Disruptiv gegen den Rest

Die aktuellen Comscore-Zahlen haben mich erneut aufhorchen lassen: Demnach ist YouTube für fast die Hälfte der deutschen Video-Views verantwortlich. Eine Marktmacht, die weiterhin wächst. Und was mich nicht verwundert: In den Top-Ten ist keine deutsche "klassische" Medienseite zu finden. Also kein Verlagshaus, keine Zeitung. Und dabei wollen alle von ihnen ganz vorne mitspielen.

Warum machen sich dann alle die Mühe, ihre Videos geschlossen im Portal zu halten?

Der Kampf deutscher Verlage im Webvideo-Markt ist ein Kampf David gegen Goliath. Nur das Ende wird wenig biblisch ausgehen. Anstatt über den eigenen Schatten zu springen, kapseln Verlage ihre Videos ein. Doch dieser Binnenmarkt-Konkon wird elendig verkümmern.

YouTube bietet seit geraumer Zeit die Möglichkeit, sogenannte Partner-Kanäle anzulegen. Richtig bespielt und beworben öffnet sich den Content-Lieferanten das ganze Google-Universum: Von der Reichtweite bis zur Technik. Zudem lassen sich die Videos ohne Probleme zurück ins eigene Portal embedden.

Warum dann die vielen Vorbehalte und der teure eigene Weg zum Mini-Videoportal innerhalb der eigenen Seite?

Werbeerlöse? Google bringt gern eigene Partner mit, um den neuen Premium-Content in bare Münze zu verwandeln. Und freut sich sogar, wenn der Content-Partner selbst Werbekunden vorweisen kann. Der Tausch - ein auszuhandelnder Anteil der Werbeeinnahmen für die vielen YouTube-Vorteile - ist zudem nur fair.

Kontrollverlust? Dafür gibt es Verträge, und bei Google echte deutschsprachige Menschen, die mit sich reden lassen. Ein "Ausverkauf" sieht anders aus.

Markenverlust? Bei Bedarf "brandet" YouTube den Player nach Gusto des Content-Partners. Übrig bleibt der stabilste und durchaus technisch aktuelle Player der Google-Tochter.

Ich könnte noch unendlich viele Punkte auseinandernehmen, doch auf der Haben-Seite der Verlage bleibt nicht viel. Ausser ein großer roter Bulletpoint: Angst.

Angst vor einer Medienmacht, die nicht alten Marktgesetzen gehorcht. Und damit innerhalb kürzester Zeit ebenso erflogreich geworden ist, wie alle Konkurrenten zusammen.

One, two, Freddy's coming for you

Robert "Freddy Krueger" Englund macht jetzt auf Webisodes mit Fear Clinic. Mir lässt es einen wohligen Schauer über den Rücken laufen. Und wieder zeigt sich: Im Fiction-Bereich braucht sich Webvideo nicht mehr vor der großen Glotze verstecken.

Die Videos sind, wie bei Hulu, für deutsche Zuschauer gesperrt. Wohl dem, der mit solchen Nichtigkeiten umzugehen weiß.

 

PR kommt in Bewegung, oder: Die Dunkle Seite der Webvideo-Macht

Bis heute dachte ich, das Sparring mit Lokalredaktionen rund um Webvideo sei die höchste Gewichtsklasse. Aber wie so vieles im Journalistenleben kommt es a.) meistens anders und b.) als man denkt. Bei newsaktuell in Düsseldorf sollte ich aus dem Video-Redaktionsalltag berichten und den anwesenden PR-Profis aus der Region Tipps geben. Wie erstelle ich Webvideos, was ist zu beachten - und besonders: Wie kriege ich diese teuren Bewegtbild-Pressemitteilungen gefälligst bei der WAZ (oder anderen News-Portalen) unter.

 

Los geht's bei Null

Das Wissen rund um Webvideo erschöpft sich bei vielen Kollegen schon bei der Technik. Über Inhalte reden wir dann mal in Ruhe. Ein anderes Mal. Nein, es ist nicht so, als wenn die PR-Profis nicht wüssten, wie wichtig Webvideo ist und noch sein wird. Doch manche Fragen haben gezeigt, welch dicke Bretter die Kollegen in ihre Unternehmen zu bohren haben.

Kaffeekränzchen beim Pförtner

Klar, die Nutzer (also wir alle) wollen nicht mehr diesen hochglanzpolierten Einheitsbrei der Marke "Image-Film made 1996". Doch was tun, wenn die eigene Vorstandsetage die Qualität eines Videos nach seinen Produktionskosten bemisst. Und noch etwas ist mir aufgefallen: Die 90-Sekunden-Denke ist in den PR-Stuben noch weit verbreiteter als in hiesigen Lokalredaktionen. Was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass die PR-Kollegen schon vor geraumer Zeit ihr Gespür für Geschichten beim Pförtner abgegeben haben. Oder, damit möchte ich aber keinem zu Nahe treten, es nie hatten. Wer mich ernsthaft fragt, wie man seine Öffentlichkeitsarbeit aufs Regionale runterbricht, muss irgendwo irgendwann sehr lange gefehlt haben. Oder saß zu lange beim Pförtner.

Vom Sender zum Mitredner

Was einige Kollegen dort draußen auf der anderen Seite der Journalisten-Schreibtische aber gänzlich vergessen haben: PR heißt auch Öffentlichkeitsarbeit. Und damit ist auch Reden gemeint. Ja, mit uns Journalisten (Kudos deswegen an alle Anwesenden) und auch mit diesen, wie hießen die nochmal, achja, "Empfängern" am anderen Ende der Leitung. Werbung macht eine andere Abteilung. Die dürfen kritiklos ihren Produkt-Blah in den Äther pusten.

 

Die Denke in den Pressestuben mancher Unternehmen muss also arg nach Anno Schnüff müffeln. Käsige Selbstbeweihräucherung aus der Mahagoni-Schublade, gut abgehangen und auf der Wiedervorlage ganz weit oben.

 

Das klingt jetzt vielleicht alles schlimmer, als es die meisten Beteiligten selbst wahrhaben wollen. Aber bei uns Journalisten hat es auch eine Weile gedauert, bis wir die Holz-only-Ohrpropfen rausgenommen haben. Das tut im ersten Moment weh, aber nach einer Weile stellt sich der Wahrnehmungs-Bonus ein.

Wir werden euch helfen. Keine Sorge. "Möge die Macht mit euch sein."

 

P.S.: Weil das Thema aber so unglaublich spannend ist, werde ich mich ab jetzt hin und wieder der Dunklen Seite widmen und schauen, wohin es manche Unternehmen und ihre Videos verschlägt.

An die Old-Mediaisten

Liebe Holzmedienmacher dort draußen,

 

geschenkt, dass ihr dieses komische Online-Dingens für den größten Fehler seit Erfindung der A-Bombe haltet. Verziehen auch eurer zielloser Hass auf all die bedepperten Blogger und das andere Gewurms, dass euren Content klaut.

 

Aber mal ehrlich: Wer singt euch jeden Abend mit dem Märchen vom "Geschäftsmodell Print" in den Schlaf? Wenn eines in diesen Umbruchzeiten klar ist, dann das nahende Ende eines Produktes. Ihr mögt ja alle eifrige Konsumenten der gedruckten Nachrichten von gestern sein. Doch die Zahl der Kunden sinkt rapide.

 

Wenn ich mir an gewissen Stellen die geistigen Wirrungen mancher Schreihälse anhöre, dann tut es mir unendlich Leid. Leid um die Kollegen dort draußen, die längst begriffen haben, wohin der Zug fährt.

 

Zeitungsjournalisten sind die Bergmänner der Medienwelt. Für einige wird es auch in Zukunft Arbeit geben. Doch Kohle allein reicht heute nicht mehr aus, um eine Mediendampflok in Bewegung zu halten.

Humanzee!

Ich weiß nicht Recht: Ist das obergeiler Trash oder einfach nur Müll? Jedenfalls geht ex-Troma-Regisseur James Gunn an mindestens einem Dutzend Grenzposten des guten Geschmacks vorbei spazieren. Immerhin: Er weiß die kreative Freiheit des Webs gnadenlos zu nutzen. G-n-a-d-e-n-l-o-s.

Flip-Tagebuch (2)

Eine interessante Entwicklung: Kurzfristig haben unsere rund 40 Fotografen, die für die WAZ und NRZ unterwegs sind, Nägel mit Köpfen gemacht. Nahezu jeder Fotograf wird mit einer Flip losziehen und Material anliefern. Das Projekt erhält dadurch eine neue Komponente: Bildjournalisten dem Weg von Stand- zu Bewegtbild bereiten. Das Video nicht gleich Foto ist, weiß zum Glück jeder der Kollegen.

Neben den üblichen Fragen ging es deswegen heute um praktische Überlegungen: Wie fotografiere ich gleichzeitig mit einer D300 und halte parallel die Flip auf das Geschehen? Wir probieren eine Kombination aus Stativschraube und Blitzschuh-Adapter aus. Marke Eigenbau.

Am Vormittag war ich in meiner alten schönen Sauerländer Heimat. Arnsberg, du langweiligste Stadt NRWs :)

Flip-Tagebuch (1) mit Video

Heute bei den Kollegen der NRZ in Moers gewesen. Sehr nette und interessierte Kollegen, die der Flip-Kamera nicht kritiklos, aber offen gegenüberstehen. Je mehr Antworten ich versucht habe zu geben, desto mehr Fragen kamen. Das Universum Webvideo lässt sich eben nicht an einem Tag erforschen. Jetzt bin ich gespannt, wie die Kamera in den Redaktionsalltag eingebaut wird. Übrigens wie bei allen frischen Flip-Redaktionen starten wir erstmal im Stillen, bis sich eine gewisse Routine eingependelt hat.

 

Am Ende des Schulungstages hat mir dann Harry Seelhoff, NRZler mit Leib und Seele vor der Flip-Kamera erzählt, was er sich von der Sache erwartet.