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Danke, Florian: TV schafft sich ab

Es sind die Zufälle, die einen oft auf Einfälle bringen. So auch auch vergangenen Samstag, als ich nichtsahnend, das weitere Abendprogramm vorbereitend, durch die Flimmerkiste zappte. Und beim “Sommerfest der Abenteuer” meine Erfüllung fand.

Nun sind weder ARD noch ZDF für junges Programm bekannt - obwohl es dieses teilweise gibt - sondern stehen für das sog. Omma-Fernsehen (bewusst mit doppeltem “m”). Im allgemeinen Volksmund bezeichnet man damit diesen langweiligen, intelligenzverachtenden Mischmasch aus Volksmusik, pädophilisken Showacts und dem Humor von tausend somalischen Seepiraten. Beim “Sommerfest” durfte Florian “Schwiegermuttersexsymbol” Silbereisen durch das nicht gerade abenteuerliche Programm führen. (Eine detaillierte Beschreibung seiner Taten erspare ich mir. Update: DWDL ist mutiger.)

Und selten zuvor ist mir so deutlich bewusst geworden, dass Fernsehen ein derart großes Problem hat. Machen wir uns nichts vor: Das Sommerfest ist und soll nicht für junge Menschen - sprich: Leute unter 50 - sein. Die Quoten sprechen Bände: Ganze 3,6 Prozent bei jungen, fast 18 Prozent bei allen Zuschauern. Das sind immerhin 4,48 Mio. Menschen, die den gequirlten Gehirnbrei mit Händen ich sich reinlöffelten.

Nun begab es sich, dass ich vergangenen Woche zwei Tage mit ARD-Kollegen neue Ideen und Formate für Webvideo erdenken sollte. Und oft kam die Frage nach der Zielgruppe: Wen möchten wir überhaupt erreichen? Und wen erreichen wir überhaupt jetzt? Der durchschnittliche ARD-Zuschauer ist jenseits der 60. Schaut man sich den Begriff Durchschnitt genauer an, gewinnt das Wort “Vergreisung” eine ganz neue Bedeutung. Kurz: Der Anteil der methusalemalten Zuschauer ist gigantisch.

Und dies bedeutet im Umkehrschluss: Selbst mit einer Zielsetzung von “30 bis 40 Jahre” lande ich bereits verdächtig schnell beim Rentenalter der Zuschauer. Dass die Jugendprogramme zu großen Teilen eben nicht Jugend ansprechen, verwundert nicht.

Übrigens stehen die Privatsender nicht besser da: Wer dem greisen Programm der Öffentlich-Rechtlichen nur Doku-Soaps und Soap-Dokus entgegen setzen kann, ist an der Misere ebenfalls Schuld.

Die deutschen Fernsehsender schaffen sich selbst ab.

Es war und ist keine simple Frage der Distribution, warum immer mehr junge - aber auch nicht mehr ganz so junge - Menschen ihren Medienkonsum umstellen. Es kommt nicht auf den Kanal an - egal ob YouTube oder Panasonic-Fernseher. Es ist und bleibt die Frage nach dem Inhalt. Und hier bildet sich eine Content-Parallelgesellschaft. Mit eigenen Strukturen, mit eigenen Stars, mit eigener Wertschöpfung. Und zum Glück ohne Florian Silbereisen.

Ein Kommentar

  1. und ich china faellt ein sack reis um… *gaehn*abgesehen davon, dass wir alle aelter werden und sich im laufe der jahre auch der konsumgeschmack aendert weil sich die lebenssituation veraendert, ist und bleibt es doch ein offenens geheimnis, dass junge menschen keine affinitaet zum programm der fernsehsender haben. meiner meinung nach kann man daher aber nur von einer stagnation reden und nicht von einem “die sender schaffen sich selber ab”…

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