Mein kleiner Branchen-Rant hat dann doch für Aufmerksamkeit gesorgt. Leider hat das Crossposting solcher Beiträge einen entscheidenden Nachteil: Es wird an mehreren Stellen im Netz darüber diskutiert. Was viele Interessierte sehr schade fanden.
Im Folgenden die Kommentare zum Beitrag bei Facebook (wer hier nicht auftauchen will, teile mir das bitte mit):
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Max Schmidt tja das ist der kapitalismus.so lange leute bereit sind diese ausbeutung mit zu machen wird sich auch nix ändern an den löhnen.25. August um 12:31 ·
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Harald Link Und die Einstellung zu diesem Thema scheint eben davon abzuhängen, auf welcher Seite des Schreibtischs man sitzt.25. August um 12:43 ·
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Knut Ingwersen Hast Du es mal bei Infotainweb versucht?25. August um 12:47 ·
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David Zwadlo Die Lösung: PR. Klingt traurig, aber die Honorare in diesem Bereich können sich richtig sehen lassen. Und am Ende des Monats interessiert es mich herzlich wenig, ob ich mein Geld mit politischen Themen oder Werbung verdient habe, sondern einfach nur: Ist mein Konto noch schwarz?25. August um 14:08 ·
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Markus Hündgen@Harald: Wobei das Ergebnis von der Seite des Schreibtisches unabhängig sein sollte - Ausbeutung ist Ausbeutung. @Knut: Ich kenne und schätze Stefan Huber von Infotainweb und weiß, dass sie hart kalkulieren, aber fair bezahlen. @David: Vom geldlichen passt das. Aber wie steht es um die Unabhängigkeit im Journalismus? Gestern noch die Firma hochgelobt, heute kritisch darüber berichten? Das geht nicht.25. August um 15:45 ·
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Martin Kayshes ist also so scheiße wie ein laie (ich) sich das vorstellt. nach deinen posts hier kriegste irgendwann wenigstens fette geschenke von der bahn, wenn die ihre boni nicht nach kilometern sondern nach aufenthaltszeit im zug berechnen. ich habe immer noch keine ahnung, glaube aber, dass im bereich pr bzw firmenkommunikation, auch für nonprofits, einiges passieren wird. content für die ganze soacial media kacke halt.25. August um 15:54 ·
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Harald Link @ Markus Richtig. Ich bezog mich damit auf Deine Anmerkung, dass Du früher ebenfalls sehr niedrige Honorare bezahlt hast. Und dass das damals offenbar ok war und sich die Sichtweise eben jetzt geändert hat.25. August um 16:22 ·
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Peter MockDas sind doch noch reale Honorare….-)
Bald wird es jede Menge Hartz IV - Kiddies geben die mit ner MediaMarkt-Kamera und Youtube-Schnittsystem for free “videoreporten”. Die Vorgänger aller Journalisten waren Geschichtenerzähler die von Markt zu Markt zogen und ein paar Münzen in den Hut bekommen haben- oder auch nicht. Man wird einen Qualitätsruf wie Donnerhall brauchen um in Zukunft auf diesem Markt wenigstens ein Facharbeiter-Gehalt zu erwirtschaften.25. August um 16:52 · -
Harald Link@ Peter Dann wage ich jetzt mal die ketzerische These, dass niemand Videojournalismus braucht. Jedenfalls nicht in der Art, wie er heute in der breiten Masse angeboten wird. Oder von den Medien, denen die Freien ihre Arbeit heute anbieten. …Sonst würden sich auch andere Preise durchsetzen lassen (auch wenn man davon nicht reich wird, das wird man als Journalist nur sehr selten
).
Also sollte man, bevor man sich in das Abenteuer stürzt, vielleicht erst mal über den Markt nachdenken. Und über Erlösmodelle für diese Art des Journalismus. Man wird ja nicht VJ, weil’s cool ist. Sondern weil man (auch) davon leben möchte.25. August um 17:17 · -
Peter Mock@ Harald Doch, VJ sein ist cool, das ist ja das Problem. Man findet richtig tolle Leute wenn man nur richtig nachguckt für ganz wenig Geld. Kapitalismus ist doof
Und es werden viele Videojournalisten gebraucht werden da die Teams bei den großen Sendern nach und nach ersetzt werden und die Zeitungen flächendeckend immer mehr Nachrichtenvideos anbieten werden.
In Amerika gibt es eine Youtube-Initiative in der unbezahlte Hobby-Videojournalisten von Profis weitergebildet werden.25. August um 17:33 · -
Harald Link :) Ist mir schon klar. Aber “Teams ersetzen” heißt eben auch “Festangestellte freisetzen”. Ich plädiere ja nur für etwas Augenmaß bei der Wahl des coolen Jobs - und für Qualität. Die wird in jedem Fall besser bezahlt. Leider setzen die meisten Tageszeitungsportale auf 50-Euro-Unterdurchschnittsware. Weil das beim unverwöhnten Leser auch Klicks bringt. Noch. Ich hoffe, das ändert sich. Und dann entsteht ein Markt für gute VJs. Und wenn nicht bei den Verlagen: Überlegt Euch was Eigenes, um zu publizieren!
25. August um 17:39 · -
Markus Hündgen @Harald Bei den Verlagen eher nicht. Erst neulich hat mir eine Geschäftsführerin eines großen Nachrichtenportals gesagt: “Wenn sich nunmal rausstellt, dass Videos für Verlage im Netz zu teuer sind, dann wird es eben keine mehr von Verlagen geben”. Print ist tot, auch im Netz
25. August um 17:46 · -
Harald Link @ Markus Vor einer Woche hat ein Chefred einer Regionalzeitung zu mir gesagt: “50 Euro für 3 Minuten, Qualität egal. Unseren Lesern reicht das.” Bitter.25. August um 17:50 ·
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Peter Mock Es gibt auch schon Verlage die ein positives Verhältnis zum laufenden BILD haben
- nicht zuletzt deshalb weil Videos im Netz mit Preroll-Werbespot davor richtig Kohle verdienen können…
25. August um 17:55 · -
Dirk Kirchberg @Peter: Richtig Kohle mit Preroll?! Die meisten zahlen wenig bis nichts und hoffen immer noch auf ein Geschäftsmodell für die Inhalte.25. August um 17:58 ·
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Klaudia Pirc Ist wie mit dem Webdesign. Leute die es für wenig Geld machen, gibt es jede Menge. Leute die es gut und für wenig Geld machen auch. Ein Webdesigner/Webentwickler, der was auf sich hält, muss ebenfalls lernen, Nein zu sagen, bei Angeboten, die definitiv zu schlecht sind.25. August um 18:05 ·
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Peter Mock@Dirk Es gibt auch noch Verlage die Preroll-Spots für störend halten.
Regional ist es halt nicht so einfach- da endet ein Video auch schonmal mit 300 Zuschauern
Ich wage mal die unverschämte Aussage: Ein Video das über 20K Zuschauer erreicht kann allein über Prerolls zum Geschäft werden und man kann dem VJ 100 Euro dafür zahlen.25. August um 18:06 · -
Markus Hündgen @Peter Naja, mit einem TKP von 10 Euro und ohne Cap (was vorsätzlich dumm wäre) krebst du bei 20K Abrufen mit 200 Euro rum… Genau DANN bleiben 50 Euro für nen VJ übrig. Mehr auch nicht.25. August um 18:15 ·
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Peter Mock@Markus Das sind aber nur die Prerolls- für den Verlag bleibt noch ein bisschen Bannerzauber rundrum. Damit sind Videos die Kohlebringer im Netz schlechthin- ein Textartikel verdient bei gleicher Abrufzahl nur ein Bruchteil. Und Artikel haben nur selten gleiche Abrufzahlen wie Videos….:-)
Und überhaupt: Im SPIEGEL steht alle können reich werden:http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,713113,00.html
Duck und weg…..:-)25. August um 18:22 · -
Alexander BentzienNicht nur der Videojournalismus liegt am Boden. Auch die Kollegen der Dokusoap-Infotainment-Pseudoreportage-TV-Formate sind durch. Beispiel Frauentausch. 10 Tage am Stück. 10h pro Tag minimum. Die Kollegen gehen mit 170,-/Tag nach Hause. Macht 17,- die Stunde. Noch Fragen? Nein, ich habe keine mehr. Drehe meine Stories und versuche die weiterhin wie sauer Bier an den Sender/Webseite zu bekommen. Bis auf weiteres habe ich einen Nebenjob. Der hält mir Sozial und Krankenversicherungstechnisch den Rücken frei. ..und hat mehr Niveau wie Frauentausch.25. August um 18:26 ·
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Markus Hündgen Übrigens gestern NEIN gesagt zu einem Dumping-Auftrag. Gutes Gefühl!26. August um 17:11 ·
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Alexander Bentzien nehme seit neuestem auch zunehmend Projekte in der Post-Produktion an. Da ist der Markt noch nicht ganz so tot. Zumal die Nachfrage nach FinalCut immer häufiger kommt, besonders in der Agentur und Event-Szene…26. August um 17:28 ·
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Christian SchmidtWeb kann für VJs m.E. derzeit kein verlässlicher Markt sein. Ich selbst bezahle VJs im Vergleich zu den hier aufgeführten Tagessätzen sehr ordentlich (ja ehrlich). Doch es gibt für mich zwei wesentliche Gründe, warum ich heute kaum noch auf VJs zurückgreife und warum viele VJs, die ich einmal zu meinem Netzwerk zählte, nichts mehr von mir hören. 1. Ich kann ein nationales VJ-Netzwerk nicht aufrecht erhalten, weil ich es nicht auslasten kann. Wenn ich dann doch mal einen VJ brauche, hat der zum angefragten Termin keine Zeit, weil er mit PR-Videos seine Brötchen verdienen muss, z.b. bei der diskussionswürdigen astramedia.
2. 10 VJs haben 10 unterschiedliche Werdegänge und 10 unterschiedliche Vorstellungen von Videojournalismus. Wer als Auftraggeber am Ende das bekommen will, was er sich vorstellt, muss immens viel Zeit ins Briefing stecken. Genau diese Zeit ist in Redaktionen aber Mangelware. Nur eine regelmäßige Zusammenarbeit könnte … - aber hier kommt wieder Punkt 1 ins Spiel. Und noch eine weitere Krux:
Um ein Webvideo ordentlich zu monetarisieren - behaupte ich - braucht es den viel beschworenen Longtail. Den wiederum liefern weniger die tages- und semiaktuellen, reportagigen Erzählformen, die VJs in der Regel bieten. Und die Personalunion von journalistischem und filmischem Erzähler ist für andere Erzählformen nicht zwingend notwendig. Bei mir persönlich brachte der Begriff Videojournalist vor 5 Jahren meine Augen zum glänzen und ich hatte diese Dumpingentwicklung nicht für möglich gehalten. Vor allem das TV scheine ich damals als potentiellen VJ-Brötchengeber überschätzt zu haben.26. August um 22:53 · -
Klaus BardenhagenWie beurteilt Ihr die Lage bei den ÖR-Sendern? Habe beim NDR lange klassisch mit Teams gedreht. Seit 2009 arbeite ich in Taiwan auch als VJ (taiwanreporter.de/video).Mein Anspruch ist: Normales Beitragshonorar + VJ-Zuschlag (30-50%) für Dreh, Schnitt. Das Standard-Minutenhonorar beim NDR liegt um 300 EUR für Kurzbeiträge. Zugegeben, hier in Taiwan sind die Lebenshaltungskosten niedriger - von daher geht die Rechnung auf, auch wenn ich nicht alle 14 Tage ein Stück verkaufe. Oder mache ich damit etwa noch die Preise kaputt? Wer arbeitet hier noch als VJ aus dem Ausland?Freitag um 03:03 ·
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Videopunk - Anarchy in Web-TV Webvideos und die Zukunft des Bewegtbildes
Ich arbeite als Fotograf in einer Redaktion, seit es immerwieder VJs sind die ihre Prints für wenig Geld anbieten (10€ und weniger) habe ich mir überlegt auch News-Videos zu machen die ich für 50€ an die Fernsehsender und für 20€ an Onlineportale verkaufe.Das ist das Ergebnis von VJs die glauben Fotohonorare unterlaufen zu müssen.Nicht nur VJs wollen leben, Fotografen brauchen auch ihr Geld.Deshalb versuchen es auch immer mehr Fotografen mit Dumpingpreisen Videos zu drehen (ich kenne schon 3 allein in Hamburg) und am Markt zu plazieren.