Ein starkes Stück Videojournalismus

Die Preisträger des internationalen Online Journalism Award 2011 stehen fest. Im Videobereich dominieren die großen Multimediapakete, deren Videos ich aber nicht bahnbrechend finde. Das folgende Stück hingegen ist grandios.

"Spilling Over" hat den Preis für das beste Onlinevideo ("small site") gewonnen.

In den 8,5 Minuten erfahren wir von den Leidensgeschichten einiger Anwohner der BP-Ölkatastrophe von 2010. Ein durchaus langes Webvideo, aber wunderbar visualisiert.

Der stärkste Teil ist das Storytelling. Ohne zu viel zu verraten: So traurig die Schicksale auch sind, das Video wird niemals langweilig. So stelle ich mir Journalismus im Netz vor. Leider hat das Video bis jetzt keine 8000 Abrufe...

 

Mediakraft - Deutschlands erstes YouTube-Netzwerk

Endlich ist die Katze aus dem Sack: Mein geschätzter Webvideopreis-Kollege Christoph "Clixoom" Krachten hat eine neue Firma aufgemacht. Und es geht um nichts weniger, als um Webvideo und um Geld.

Endlich mal, müsste man sogar sagen. Unter der Firmierung "Mediakraft" haben sich ein paar der reichweitenstarken und vermarktbaren YouTube-Kanäle zusammengefunden, um sich für Vermarktungsansätze zu bündeln.

Der Zusammenschluss ist ein erster Schritt in Richtung einer Professionalisierung des Webvideo-Marktes wie in den USA. Ich bin mir sicher, dass Mediakraft nicht das letzte portalbezogene Netzwerk bleibt. Und Mediakraft zudem schnell Zuwachs finden wird.

Folgend die Pressemitteilung (nach dem Klick).

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Strategiewechsel: Google greift Bewegtbildmarkt mit eigenen Inhalten an

Laut BusinessInsider plant YouTube-Mutter Google mittelfristig Investitionen von etwa 500 Millionen Dollar in eigene Bewebtbildinhalte. Ein Strategiewechsel, der TV-Anbietern weltweit starke Kopfschmerzen verursachen wird.

YouTubes Strategie war bis jetzt eher zurückhaltend: Kein eigener Content, der Kauf des Inhalteproduzenten Next New Networks zuvor würde lediglich für Aktionen wie Nachwuchsförderung innerhalb der Community genutzt. YouTube gefiel sich in der Rolle des reinen Plattform-Anbieters, nicht zuletzt auch aus rechtlichen Gründen. Die Haftung für Inhalte liegt damit bei den Contentbesitzern.

Der Sinneswandel überrascht. Noch im Juni beim YouTube-Nachwuchswettbewerb "Secret Talents" hieß es: Nein, wir werden kein Contentanbieter. Denn: "Wir wissen, wo unsere Stärken liegen", lautete damals die Aussage von Google-Pressesprecher Stefan Keuchel. Gefahr erkannt, Gefahr verbannt - Google rüstet nun eben an dieser Front auf.

Hintergrund: Der TV-Markt ist reif zum Abschuss. Vor allem in den USA stehen die Kabelnetzbetreiber mit dem Rücken zur Wand. Die Zahl der sogenannten "cord cutters" - Konsumenten ohne Kabel-TV-Vertrag - nimmt stetig zu. Eine Entwicklung, die sich auch in Deutschland, wenn auch abgemildert, fortsetzen könnte.

Ein weiterer Motivationsgrund für Google: Die eigene Couch-Plattform GoogleTV ist zwar in den USA gefloppt, soll aber 2012 einen neuen Anlauf nehmen und auch z.B. in Deutschland an den Start gehen. Grund für das Scheitern war bis jetzt u.a. die vorsichtige Haltung der Contentanbieter in den USA. Längst nicht jeder TV-Sender oder Filmeproduzent wollte seine Inhalte über Googles-Fernsehbox flimmern sehen. Konsequent nun also, dass Google in eigenen Premium-Content investieren will.

Deutschland könnte bei diesem Strategiewechsel eine starke Rolle einnehmen. Aus verlässlichen Quellen heißt es, dass noch dieses Jahr ein deutsches Content-Netzwerk im Stile Next New Networks gegründet werden soll. Unabhängig - aber finanziell unterstützt durch Google-Geld.

 

YouTube startet neuen Videoeditor

Still und leise baut YouTube das Portal zum Multi-Funktionsmonster um. Neuester Geniestreich: Ein Online-Videoeditor erlaubt das nachträgliche Bearbeiten von Videos mit Grafikeffekten wie bei Instagramm. Aber es gibt noch weitaus nützlichere Funktionen...

Nicht nur schöne Farbeffekte werden demnächst Webvideos verschlimmbessern, auch verwackelte Videos sollen nun der Vergangenheit angehören: Der Bildstabilisator macht's möglich. Auch die notorischen Hochkant-Filmer dürfen ihre Videos reparieren. Denn wie heißt es so schön: Das Leben ist ein Querformat.

Kleiner Wehrmutstropfen: Der Videoeditor kann laut Newteevee nur bei Videos unter 1000 Abrufen eingesetzt werden - um ein nachträgliches Verändern von populären Clips zu vermeiden. Der neue Edit-Button ersetzt dabei nicht den bestehenden Video-Editor: der altbekannte Kamerad ist weiterhin für das Erstellen von neuen Videos aus bestehenden Uploads zuständig. Der jungfräuliche Edit-Modus ist vielmehr die Bildkorrektur am lebenden Objekt.

Das Feature wird derzeit in den USA ausgerollt und damit nach und nach auch in Deutschland starten.

Fazit: YouTube entwickelt Schritt für Schritt ein Video-Editing in der Cloud. Für Profis eher uninteressant, mag dieser Ansatz die Qualität der unendlichen Zahl von Amateur-Videos stark steigern.

Update:

Mittlerweile gibt es zusätzlich einen erklärenden Blogpost im YouTube-Blog.

Die Zeit, Alsmann oder: Ich bin (k)ein Werbevideo

Wir bei Blinkenlichten haben ein kleines Video gedreht, ich durfte mal Projektleitung und Regie machen. Im Video geht es um die neue iPad-App der ZEIT. Sieht zwar wie Werbung aus, ist es aber nicht.

Drei Minuten wären dann doch etwas lang dafür. Doch was ist es genau? Tada! Das offizielle Hilfe-Video innerhalb der App. Interessant aber, dass das Video direkt als offizieller Werbeclip angesehen wird. Egal. Uns hat die Produktion viel Spaß gemacht, Hut ab vor den ZEIT-Kollegen, die das Drehbuch ersonnen haben.

App, die Wired gilt

Wie viel Geek darf's denn sein? Wenn ich mir die Pilotausgabe der deutschen "Wired" anschaue, kann die Antwort nur negativ ausfallen. Bevor jetzt ein Verriss an dieser Stelle vermutet wird: Ich finde die Knüwersche Testversion trotzdem äußerst gelungen.

 

Geek-Deutschland hat ein Kleinod mehr. Zumindest für eine kurze Weile. Dass die deutsche "Wired" mir nur digital als iPad-App ins Haus kommt, ist meiner Vorliebe für die US-App gechuldet. Und meiner Verachtung für die GQ. Technisch gibt sich die hiesige Download-Variante dann auch nicht viel anders, als das US-Pendant. 663 MB müssen heruntergeladen werden, bevor der multimediale Spaß los geht. Einziger Unterschied: Ich kaufe für 2,99 keine Ausgabe, sondern die App.

 

Und ja, ich schreibe bewusst Spaß. Denn mir hat das Erleben der deutschen digitalen Wired durchaus Freude bereitet. Die vielen kleinen Spielereien, die videoalen Gimmicks, das Look and Feel 2011 sind mir näher, als totes Holz in Scheibchen.

 

Ein paar Dinge sind mir dann doch sauer aufgestoßen. Ich finde die Themenauswahl gelungen, manche Texte hingegen zu lasch. Manchmal fehlt das elegische der englischsprachigen Ausgaben, an anderer Stelle der Rotz und die Frechheit, generell die Luftigkeit und Unbeschwertheit. Wired ist für mich ein Geek-Magazin, von Geeks für Geeks. Nicht so in Geek-Deutschland.

 

Im videoalen Bereich hätte ich mir etwas mehr Experimentierfreude gewünscht. Hey, das ist die Wired und nicht ein Regionalportal.

 

Ein absolutes No-Go ist die Promo-Story "Elektrisch und elektrisierend". Auf der Titelseite als "Das Ende des Autos - wie wir es kennen" angepriesen, versteckt sich dahinter eine getarnte BMW-Werbung. Der notwendige Hinweis "Anzeige" verkümmert schwer auffindbar im oberen rechten Bereich der ersten Artikelseite. Alles in allem zieht sich die Geschichte über 5 iPad-Seiten. Ohne Werbung geht es nicht. Aber das ist zu dreist.

 

Bevor ich jetzt weiter auf hohem Niveau meckere, bleibt festzuhalten: Ich habe das Magazin von vorne bis hinten gelesen und mich nicht gelangweilt. Nein, gar sogar manchmal gelächelt, gestaunt und mich geärgert. Und das ist 1000mal mehr, als jedes andere Magazin derzeit in Deutschland schafft.

 

 

(Hinweis: Ich arbeite hin und wieder mit Wired-Chefmaestro Thomas Knüwer zusammen und einige der Wired-Schreiber- und Redakteure sind Autoren beim Elektrischen Reporter, den ich redaktionell mitbetreue.)