierter Sendefrequenzen, kann nur eine globale Regulierung effektiv sein. Leider ist eine Forderung nach auch nur minimalen Vorschriften auf UN-Ebene eher eine Geschichte aus dem Märchenbuch, als aus dem Science-Fiction-Roman. Zu heterogen sind die Interessen und die für derartige Kompromisse notwendigen moralischen Bedürfnisse der nationalen Akteure.
Es bleibt also als Ausweg nur, dem Bürger ein frei zugängliches, öffentlich finanziertes und durch eine demokratisch legitimierte Instanz kontrolliiertes Biotop zu bieten, in dem jeder Bürger mit Bewegtbild kommunizieren kann. Ein öffentlich-rechtliches YouTube. Wie dieses ausgestaltet werden kann, bleibt eine der wichtigsten Fragen unserer medialen und gesellschaftlichen Zukunft.