"Kickstart" bei Webvideos: Die ersten Sekunden sind entscheidend

15 Sekunden Werbung, dann ein 10-sekündiges Intro und langsam baut sich der Spannungsbogen auf - und nach 2 Minuten ist der Clip ohnehin zu Ende: Kein Wunder, dass die meisten Nutzer angewidert wegklicken. Deswegen: Die ersten Sekunden eines Webvideos müssen den Zuschauer in seinen Bann ziehen.

90 Prozent gehen nach 10 Sekunden

Schauen wir uns ein paar Zahlen an: Laut TubeMogul verlassen rund 90 Prozent der Webseher bereits nach 10 Sekunden ein Video. Die tatsächlich im Durchschnitt angeschaute Länge von unter 2 Minuten (siehe hierzu diesen Blogpost) wird nur von knapp einem Viertel der Nutzer erreicht.

Diese Zahlen basieren allerdings auf einer Studie von Ende 2008. Die Aufmerksamkeitsspanne wird sich seitdem vergrößert haben. Dennoch: Die ersten Sekunden eines Webvideos haben demnach enorme Wichtigkeit für den weiteren Verlauf des Nutzungsverhaltens.

Weiteres Hindernis: Pre-Roll-Werbung

Betrachten wir zusätzlich die Einbindung von Pre-Rolls (TubeMogul, Feb. 2010), also den 15 bis 30 Sekunden Werbung vor dem Webvideo, kommt eine ungeliebte Tür für den Webseher hinzu. Rund 16 Prozent der Nutzer klicken bei Pre-Roll-Werbung unvermittelt weg. Diese Zahl schnellt bei Magazin- und Zeitungs-Portalen auf nahezu 25 Prozent und liegt bei TV-Portalen im Schnitt bei lediglich 11 Prozent. Syndizierte Fernsehinhalte werden anscheinend deutlich häufiger mit Werbung akzeptiert.

Jetzt zählt der Inhalt

Nachdem der Webseher diese Hürde genommen hat, beginnt der Content-Kampf. Und, wie oben zu sehen, scheinen die meisten Video-Produzenten an dieser Stelle grandios zu scheitern.

Ein paar Tipps:

1. Auf Intros verzichten bzw. extrem kurz halten

(Intros gehören nur vor Serien. Auch dort nutzen sie sich schnell ab. Entweder von Anfang auf ein Intro verzichten, oder vor jedem Serien-Video auffällig erneuern.)

2. Die besten Bilder und/oder Töne gehören an den Anfang

3. Mit einem Knalleffekt "in der" Story starten

4. Neue Wege gehen, eperimentieren, die gelernten Erwartungen des Zuschauers durchbrechen

Beispiele:

Washington Post - Top Secret America

Zum Video

National Geographic - Ninja Woman


Webvideos: 90 Sekunden sind weiterhin das Maß der Dinge

Nicht nur die Zugriffszahlen im Bereich Webvideo steigen kontinuierlich an, auch das Sehverhalten der Nutzer ändert sich: Während die durchschnittliche Videodauer weiterhin unter 2 Minuten Länge liegt, sind iPad-Nutzer anscheinend deutlich ausdauernder.

Längste Nutzungsdauer bei Videos von TV-Sendern

Doch zunächst die Gesamtzahlen laut den Video-Analysten von TubeMogul:

Aufgeschlüsselt nach Portal-Art liegen die Portale der TV-Sender weiter an der Spitze. Im 1. Quartal 2010 werden die europäischen Webseher im Schnitt 2:36 Minuten an den Bildschirm gefesselt, in den USA sind es ganze 12 Sekunden mehr. Die kürzeste Nutzungszeit herrscht bei Magazin-Portalen mit 1:24 Minuten (Europa) bzw. 1:22 Min. (USA). Musikvideos werden im Schnitt 1:57 Min. (USA) und in Europa 2:01 Min. angeschaut. Videos auf Zeitungs-Portalen, weltweit weiterhin der am schnellsten wachsende professionelle Videolieferant, kommen auf 1:52 Min. (USA) bzw. 1:30 Minuten (Europa).

Interessant: Die Abbruchquote scheint bei Musikvideos besonders hoch zu sein, da diese Videos per se deutlich über 2 Minuten Gesamtlänge liegen.

Und: Die optimale Länge für Zeitungs-Videos scheint weiterhin im 90-Sekunden-Bereich zu liegen.

iPad-Nutzer schauen am Längsten Webvideos

Ganz anders das Bild bei mobilen Geräten. Vorallem das iPad kann die Nutzer zu längeren Guck-Sessions animieren. Laut BusinessInsider und Zahlen von MeFeedia liegt die Nutzungsdauer von Webvideos auf dem Apfel-Brettchen um den Faktor 2,5 über den Zahlen am klassischen Heimrechner. Zu beachten ist, dass die kurze Studie Anfang Juli durchgeführt wurde und sicherlich von der iPad-Markteinführung bzw. der intensiven Nutzung des Gerätes zum Start beeinflusst ist.

Die iPhone-Zahlen sehen dagegen eher unspektakulär aus: Die Video-Nutzungsdauer liegt im Schnitt bei 2,5 Minuten. Spitzenreiter nach dem iPad sind Symbian-Handys mit 4,1 Minuten, mobile Endgeräte mit Android-Betriebssystem kommen auf 3 Minuten.

Inwieweit Tablet-PCs die gesamte Nutzungsdauer von Webviddeos erhöhen, bleibt also abzuwarten. Überraschend aber, dass die Videogucker im Durchschnitt längere Videos auf Handy & Co. konsumieren, als am heimischen PC bzw. Arbeitsplatz. Dies mag am gezielteren Suchen (und Finden) von Videomaterial liegen, das nächste Video ist nunmal nicht nur einen Mausklick entfernt.

Fazit:

Die optimale Länge, aus Zuschauersicht, scheint sich derzeit bei etwa 2 Minuten einzupendeln - zumindest im Desktop-Nutzungsbereich. Im mobilen Bereich liegt die Dauer schon jetzt deutlich darüber. Bleibt abzuwarten, ob dieses Verhalten im Zuge des rasant wachsenden Mobile-Videomarktes bestehen bleibt.

Anmerkung: Die Zahlen sind ohne Einbeziehung von YouTube und Hulu entstanden.

Social Media Roundtable bei ARD und ZDF

Kleine Werbung in eigener Sache: Zum ersten großen Social Media Roundtable lädt die ARD.ZDF medienakademie Mitte September nach Hannover ein. Eine erste Version des Programmes gibt es hier. Ich werde einen Vortrag über "Webvideo als Social Media" halten und neue Spielarten des Bewegtbildjournalismus vorstellen. Ebenfalls als Referenten dabei: Mercedes Bunz, Paul Bradshaw, Jens Schröter, Chris Walton, Vertreter der Huffington Post und von mashable und einige andere Experten. Zwei Tage wird berichtet und diskutiert, wie Social Media den Journalismus verändert, welche Risiken aber auch Chancen das Netz bietet.

Warum auch Flipboard mein iPad nicht rettet

Ich stehe auf Kriegsfuß. Nein, nicht nur mit der Hälfte der Verlags- und TV-Industrie, sondern auch mit Apple. Als iPad-Nutzer der ersten Stunde bin ich zunehmend enttäuscht vom angeblichen Wundergerät. Und dann noch Flipboard: Diese eine App, die von so vielen als revolutionär betitelt und dann doch nichts als heiße Luft ist.

Um eines vorweg zu nehmen: Ich mag mein iPad. Ich habe unzählige Stunden, die ich lieber hätte schlafen sollen, in das Lösen von Puzzles, das Erobern von Landstrichen und Retten von hübschen Prinzessinnen gesteckt. Kurz: Ich habe die Zeit verdaddelt.

Ist das alles - das iPad als Spielzeug? Am Montag habe ich den Versuch gemacht, einen gesamten Bürotag ohne Laptop und nur mit iPad zu verbringen. Dabei war ich durchaus ergebnisoffen: Videoschnitt hatte ich von vornherein ausgeschlossen. Aber selbst das E-Mailen geht nur krückenhaft, das Surfen endet nicht selten an einer Flash-Schranke. iPad = nutzlos ?

Die Rettung hätte Flipboard bringen können: Diese kostenlose App, die nichts weiter machen soll, als alle möglichen Nachrichten-Fische in neues Papier zu wickeln. Leider (noch?) ohne RSS, Google Reader und andere meiner Standard-Wege, Nachrichten zu konsumieren. Zugegeben: Das Blättern in Twitter-Nachrichten ist nett. Offensichtliche Zitate in Gänsefüßchen werden optisch wirksam auf die virtuelle Magazinseite verfrachtet. Auch die Facebook-Anbindung ist ein Schritt in optische Gefilde: Verlinkte Bilder werden hübsch groß skaliert auf den iPad-Schirm gestellt. Und und und.

Alles in allem wirkt Flipboard wie der x-te Aufguss eines Newsreaders, nur eben mit beschränkten News. Dass nun Twitter und Facebook einlaufen, finde ich weder revolutionär noch besonders praktisch. Konversationen möchte (bzw. kann ich) nicht über Flipboard führen.

Gewohnter Content wird so nur wieder recycled. Das wirklich schön. Aber eben nicht neu.

(Ich gehe jetzt wieder Jungfrauen retten.)

Live-Sendung vom A40-Still-Leben aus Bochum

Ein kurzer Programmhinweis: Zum Still-Leben am Sonntag werden Jörn Sieveneck (@nerotunes) und ich zum beschaulichen Live-Streaming an unsere Tische in Bochum laden. In gewohnt andersartiger Weise werden wir Gespräche mit Anwesenden und Nicht-Anwesenden führen, das eine oder andere Tänzchen aufführen und überhaupt viel netzwertigen Schabernack treiben.

Wenn es passt, wollen die lieben Twitterlesungsmacher vorbeischauen, zumal sie am Vorabend ein Gastspiel in Bochum ablieferen. Und wer selbst vor der Kamera etwas erzählen möchte, Klönschnacken oder einfach nur "Tach" sagen will, darf uns herzlich gern besuchen. Zu finden sind wir und ein paar andere Netz-Leute am Block 76, km 8,1. Tische 24 und 25 (Bochum-Zentrum). Zwischen 11 und 17 Uhr.

Zu gegebener Zeit an dieser und anderen Stellen wird es die genaue Streaming-Adresse geben.

Update: Drüben bei SM-Papst nerotunes gibt es alle Streams in der Konserve.

(nachgereichte Anmerkung: mangels Strom und schnellem Internet vor Ort setzen wir auf Laptop und gute Laune...)

(Danke schon jetzt an Jens und Moritz Fiege für das Möglichmachen, und an Vodafone für die technische Unterstützung.)

Wie der Typ von @OldSpice das Netz erobert (frisch geduscht!)

Wer kennt nicht diesen Duft, dieses Aroma. Auch wenn mich persönlich Old Spice an das After-Shave meines Opas (Ruhe in Frieden) erinnert, das zwonullige Spiel mit Videos haben sie verstanden. Der "Old Spice Guy" twittert nicht nur, er antwortet sogar auf Blog-Beiträge und Tweets - mit Videos bei YouTube.

Wer den Typ noch nicht kennt:

Nun waren die Werbungen von Old Spice schon immer etwas... besonders.

Zur Erinnerung der "Ahoy"-Spot des weltbesten schlechtesten Schauspielers und Traum meiner ewigen Besetzungsliste, Bruce Campbell (der Mann mit dem Kinn!):

Mittlerweile ist der "Guy" mächtig fleißig: In den letzten Tagen rauschten seine Tweets und Video-Antworten nur so über den Äther.

Wann schläft er überhaupt? Und wann findet er die nötige Zeit zum Training? Und überhaupt: Wie hält man sein Kinn derart in Form?

(P.S.: If you're reading this, Old Spice Guy: How do you keep your chin in shape? And what about a spot together with Bruce "The Chin" himself?)

Mega-Blog-Post: Gestern, heute und morgen bei Videopunks

Ich habe derzeit leider unglaublich viel um die Ohren, weswegen es etwas still hier geworden ist. Die vergangenen Wochen sind wie im Fluge vergangen. Weil es aber das eine oder andere zu berichten gegeben hätte, hier eine Rückschau im textlichen Schnelldurchlauf.

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1. CompanyCamp Vodafone

Neben einigen anderen Bloggern und Netzdings-Experten wie Robert Basic und Jonathan Imme war ich Teilnehmer beim internen Barcamp Vodafones in Düsseldorf. Zunächst einmal großen Respekt an die Vodafonler, dass sie die Idee einer Unkonferenz in einen Großkonzern getragen haben. Und die erste Ausgabe war definitiv gelungen. Während wir "VIP"-Gäste mit unseren Sessions für ein Grundrauschen sorgten, meldeten sich erstaunlich viele Mitarbeiter freiwillig für eigene Sessions. Auch wenn es an manchen Stellen noch hakte - das Duzen ist nicht allen genehm, Sessions sind nunmal eher offene als geschlossene Präsentationen - ist Vodafone mit ihrem Camp auf dem richtigen Weg. Und so eine Unkonferenz-Kultur braucht auch seine Zeit, bis sie in weitestgehend geschlossenen Konzernen angekommen ist.

Mein Vortrag ging übrigens weit in die Zukunft: "Bewegtbild im Jahre 2020". Ein spannendes Feld, welches aber kaum durch Studien, Daten und Fakten zu beackern ist. Ich baue dennoch weiterhin an meiner Vision des "immer-und-überall-interaktiven-Bewegtbildes".

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Lokalrundfunktage 2010

Jedes Jahr trifft sich die Lokalrundfunk-Branche zum gemeinsamen Schulterklopfen in Nürnberg. Ich hatte Schlimmstes darüber gehört. Doch so schlecht waren die Vorträge der lokalen Radio- und TV-Sender dann doch nicht. Was vielleicht auch daran liegen mag, dass ich dieses Feld bis jetzt eher wenig auf dem Schirm hatte. Wenngleich auch einige rhetorische Ausfälle zu hören waren, sind viele Lokalrundfunker auf dem richtigen Weg. Was weniger mit dem Verständnis von Social Media zu tun hat, als mit der Tatsache, dass deren Geschäftsfeld "Lokales" schon immer auf einer tiefgehenden Beziehung zum Hörer/Zuschauer begründet war.

Am ersten Tag war ich dann selbst Referent, es ging um Videjournalisten, und ihre Akzeptanz im Markt. Als Panel-Teilnehmer fand ich die Diskussion solala, aber wer mit mir über "Kostenersparnis durch VJs" reden will, sollte mich an einem gutgelaunten Tag erwischen.

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Die Sache mit MTV

Einen Großteil der vergangenen Wochen habe ich in Hamburg verbracht und für MTV (bzw. die Produktionsfirma Riesenbuhei) an MAZen für die Sonder-Sendungen "Kavkas WM Camp" geschraubt. Endlich durfte ich hemungslos in die GEMA-Kiste greifen und nebenbei die Canon 7D im täglichen VJ-Einsatz austesten. Kurzes Fazit: Vorallem im terminlich gedrängten VJ-Alltag taugen DSLRs noch nichts. Das Aufzeichnen von externem Ton und das anschließende Synchronisieren im Schnittprogramm sind ein großer Zeitfresser.

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Was es sonst noch gibt:

Kommenden Sonntag wird's ein kleines Livevideo-Experiment vom Still-Leben auf der A40 geben, ich werde verstärkt für die kleine Bewegtbild-Brutzelfirma aus Düsseldorf unterwegs sein und Anfang 2011 wird es die nächste Auflage des Videocamps geben.

Ein Tag im Leben des Diego Maradona - filmed with Canon 7D

Was würde Maradona machen, wenn er einen Tag in Hamburg weilen würde? Nunja, die Leute bei MTV haben sich was ausgedacht und mich mit der Videokamera losgeschickt, dieses fiktive Erlebnis für die Nachwelt festzuhalten.

Die gesamte Sendung gibt es hier, der Einspieler mit Diego folgt ab ca. Minute 11:50)

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Gedreht habe ich das ganze Ding mit der Canon 7D, Zacuto Tactical Shooter, dem Sigma 18-50 2.8 und viel Experimentierfreude. Denn diese Kameraperspektive (Point of View) ist verdammt bitchy in manchen Lebenssituationen.