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Hallo mal wieder, Herr Keese

Leider ist unsere öffentliche Diskussion vergangene Woche ins Stocken geraten. Nachdem Sie jetzt Ihren Ablassbrief unterzeichnet haben, können wir vielleicht wieder sachlich über das Thema “Livestreaming” reden. Denn ich finde, wir können gar nicht genug darüber reden. Bewegtbild im Netz wird mittelfristig zum bestimmenden Kommunikationsmittel im und außerhalb des Internet werden.

In unserem langen Telefonat am Freitag haben Sie vorgeschlagen, wir mögen doch Diskussionen in Zukunft über die eigenen Blogs führen. Dies würde die Übersichtlichkeit erleichten. Wohl an.

Folgendes “Paket” habe ich Ihnen bereits zwei Mal kommentierend ins Blog gestellt. Leider ohne Antwort, was sicherlich an der mangelnden Übersichtlichkeit lag. Trotzdem würde mich weiterhin sehr interessieren, was Sie hiervon halten.

Wenn ich mich richtig erinnere – bitte korrigieren Sie mich ansonsten – war der fünfstündige Livestream-Marathon zur britisch-royalen Hochzeit kein dumpfes Livesignal, sondern es wurden durchaus verschiedene Sendeelemente integriert.

 

In der offiziellen Pressemitteilung nach dem Event heißt es demnach:

“Neben der Live-Sendung bot Deutschlands größtes News- und Entertainment-Portal unter http://www.bild.de außerdem Tweets aus London, detaillierte 3D-Grafiken und ein Community-Tool, über das sich die User live austauschen oder Fragen an die Experten ins Studio stellen konnten. Mehr als 300.000 Facebook-User nahmen an der interaktiven Sendung von BILD.de teil und sorgten für mehrere tausend Kommentare im Chat.”

Es gab also eine sehr aufwändige redaktionelle Leistung, verschiedene Sendeelemente und sogar ein Studio mit Experten. Und das über fünf Stunden lang.

Auch zum Erfolg hält die Pressestelle sich nicht zurück:

“Zum ersten Mal übertrug das Nachrichtenportal eine Veranstaltung live aus dem Ausland und war mit eigenen Kamerateams vor Ort. In der Zeit von 10.00 bis 15.00 Uhr erzielte BILD.de mehr als drei Millionen Abrufe des Live-Streams aus London und dem eigenen Studio aus Berlin. Zum Höhepunkt der Hochzeitszeremonie in Westminster Abbey verfolgten über 85.000 User gleichzeitig die Übertragung auf dem Onlineportal. Mit dem Live-Event erreichte BILD.de ein Plus von 40 Prozent bei den Visits im Vergleich zu einem durchschnittlichen Freitagvormittag.”

85 000 Zuschauer gleichzeitig zur Spitzenzeit. Insgesamt 3 Mio. Zuschauer. Damit würden Sie bereits sichtbar bei einer TV-Quotenmessung abschneiden.

Interessanterweise schließt die Pressemitteilung mit einem Statement ihres Web-TV-Chefs Daniel Durst (den ich übrigens fachlich sehr schätze) mit den Worten: “Wir haben redaktionell wieder viel Neues ausprobiert – und wie die Abrufzahlen und die vielfältige Beteiligung der BILD.de-User zeigen, haben wir online eine sehr überzeugende Alternative zu den zahlreichen aktuellen Fernsehsendungen geboten.” Eine sehr überzeugende Alternative – zum Fernsehen.

Sprich: Rundfunk.

Ihre eigene Pressemitteilung zum Nachlesen finden Sie u.a. hier: http://j.mp/qlHAfq.

Übrigens halte ich nach geltendem Recht das Livestreaming-Angebot von bild.de weiter für sehr problematisch im Sinne des Rundfunkstaatsvertrages. Man könnte auch sagen: Das Angebot auf bild.de ist rundfunkähnlich.

In einer Sache sind wir uns allerdings einig: Der status quo der Rundfunkregulierung in Deutschland bedarf dringend einer Anpassung an das Heute. Die im Gesetz stehenden Vorgaben sind zu schwammig, teils willkürlich und atmen nicht zuletzt den Geist des vergangenen Jahrhunderts. Was gedenken Sie zu tun, um den Rundfunkstaatsvertrag endlich ins Jahr 2011 zu bringen? Und das bedeutet auch ein gewissenhaftes Überdenken, was Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Zeiten des Internet bedeutet - und wo Verlage abseits presseähnlicher Erzeugnisse ihre Zukunft sehen.

 

2 Kommentare

  1. Hey ho, dieses Thema finde ich spannend, gibt es mittlerweile ein wenig
    aktuellere bzw. genauere “Fakten”? Habe auf deiner Seite
    leider wenig gefunden.

  2. Die Diskussion ging dann an dieser Stelle weiter: http://blog.zdf.de/hyperland/2011/08/goodbye-sendelizenz/
    Mittlerweile gibt es die berühmte Checkliste direkt bei http://www.die-medienanstalten.de/

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