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Clips - der SWR zeigt YouTube-Show

Und schon wieder finden Webvideos ihren Weg ins Fernsehen. Diesmal allerdings nicht als Beiwerk, sondern als Hauptdarsteller. Zumindest wenn es nach dem SWR geht. Die YouTube-Show “Clips” soll jeden Monat die besten Videos des Netzes präsentieren. Ein Format, das keinen Sinn macht.

In der Pressemitteilung beschreibt der SWR die Sendung wenig schmeichelhaft - ich übersetze frei - als Resterampe. Im Original:

“Hart aneinander geschnitten, ohne Moderation, oft mit unerwarteten Übergängen. Statt der gewohnten professionellen Fernsehästhetik sehen die Zuschauer die bunte, manchmal raue Wirklichkeit des Internets.”

Nun ist eine Sendung ohne jeglichen Schmierstoff und Kontext nicht die Neuerfindung des Fernsehens, die raue Wirklichkeit des Internets habe ich bei YouTube bis jetzt noch nicht gefunden. Immerhin hat sich der SWR das Wort “Netzgemeinde” gespart.

Die 45-minütige Sendung kommt zur besten Sendezeit im Dritten, nämlich um 23 Uhr. Wer die aktuelle Folge verpasst, soll in der Mediathek fündig werden. Und wie mir die Pressestelle auch versichert hat: Man plane eine Playlist, in der die gezeigten Videos verlinkt sind.

Quelle: YouTube

Nun sind deutsche Fernsehsender nicht dafür bekannt, Webvideos korrekt mit ihrer Quelle zu versehen. Ein Problem, welches “Clips” nicht haben soll. Die Sendung erfolge ohne Off-Stimme und Moderation, daher: “Die Namen der Autoren und Regisseure werden eingeblendet.” Auch soll der Auftritt im deutschen TV nicht kostenfrei erfolgen. Sowohl Autoren als auch die künstlerische Leistung würden vergütet, sagt die Pressestelle. In welcher Höhe, bleibt unklar.

Die Videos sollen nicht nur aus Deutschland stammen - “Clips” schöpft aus dem globalen Fundus des Netz-Bewegtbildes. Trotzdem sollen alle Videos durch die Urheber im Vorfeld für eine Ausstrahlung autorisiert sein. Ein mutiges Unterfangen, wenn der einzige Kontakt oft genug nur über die Nachrichtenfunktion bei YouTube hergestellt werden kann.

Wieso das Ganze?

Die rechtlichen Bedenken beiseite, bleibt die Frage: Warum, lieber SWR?

Wo sind die Trends, was ist bereits Kult? Wer “Clips - Geschichten, die das Netz erzählt” sieht, kann mitreden.”

Dieser Anspruch wirkt verfehlt, wenn auf jegliche Kommentierung und Kontextualisierung verzichtet wird. Webvideos ohne ihren Kontext sind nur die halbe Geschichte. Traurig, dass das auch im Jahre 2012 immer noch nicht im deutschen TV angekommen ist.

Die erste Ausgabe “Clips” läuft am 2. April 2012 um 23 Uhr im SWR.

4 Kommentare

  1. Als wir noch “Twittern” in Anführungszeichen schrieben, vor drei oder vier Jahren, waren das auch nur sogenannte Beiträge “im Forum von” Twitter: keine Durchlässigkeit zu anderen Social-Media-Plattformen. Die Duchlässigkeit von einer Plattform zur anderen erleben die Früherkenner wie selbstverständlich, mit eben einer gewissen Lässigkeit. Und so steht auch beim Anfang der Durchlässigkeit von Webvideos ins klassische Fernsehprogramm die Geduld an erster Stelle. Gewiss wird bald ein gewiefter Praktikant auf die Idee kommen, die Webvideos im öffentlich-rechtlichen Fernsehen mit - mein Gott! - “Live-Kommentaren” bei Twitter zu begleiten. Und eine Dekade später schon entsteht der öffentlich-rechtliche Webvideostream, der ja auch irgendwie redakteursmäßig kommentiert werden sollte. Ganz bestimmt werden wir dann auch das Herunterzoomen auf die Mutter aller Webvideos erleben, Youtube mit seinen Möglichkeiten. Die Entdeckung des alten. Aber alt nur für uns.

  2. P. S.: Gestern (auch ein Montagabend) erreichte “2+Leif” um 23 Uhr eine Quote von 2,4% bzw. 70.000 Zuschauer. Das ist eher ein Experimentierfeld als “beste Sendezeit”. Es gibt sogar regionale Radiosender, die um diese Zeit mehr Menschen erreichen.

  3. Spannend ist die Frage, welche Art von Videos sie zeigen. Denn zu sagen wir zeigen Youtube Videos ist so: “Wir gucken jetzt mal, was im Internet los ist.”Wird es tatsächlich ein “Bitte lächeln!” ohne VHS oder werden originäre Youtube-Inhalte ins Fernsehen transferiert. Werden Let’s Plays gezeigt oder ein Best Of YTITTY-Sketche? Ich fürchte nein, aber würde man letzteres wagen, wäre es tatsächlich etwas neues. Schließlich würde man die online entstandenen Formate ernst nehmen und ihnen eine andere Plattform geben. (Das die meisten der Macher an dieser Plattform schon gar nicht mehr interessiert steht dabei natürlich noch mal auf einem Blatt.)Ich fürchte aber es bleibt bei “Bitte lächeln, Quelle:Internet.”

  4. Cornelia Diedrichs

    Wie ich heute feststellte, bin ich für eine Millisekunde selbst zu sehen gewesen ohne dass ich es wusste noch dass ich erwähnt wurde irgendwo. Soviel zum Thema Quellenangabe….. ;)

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