Geldverdienen und andere Webvideo-Mythen

10 Mythen, die einfach mal benannt werden müssen. Punkt.

 

  1. Webvideos kann jeder herstellen
  2. Webvideos muss jeder herstellen
  3. Mit Webvideos lässt sich Geld verdienen
  4. Mit Webvideos lässt sich kein Geld verdienen
  5. Webvideos müssen teuer sein
  6. Qualität beginnt beim Inhalt
  7. Dem Nutzer ist Qualität egal
  8. Die Nutzer konsumieren Bewegtbild, weil es Bewegtbild ist
  9. Webvideo ist wie Fernsehen, aber im Netz
  10. Webvideos werden das Internet dominieren

Eine Zukunft ohne Flip

In letzter Zeit ist es still an dieser Stelle um die Flip-Kameras geworden. Die Erklärung ist einfach: Bereits Ende des Jahres 2009 wurde das Projekt stillschweigend auf Eis gelegt.

 

Aus Kostensicht ist dieser Schritt nachvollziehbar: Schließlich kostete die Produktion (Dreh, Schnitt) eines Flip-Videos ca. 60 Euro. Aus Verlagssicht viel zu viel Geld für exklusives vermarktbares Bewegtbildmaterial. Auch die rund 40 mit Flip-Kameras ausgestatteten Redaktionen werden sich bedanken, wird das weithin überschätzte Thema "Webvideo" nun endlich an ihrer beruflichen Entwicklung vorbeigehen. Und wer sich in der regionalen Branche auskennt, wird zustimmen: Vierstellige Abrufzahlen für derlei Videos sind ohnehin viel zu wenig.

 

In diesem Sinne kann ich allen Beteiligten nur gratulieren: Während andere Verlagshäuser diesen unheilvollen Weg energisch beschreiten, besinnt man sich in Essen auf angestammte Zukunftsgeschäfte. Und nicht wenige Redakteure haben nun eine Flip für den nächsten Urlaubs-Trip in der Schublade. Da sag noch einer, Verlage verstünden es nicht ihre Mitarbeiter zu motivieren.

Der Wandel in der Interaktivität

Nichts weniger als die Körperhaltung galt bis dato vielen Video-Theoretikern als Unterscheidungsmerkmal zwischen Webvideos und Röhren-Sendungen. Diese Schwarz-Weiß-Welt war auch allzuschön: Auf der einen Seite die Couch-Potatoes, die genüßlich Heidi Klum beim Modelfinden angeifern, auf der anderen Seite der Kohlenhydrate-verseuchte YouTube-Nerd.

 

Mittlerweile gehört YouTube-Content zur Werksausstattung eines aktuellen Fernsehers und Portale wie Hulu bringen Serien und Filme auf den Netbook. Verschwimmt alles? War die Unterscheidung in lean-back und in lean-forward nur ein Hoax?

 

Schauen wir uns ein paar Zahlen an, wird schnell klar: Die als Hype abgespeiste "Interaktivität" ist elementar für die Rezeption eines Bewegtbildes. Die Erkenntnis ist nicht neu, gleichwohl wird an der Umsetzung gespart. Im Zeitalter der "Synergieeffekte" und des "Content-Sharings" wird zunehmend die Video-Kuh gemelkt, bis sie leer ist. Innovation sieht anders aus.

 

Es fehlt an mutigen Konzepten - und deren Umsetzung - mit dem Thema Bewegtbild Grenzen zu überschreiten. HBO hat vergangenes Jahr einen mutigen Schritt getan und mit viel Aufwand ein vollkommen nicht-lineares Video-Erlebnis auf den Monitor gebracht. Die weiter voranschreitende Verquickung von verschiedenen Content-Quellen wird diesen Ideenschwung weiter beschleunigen.

Übrigens, um den Text-Anfang wieder ins Spiel zu bringen, wird diese neue Interaktivität weitestgehend Medien-unabhängig sein. Eine spannende Rolle könnte das dieser Tage viel zu oft zitierte iPad bringen. Sollte es sich als Mainstream-Gadget durchsetzen, wird der Ruf der kritischen Masse nach neuen Storytelling-Methoden vielleicht erhört.

Der Bewegtbild-Markt ist soeben erst den Kinderschuhen entwachsen. In spätestens fünf Jahren wird niemand mehr darüber streiten, ob nun welches Format wann wie wo ausgespielt wird.

Posterous theme by Cory Watilo