Viel zu still war es hier die vergangenen Monate. Das lag unter anderem am Webvideopreis, der mich 4 (gefühlte 12) Monate meines Lebens gekostet hat. In diesen 4 (also 12) Monaten habe ich viel über das Medienbusiness gelernt. Warum Agenturen so seltsam ticken, warum (C)-Promis für ein Level-Up in die B-Kategorie morden würden und warum “die” Medien weiterhin im Jahre 2007 stehen geblieben sind.
Egal wie oft ich es versuche: Ich komme nicht los von den Medien. Ich liebe Journalismus und hasse das, was an kümmerlichen Resten noch ums Überleben und um Leistungsschutzgelder kämpft. Und nirgendwo sonst spürt man diese blanke Angst, aber auch das bleiche Entsetzen der Medien angesichts des Medienwandels, wie im Bereich Webvideo. Twitter, Facebook, ja sogar Instagram - all dies wird von Lokalzeitung, über Unterhaltungsradio bis Tagesschau heruntergebetet. Mantraesk als Rettungsanker postuliert. Heil dir Social Media, wir folgen dir.
Und dann das. Da gibt es ein paar Leute, die machen das, was früher das Leitmedium TV (sic!) gemacht hat (Bewegtbild). Und die erreichen mehr Zuschauer als manche Abendshow (sic!). Und verdienen sogar Geld damit (doppelsic!). Und in der Titelstory eines Möchtegern-ehemaligen-Nachrichtenmagazins wird das Phänomen YouTube abgefeiert. Und jetzt kommt’s: Alle nutzen Social Media. “Hey, das wollen wir doch auch!”
Nein, ich will nicht mit dem Finger auf die Medien zeigen. Vielmehr sie an die Hand nehmen und in aufklärerischer Mission ans Licht führen (ego-sic!). Sie fortwährend damit penetrieren, dass diese sog. Phänomene auf YouTube (und Vimeo etc.) kein hipper Scheiß aus Berlin-Prenzlberg sind. Kein Hype des Jahres 2011/2012.
Was wir im Hinauswachsen des Leitmediums TV (sic!) sehen, manscht so ziemlich den gesamten Medienwandel in einen Becher Eiskaffee-mit-Schuss. Wenn sog. Phänomen-YouTuber wie aus dem Nichts mehr Leute am Wochenende gegen ACTA auf die Straße bringen als Netzpolitik.org (sorry, Markus), dann ist das eben kein Phänomen. Dann ist das ein Stück abgeschlossener Medienwandel. Dann ist das schon da. Diesen hundertausenden Menschen einen “Achtung, Alien”-Stempel zu verpassen, ist unpassend. Freundlich ausgedrückt.
Bleiben wir bei der Penetration. Die eine oder andere kritische Stimme gab es, weil der Webvideopreis nicht mehr so nerdig sei. Oder auch eben nicht mehr so grassroot. Der deutsche Nerd bleibt halt gern unter sich. Nur bringt das keinem etwas. Wenn wir nicht wollen, dass es auch in Zukunft verwundert heißt, dass es tatsächlich junge Leute im Netz gibt, die mehr Zuschauer haben als der große GottschalkSchmidtJauch, dann müssen wir raus der Nische. Und Penetrieren, Penetrieren, Penetrieren. Bis es wehtut. Vor allem uns selbst.
(Das mit dem Sex im Gummiboot im Titel ist nur eine Ente, um auch Leser außerhalb der Mediennische anzulocken. Sorry.)
Videopunk - Anarchy in Web-TV Webvideos und die Zukunft des Bewegtbildes
Als Vertreter der aussterbenden Linear-Bewegtbild-Gattung, der sich vom VPunk erstmal erklären lassen musste, wer die HotBoys auf Youtube ist (Gronkh? Hatte ich vorher nie gehört. Y-Titty fand ich nett, aber sowhat.), setze ich mein Sozialmediales Like+1sharethumbsup unter diesen Artikel.Auf dass ich vom VPunk weiter penetriert werden möge.
Um Stefan Plöchinger, Chef SZ online, zu zitieren: “Die meisten Journalisten lieben Revolutionen, wenn sie darüber berichten dürfen. Die meisten Journalisten hassen Revolutionen, wenn sie selbst deren Gegenstand sind.”Darüber hinaus hat der Journalismus auch immer noch keine Antwort darauf gefunden, wie über langfristig Trends und Entwicklungen zu berichten, ohne seltsam zu über- oder untertreiben.
Ich kann damit leben.