Mein Fazit zum Videocamp
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Das Videocamp 2010 ist Geschichte. Aber wie erzählen wir diese? Wie antworten wir auf die Frage, ob sie es wert ist: Erzählt, nachgeahmt, fortgesetzt zu werden.
"Without people pushing against your quest to do something worth talking about, it's unlikely it would be worth the journey."
— Seth Godin (The forces of mediocrity)
Die Medienbranche steht vor der größten Herausforderung ihres Daseins. Sie muss sich neu erfinden, radikal mit dem Bestehenden brechen und das Kommende mit offenen Armen empfangen. Aber es fällt ihr schwer, loszulassen, aufzustehen, die Chance zu ergreifen. Auf der Strecke bleiben im ersten Augenblick die überkommenen Strukturen, doch der Schmerz sitzt tiefer. Wenn das System versagt, sterben die Organe.
So prätentiös dies klingt: Das Videocamp, wie die übrigen Unkonferenzen an sich, versucht zu lindern und einen Ausweg zu bieten.
Das seltsame Gefühl
Nahezu 100 Teilnehmer, sowohl am Samstag als auch am Sonntag, ließen sich auf die Erfahrung Videocamp ein. Für viele der Teilnehmer war es das erste Barcamp. In ihren Augen blitzte diese Mischung aus Neugier und Skepsis, die jeder Erst-Camper erfahren hat.
Vielleicht ist es genau dieser Zustand, der das Videocamp ausgemacht hat.
Mehr als 30 Vorträge, Workshops und Diskussionsrunden kamen so zustande. Darunter spannende Diskussionen wie "Go und No-Gos bei Webvideos", welche innerhalb zwei Stunden versuchte, sich - wie schon beim 1. Videocamp - der Anarchie im Webvideo-Regelwerk zu nähern. Zu recht vergeblich, wie ich meine. Oder "Virtueller Rundfunk", welche das Thema Netzneutralität auf den Bereich Webvideo ausdehnt. Und sicherlich zu den wichtigsten Grundsatzthemen der kommenden Monate gehören wird.
Auch die Praxis kam nicht zu kurz: Vorallem das Videocamp-Schwerpunktthema "DSLR" nutzten einige Teilnehmer für Fragen, Beispielsichtungen und kritische Betrachtungen.
"Diversity and independence are important because the best collective decisions are the product of disagreement and contest, not consensus or compromise."
— James Surowiecki (The Wisdom of Crowds)
Nicht Schwarz, nicht Weiß
Die erkenntnisreichsten Momente lieferten die kontroversesten Situationen. Immer dann, wenn Medienarten aufeinander prallten. Wenn der interdisziplinäre Meinungsaustausch zu kippen drohte. TV vs. Webvideo, Journalismus vs. Boulevard, Schwarz gegen Weiß.
Dabei zogen die Diskussionen ihre Kraft aus der Mischung der Teilnehmerherkunft. Anwesend waren Macher von TV - privat und öffentlich-rechtlich, Verlagen, Agenturen, Blogs, Fotografen, eben Vertreter aus dem breiten Spektrum der Medienbranche.
Doch blieb es immer fair. Was zum einen Teil an der persönlichen Note eines Barcamps liegen mag, als auch an der Tatsache, dass zwei Tage auf Augenhöhe diskutiert wurde.
Vom Wert
War es das Videocamp nun wert? Diese Frage lässt sich am Besten mit einem Blick in die Augen der Teilnehmer beantworten, als die letzte Session gehalten und die letzte Diskussion geführt worden ist. Die Skepsis ist verschwunden, aber die Neugier blitzt umso heller.
Und das sollte Antwort genug sein.
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Ich verweise an dieser Stelle auf das Fazit meines Videocamp-Mitstreiters Stefan Evertz, der vor, während und danach immer das Chaos zu kontrollieren wusste. Danke!
