Kleines Fazit zu Nacht-der-Museen-TV
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Eine Nacht drüber schlafen. Gedanken sortieren, erste Zahlen anschauen, Feedback lesen. Und die Erkenntnis: Das Experiment ist geglückt. Aber war die Live-Sendung deswegen ein Erfolg? Im Folgenden ein großer Schwung Selbstkritik.Als Thomas Knüwer, Daniel Fiene und Werner Lippert vor gut zwei Monaten mit der Live-Idee an mich herantraten, habe ich nicht lange überlegt und zugesagt. Vier Stunden moderierte Sendung technisch aufzusetzen, das hatte etwas. Eine Herausforderung, dieses Projekt mit möglichst geringem Budget möglichst professionell auf die Beine zu stellen. Je näher der große Abend rückte, desto größer wurden meine Wünsche. Sehr gute Streaming-Qualität, dann der innovative Einsatz des Reportage-Rucksacks, die Integration von Werbeblöcken und zuletzt der massive Ausbau der maximalen Streaming-Kapazität.
(Fast) perfekt.
All dies hat hervorragend geklappt. Ein großes Lob an die Kollegen von Code-One, die eindrucksvoll bewiesen haben, dass innovative Technologien auch heute noch made in Germany (in diesem Fall sogar made in Düsseldorf) sein können. Dank an meine Kollegen von Blinkenlichten, insbesondere Julius Endert, der nicht nur selbst hinter der Kamera stand und die famosen ZEEs einfing, sondern auch erlaubte, dass wir fast das gesamte ElRep-Studio leerräumen durften.
Dann war der große Abend da. Hier und da kleine Abstimmungsprobleme, die eine oder andere Schalte kam zu früh oder zu spät. Das Fehlen einer Beschallungsanlage im Live-Studio. Nur begrenzte Aufzeichnung der Streams. All dies und ein paar weitere kleine Dinge sind ärgerlich, aber das Gesamtpaket funktionierte. Experiment geglückt.
Soweit zur Technik.
Ein weiteres großes Danke an die gesamte Redaktions-Truppe. Trotz mancher Abstimmungsprobleme, mehr als vier Stunden Gäste betreuen, Netzwerke scannen und vor allem drinnen und draußen moderieren und interviewen, blieb die Stimmung sehr gut. Die Interviews waren interessant, das Außenteam Fiene und Pähler eine Wucht.
Genaue Zahlen liegen mir noch nicht vor. Aber erste vorsichtige Auswertungen haben ergeben: Mehr als 4000 Personen haben zugeschaltet. Das ist im Bereich deutscher Web-Live-Streams eine grandiose Zahl. (Und als kleiner Seitenhieb: Es ging zudem um Kultur...)
Trotzdem frage ich mich, ob die Sendung ein Erfolg war.
Der Erfolg von Webvideo-Formaten im Netz basiert, in breiter Masse gesehen, auf der disruptiven Möglichkeit des Netzes. Geringe Produktionsmittel ermöglichen nicht nur das Bedienen von erlernten Sehgewohnheiten, sondern insbesondere das Entwickeln von neuen Darstellungsformen. Eine Tatsache, die auch nicht durch die Erfolgszahlen von Hulu, Mediatheken etc. abzustreiten ist. Im Vergleich "alte" vs. "neue" Darstellungsformen gewinnt mehrheitlich die neue Herangehensweise.
Was wir im Düsseldorfer NRW-Forum gemacht haben, war TV. So steht es auch im Sendungsnamen. Die Gesamtkosten des Projektes liegen deutlich unter den Kosten einer herkömmlichen Live-Übertragung, vorallem aus technischer Sicht.
Allerdings: Der Aufwand ist in eine derartige Höhe geschnellt, dass von Disruptivität nicht mehr die Rede sein kann. Die zusätzlichen Anforderungen, z.B. das Organisieren der Außenschalten, unterschied sich nicht mehr viel von einer herkömmlichen TV-Live-Sendung. Es gab ein straffes Sende-Programm mit etlichen terminierten Gast-Auftritten. Viel Spontanität musste deshalb geopfert werden. Haben wir zuviel Inhalt der Form geopfert?
Um auf meine Eingangsfrage zurückzukommen: War die Sendung ein Erfolg?
Nach üblichen Bewertungsmaßstäben lässt sich dies nicht beantworten. Offen bleibt, inwieweit sich diese Frage überhaupt beantworten lässt.
Abschließend ein großes Danke an Werner Lippert, der mit diesem Experiment den Mut gezeigt hat, in komplizierten Zeiten neue Wege zu gehen.
Update:
Fazit von Julius Endert
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An alle die zugeschaut haben: Was sind eure Kritikpunkte? Was können wir das nächste Mal besser machen?
Seht ihr das Format als Erfolg an?
