Videocamp Berlin 2012

Mitten während der IFA-Zeit in Berlin findet das 6. Videocamp statt: Am 1. und 2. September begrüßen wir euch in der Hörsaalruine der Charité.

Unser zweiter Videocamp-Ausflug nach Berlin steht auch dieses Jahr wieder unter den Zeichen "Veränderung" und "neue Wege". Wir halten das Camp bewusst klein - nach 80 Tickets ist Schluss. Ferner werden wir die beiden Tage etwas mehr strukturieren. Ein learning aus den vergangenen Videocamps.

Denn mittlerweile sind viele unserer Teilnehmer auf einem Niveau angelangt, wo sich Diskussionen nicht mehr nur in 45 Minuten stecken lassen. Insbesondere bei Video brauchen manche Dinge Zeit - auch handwerklich. Deswegen wird es u.a. Doppel-Sessions geben.

Beim Preis hat sich nicht viel verändert: Zwei Tage Videocamp inklusive Getränke und Essen kosten 29 Euro (zzgl. Amiando-Gebühr). Ein-Tages-Tickets wird es in Berlin aber nicht geben. Geplant ist wieder ein Warmup am Frreitagabend für die Frühanreiser und eine gemeinsame Party/Abendveranstaltung für alle Videocamper am Samstag.

Das Videocamp ist ein Themencamp, basierend auf dem Barcamp-Prinzip. Was genau ein Barcamp ist, steht wunderbar einfach hier geschrieben. In wenige Worte gefasst: Die Teilnehmer entscheiden gemeinsam über die Inhalte und die Struktur der (Un-)Konferenz-Tage. Thematisch geht es um Bewegtbild: Frisch, neu, innovativ. Egal ob in der Glotze, auf dem PC oder auf dem iPhone.

Veranstaltet wird das Videocamp von der European Web Video Academy GmbH (Achtung, Website befindet sich im Relaunch.) Und wer das Camp noch unterstützen will - als Sponsor, Medienpartner oder Förderer - der möge sich bei mir melden: markus.huendgen (EEETTT) ewva.eu. Die ersten Sponsoren und Partner geben wir Ende Juli bekannt.

Ich hoffe, wir sehen uns in Berlin!

P.S.: Bei Problemen mit dem Ticketkauf: Zunächst als Nutzer bei mixxt registrieren. Danach auf die Teilnahmeliste gehen (Link) und dort das entsprechende Event auswählen und oben rechts "teilnehmen". Dann öffnet sich der Ticketkauf über amiando.

Warum das Fernsehen keine Zukunft hat

Einem Mantra gleich summt die Branche das Hohelied auf die glorreiche Zukunft des Fernsehens. SocialTV, Second Screen, SmartTV - der Götzen haben wir im Moment reichlich. Doch können diese nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass das Fernsehen seine Zukunft längst hinter sich gelassen hat.

Dabei ist es ebenso hip, dass Fernsehen für tot zu erklären, als obige Götzen um Erlösung anzubeten. Aber wo stehen wir im Bewegtbild denn wirklich? Wie ist der status quo der Vereinten Fernsehnationen?

Das "Fernsehen" als solches ist eine gut geölte Erntemaschine. Seit Jahrzehnten hat sich eine Industrie entwickelt, die sogar dafür sorgt, einem Studiogast seinen eigenen Wasserträger ("30 Sekunden Pause. Darf ich Ihnen Wasser einflößen?") zuzuteilen. Ein Job, der im größten TV-Land der Welt, in den USA, sogar gewerkschaftlich organisiert ist.

Sendungen sind Profit-Center, Fernsehstars Produzenten, Journalisten Inhaltelieferanten und Kameramänner Techniker. Denn genau das ist Kreativwirtschaft der industriellen Prägung: vor allem Wirtschaft. Und hier schlägt das Über-Medium erbarmungslos seine Krallen in die stolzgeschwellte Brust des fetten Öko-Systems Fernsehen. Die Wertschöpfungskette von gestern, liegt heute am Boden und ist morgen ausgezählt.

Nun geht es nicht darum, mein Lieblingsthema "Webvideo" als der heilige Gral zu feiern. Webvideo hat sein eigenes Öko-System, eigene Regeln, Sorgen und Nöte. Ebenso wie SocialTV. Ebenso wie Fernsehen.

Doch am Ende des Tages bleibt nur die größte aller Fragen: Wer verdient wie viel Geld womit?

Und an dieser Stelle sieht die Zukunft des Fernsehens sehr verschwommen aus. Das junge Publikum konnte nicht erreicht werden. ZDFneo? Irrelevant. MTV? Hinter einer TV-Paywall verschwunden. EinsPlus? Siehe ZDFneo. Und die großen Privatsender wie RTL? Spätestens seit Gottschalks Verpflichtung muss die Überlegung erlaubt sein: Ist das Fernsehen aus dem Traum der Jugend aufgewacht?

Die Öffentlich-Rechtlichen schaffen es nicht mehr, fürs Fernsehen zu begeistern. Die Privatsender schicken bar jeder Vernunft drei zusätzliche Erntemaschinen aufs Feld. Bis dann der Boden unfruchtbar geworden ist. Fernsehen ist eine Industrie. Und diese hat große Probleme damit, sich dem neuen Zeitgeist des demokratisierten Kommunikationsmittels "Video" anzupassen.

SocialTV und Co. sind nur Krücken, nur lebensverlängernde Maßnahmen eines eigenen Öko-Systems. Sie werden das Programm bereichern, sie werden unter Umständen neue Erlösströme generieren. Doch sie werden als Bestandteil eines Organismus nicht verhindern können, dass dieser seine besten Jahre hinter sich hat.