Best of Pro (1): Bottom Out (Online Journalism Award 2010 - Video)

Wo Schatten ist, dort ist auch Licht: Es gibt sie, die guten innovativen Videogeschichten. "Bottom Out" zeigt in langen aber wertvollen 18 Minuten die Spielsucht Tony McDews in Las Vegas. Vom VJ gemachte Aufnahmen wechseln sich dabei mit selbst gedrehten Tagebucheinträgen des Protagonisten ab. Kein Hochglanz, keine Spezialeffekte, nur eine schön erzählte Geschichte.

(Der Video-Embed funktioniert leider nicht mit Chrome)

Die Las Vegas Sun hat zum Thema "Spielsucht" ein großes Special gebaut, welches Tony Geschichte nach allen Regeln der Kunst multimedial begleitet: Artikel über die Psychologie der Spielsucht, Google-Karte mit Treffen der Anonymen Spieler und eine virtuelle Slot-Maschine, die die Funktionsweise eben jener erklärt.

So sieht nicht nur guter Videojournalismus aus, so sieht guter Onlinejournalismus aus.

First Hands on: 23video

Zwei Fragen werden mir immer wieder gestellt: Warum trägt der Videopunk immer Anzug? Und: Welcher Videodienstleister ist der Richtige? Ersteres ist ein selbstgewählter modischer Anachronismus, die zweite Frage ist schwieriger zu beantworten als simple Gedankenspiele wie der Sinn des Lebens. Dennoch: Ein Videoservice hat es mir derzeit besonders angetan: 23video aus Dänemark.

Gleich vorweg: 23video erfindet das Videohosting nicht neu. Keine bahnbrechenden Neuerungen, kein Billigheimer-Preismodell und keine ultrahippen Vorzeigekunden. Trotzdem hat es das soeben gelaunchte Startup zu TNW und Techcrunch geschafft. Warum?

Weil 23video viele bekannte Dinge verdammt gut macht. Zwei Wochen lang hatte ich die Gelegenheit, das System vor dem Launch auf Herz und Nieren zu testen. Das CMS kann deutsch (wenn auch noch nicht perfekt), generell "arbeitet" es sich auf der 23-Oberfläche intuitiv.

Abseits der bekannten Branchenstandards glänzt 23video mit vielen kleinen Detailverbesserungen:

  1. Videos können für Google indexiert werden und tauchen somit als Video in den Google-Suchergebnissen auf.
  2. Umfangreiches Analytics-Modul: Für jedes Video kann die Engagement-Zeit ausgewertet werden. Unerlässlich für jede Bewegtbild-Strategie!
  3. Nutzern kann der Video-Upload erlaubt werden. Schön für UGC-Kampagnen.
  4. Der Player, die Videoseite, jedes kleinste Detail kann selbst angepasst und per guter API in die bestehenden Webauftritte eingebaut werden.
  5. One-Click-Distribution: Videos können direkt bei YouTube, Facebook, iTunes etc. in entsprechende Kanäle gestellt werden. Bei Facebook werden sogar erweiterte Statistiken gesammelt.

Dies sind nur einige der Dinge, die andere teilweise Dienstleister auch anbieten, aber eben nicht ganz so ausgeklügelt wie 23video.

Bleibt die Frage nach dem Preis: Mit 675 Dollar pro Monat richtet sich 23video eindeutig an Unternehmen und sehr engagierte Einzelpersonen mit gewissem Videooutput. Inbegriffen sind 1TB Traffic, was für die meisten Bewegtbildkunden reichen wird.

Mein Tipp: Die "Free Trial" nutzen und ausprobieren, ob das System die eigenen Bedürfnisse erfüllt.

 

Disclaimer: Videopunks ist Partneragentur von 23video in Deutschland.

@JeffJarvis: "Video humanizes"

Video mache Politiker und Unternehmen menschlicher, statt des Plastiklooks aus dem Fernsehen gäbe es Videos auf Augenhöhe: Jeff Jarvis hat auf der Picnic 2010 VJ-Kollege Jonas Lovstad (23video) etwas über Webvideo in die Canon erzählt.

Jeff spricht genau den Erfolgsfaktor an, der YouTube zum größten TV-Sender aller Zeiten und schräg witzelnde Teenager zu Bildschirm-Stars macht. Leider wird auf das Thema "Qualität" nicht eingegangen. Und das Beispiel der Vado-einsetzenden BILD-Jünger halte ich für gewagt: Zwar sind 20000 Vados ruckzuck über den Tisch gegangen, die Weltbevölkerung wurde zum Glück weitestgehend von Boulevard-Leserreporter-Videos verschont.

ePolitik und die Technik dahinter

ePolitik ist da. Ein kleines schnuckeliges Format vom ElRep fürs ZDF. Kollege Julius hat tiefergehend über den Inhalt (OpenData) geschrieben, ich vervollständige das Ganze mit ein paar Technikfakten.

Zunächst einmal: Der gesamte Beitrag ist mit der Canon 5D Mk2 gedreht worden. Oder besser gesagt: Mit zwei Modellen parallel. Zu sehen an den Interview-Einstellungen. Bewusst haben wir auf "available light" gesetzt. Wirkt echter. (Außerdem mag ich das Herumschleppen von Lichtkoffern nur so halb.)

Wie das mit den Canons so ist: Der Ton macht Mehrarbeit. Wir haben alles schön sauber extern über ein Zoom H4N aufgezeichnet und im Schnitt mit den zwei Kameraeinstellungen synchronisiert. Leider von Hand, denn PluralEyes für Premiere CS5 ist derzeit unbrauchbar: Die Fehlerquote beim Synchen liegt dermaßen hoch, dass das manuelle Zusammenführen von Audio und Bild das kleinere Übel ist.

Weiterer Haken beim Dreh mit den Canons: Nach ca. 12 Minuten bzw. maximal 4GB Dateigröße ist Finito. Unschön für den flüssigen Ablauf eines Videointerviews. Also hieß es nach 10 Minuten das Interview zu pausieren und die Aufnahme neu zu starten. Klassisch mit Handklappe.

Was zum nächsten Problem führt. Der große Vorteil der 5D ist der große Sensor für eine filmisch anmutende Tiefenschärfe. Was wiederum bedeutet, dass sich der Interviewpartner während der Aufnahme nicht bewegen sollte. Sonst wird aus der schönen Tiefenschärfe ein unscharfes Sehvergnügen. Besonders in den Zwangspausen gefährlich. Da hilft nur permanentes Nachkontrollieren der Schärfe. Mangels externem Monitor nicht wirklich spaßig.

Als Scherben konnten drei Zeiss-Objektive (21mm, 35mm und 85mm) herhalten. Meistgenutztes Objektiv übrigens: Das 21mm.

Was den Aufnahmen sicherlich den letzten Feinschliff verpasst hätte, wäre ein Grading mit z.B. Magic Bullet Looks. Für Folge 2 ist dies aber vorgemerkt.

Die Idee, auf Screencasts zu verzichten, hat uns das meiste Kopfzerbrechen bereitet. Wie zeigen wir die im Off-Text angesprochenen Seiten, ohne langweilige Monitorbilder abzufilmen. Die Idee mit den Pappen mag zwar einfach klingen, allerdings hat die häufig auftauchende Kombination von "Pappe hängt an einer durch Hände gehaltenen Wäscheleine im Wind" meinen Nikotinkonsum immens gesteigert.

In ein paar Wochen geht's übrigens weiter mit ePolitik und dem Thema "Netzneutralität". Bis dahin feilen wir noch an einigen Stellen. Außerdem möchte ich endlich mal nachts drehen :-)