Not quite the World after Advertising
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Ich tue mich schwer mit Werbung. Vielleicht liegt das daran, dass ich zu einer Generation gehöre, die allergisch auf die bisherigen Brüllmethoden reagiert. Oder dass ich meine Kaufentscheidungen schlichtweg nicht mehr von Unternehmensversprechungen abhängig mache. Jedenfalls war ich umso gespannter, was der Kongress "The World after Advertising" in Düsseldorf an Innovationen aufzeigt. Und ich muss gestehen: Wenn Werbung in Zukunft so aussehen sollte, dann werde ich weiterhin einen großen Bogen um sie machen.
Vielleicht war meine Erwartungshaltung angesichts des Veranstaltungstitels zu hoch. Gut, es gab viele schöne Beispiele. Wie Real Madrid die gesamte Klaviatur des Social Media spielt, wie Kodak alle Plattformen bespielt und selbst bei Dinosauriern wie IP Deutschland die Erkenntnis durchsetzt, dass blanke Reichweite nicht mehr ganz so wichtig ist.
Was mir bei den Vorträgen und Diskussionen gefehlt hat, war die Vision. Die Vorstellung von dem, wie Werbung im Jahre 20xx aussehen könnte. Rühmliche Ausnahme mal wieder: Werbeikone Amir Kassaei. Er geizte nicht mit schmissigen One-Linern wie "Es gibt kein Social Media". Bewusst provokant versuchte er, den Gästen den Spiegel vorzuhalten. Wobei ich mich frage: Wie verklickert der Kreativchef einer der größten Agenturen seinen Kunden diese Visionen? Seine Wandlung vom Saulus zum Paulus nehme ich ihm anhand des Vortrages nicht ab. Wo waren die eigenen Positiv-Beispiele, um die Argumentation zu unterstützen?
Der Tag in Düsseldorf wirkte wie eine nüchterne Bestandsaufnahme. Die meisten Referenten zeigten das, was seit zwei Jahren Standard sein sollte. Nur wenige ließen durchblicken, was sein könnte und heute sein müsste. Positiv: Medienanalyst Ken Doctor.
Die inhaltliche Kritik fällt mir umso schwerer, da die gesamte Veranstaltung ansonsten äußerst rund war. Vom Austragungsort (Rheinterrassen), über funktionierendes WLAN, Catering bis zur Netzwerkmöglichkeit neben und nach den Vorträgen. "The World After Advertising" braucht sich bereits nach der Erstauflage nicht hinter anderen Konferenzen zu verstecken. Deswegen hoffe ich auf eine Fortführung 2011. Und dann bitte mit mehr Visionen.
