Last call for Videos - macht mit beim Deutschen Webvideopreis

Die Reportage im Lokalen, das Musikvideo der bis dato unbekannten Nachwuchsband, die pfiffige Animation, der provokante Werbespot - noch bis zum 1. Februar 2011 (8 Uhr) habt ihr die Möglichkeit, Webvideos für den diesjährigen Webvideopreis vorzuschlagen. Kramt in euren Redaktionsarchiven, durchsucht eure Vimeo-Favoriten nach Kandidaten, geht ratzfatz selbst auf die Straße und filmt. Beachten müsst ihr nur Folgendes:

 

  1. Die Videos müssen explizit fürs Netz sein. Also keine Zweitverwertungen aus dem Fernsehen oder zuerst auf DVD veröffentlichte Werke.
  2. Die Videos dürfen nicht älter als exakt 2 Jahre sein. Das heißt: 1. Februar 2009, 7.59 Uhr.
  3. Die Videos müssen für ein deutsches Publikum erstellt worden sein. Wessen Video auf deutsch ist, hat diese Hürde bereits geschafft.
  4. Die Videos müssen jugendfrei sein. Splattermovies, Counterstrike-Orgien und Pornoversuche bleiben bitte dort, wo sie herkommen.
  5. Es dürfen keine Rechte Dritter verletzt sein. Keine geklaute Musik, Ausschnitte aus geschützten Blockbustern und Fotos, die mal eben so von Flickr kommen.

Das letzte Wort, ob ein Video gegen diese Kriterien verstößt, hat übrigens die Jury.

Es gibt acht Kategorien, in denen jeweils ein Jury- und ein Publikumspreis verliehen werden. Wir haben versucht, mit diesen Kategorien die wichtigsten Webvideosparten Deutschlands abzudecken. Keine Sorge, falls ihr euch bei der Zuordnung unsicher seid. Die finale Entscheidung, welches Video in welche Rubrik gehört, übernimmt die Jury.

Und jetzt: Mitmachen!

 

Gegen das Vergessen - unser Leben in einem Tag

Menschen. Es geht nur um Menschen. Am Ende des Films sitzt ein junges Mädchen am Steuer ihres Wagens. 24 Stunden hat sie auf ihre Geschichte gewartet. Sie möchte nicht vergessen werden. Nicht in der Bedeutungslosigkeit versinken. Deswegen, trotz Tränen in den Augen, lässt sie die Videokamera laufen.

Ihr taten es tausende Menschen gleich. Am 24. Juli 2010 dokumentierten sie ihr Leben. Und gaben ihre Videofragmente an YouTube weiter. Daraus strickte Regisseur und Oscar-Gewinner Kevin Macdonald einen der beeindruckendsten Dokumentarfilme der letzten Jahre.

"Das Leben in einem Tag" komprimiert tausende Geschichten aus 4500 rohen Stunden der Weltbevölkerung auf 94 Minuten Film. Clip für Clip reist der Zuschauer von Kontinent zu Kontinent, von Mensch zu Mensch. Die durch YouTube propagierte Clipkultur feiert in diesem Film ihren gesellschaftlichen Höhepunkt. Vermeintliche Belanglosigkeit wird hier zum Besonderen erhoben. Die erste Rasur. Der Alltag eines Kindes als Schuhputzer. Lichtblicke wie der kitschige Heiratsantrag, Schattenseiten wie die Duisburger Loveparade. Sie stehen Seite an Seite, werden Clip für Clip im Tagesrhythmus abgespult.

Niemals aufgeregt oder mit Effekthascherei belegt, versprüht der Film eben jenen Funken Hoffnung, der uns auch in schlechten Zeiten dem nächsten Tag entgegenfiebern lässt. Irgendwann im Film berichtet ein Familienvater von seiner verlorenen Angst vor der Krebserkankung seiner Frau. Er lächelt. Ein ehrliches Lächeln. Es wird für seine Familie ein Morgen geben. Zumindest den nächsten Morgen. Und diese Tatsache ist es wert, umarmt zu werden.

"Das Leben in einem Tag" treibt die Qualitäten eines Dokumentarfilmes in neue Höhen. Lebensausschnitte, die ohne Skript auskommen. Die Geschichten ohne Drehbuch erzählen. Dabei haben sie nichts weiter gemein, als am selben Tag erlebt worden zu sein.

Mehr als alles andere ist der Film ein Spiegelbild der sich wandelnden Gesellschaft. Er atmet die Geisteshaltung der vernetzten Menschheit. Er sprüht vor Leben. Vor ungeschminktem Leben. Das Mädchen in der Schlusseinstellung des Films möchte nicht vergessen werden. 24 Stunden hat sie auf ihre Geschichte gewartet. Und plötzlich ist es eben dies, was sie unsterblich macht. Den Eindruck von Belanglosigkeit nimmt jeder Mensch anders wahr. Jeder einzelne Mensch.

 

Update 01.11.2011 - der Film ist jetzt auf YT verfügbar

Schämt euch.

#Bloggergate ist da. Und kaum einer findet das Geschäftsgebaren der Beteiligten komisch. Anrüchig. Oder gar schlimm. Weder SEO noch die Untiefen der deutschen Blogosphäre sind mein Fachgebiet. Was ich aber einfach nur penetrant beschämend finde, sind die Reaktionen bei Twitter und in den Kommentaren auf Sascha Pallenbergs Artikel.

Wenn es um Meinungsfreiheit und den immerwährenden Kampf Blogger vs. Journalisten geht, wird die große Transparenzkeule geschwungen. Blogger sind ehrlich. Blogger sind vielleicht käuflich, aber das nach Ansage. Anscheinend viel heiße Luft, um das eigene Samariter-Ego zu streicheln. Meinen manche Blogger etwa wirklich, mit einer derartigen Janus-Haltung in den digitalen Himmel zu kommen? An Petrus Stelle würde ich diesen Möchtegern-Meinungsmachern einen kräftigen Arschtritt in den Keller verpassen.

Die Argumentation "aber das wird doch schon länger so gemacht und es machen doch eh alle mit" ist so löchrig wie ein Schweizer Käse. Es muss anscheinend immer Leute geben, die dummen Ideen mit ausgestrecktem Arm hinterherlaufen.

Schämt euch.

Der Human-Brand-Faktor: Interview mit Joe "Mystery Guitar Man" Penna

Er ist einer der erfolgreichsten Webvideomacher der Welt, ein echter YouTube-Star: Joe Penna aka Mystery Guitar Man lockt jede Woche Millionen von Nutzern vor den Monitor. Seine Bilanz bis jetzt: Mehr als 210 Millionen Gesamtabrufe und 1,7 Millionen Kanal-Abonennten.

Während der DLD in München konnten Kollege Julius Endert und ich Joe zum Video-Interview bitten. Warum Marken menschlich werden müssen und es keine Erfolgsrezept für Webvideos gibt, verrät der mysteriöse Gitarrenmann nach dem Betätigen des folgenden Play-Buttons.

(Nutzung des YouTube-Materials mit freundlicher Genehmigung durch Joe Penna.)

Die Sache mit den Webvideotagen oder: #wvt11

Es war etwas still hier und das wird es auch noch etwas länger bleiben. Die Entschuldigung findet sich manifestiert als Webseite unter Webvideotage.de. Wer das Projekt noch nicht auf dem Schirm hat: Wir (d.h. Stefan Evertz und Christoph Krachten) haben zusätzlich zum Videocamp eine kleine Preisverleihung für die besten deutschen Webvideos geplant. Und weil wir junges Netzvolk im Zeitökonomie-Unterricht in der Grundschule fehlten, haben wir kurzerhand das Planen mit dem Machen verwechselt.

Nun bleibt uns nichts anderes übrig, als diese kleine Preisverleihung über die im Kino nicht vorhandene Bühne zu bringen. Wer braucht schon Schlaf, Freizeit oder andere altmodische Dinge.

Was wir aber weiterhin dringend brauchen: Eure Unterstützung. Das Projekt ist eine non-profit-Aktion, mit dem gesammelten Sponsoring-Geld werden Lieferanten, Miete und Technik bezahlt. Wir ihr uns unterstützen könnt: Macht Werbung für www.Webvideotage.de, twittert es, bloggt euch die Seele aus dem digitalen Leib, legt euch ein Dutzend Facebook-Konten an und liked euch die Finger wund (oder besser nicht).

Für die optisch veranlagten Meinungsmacher folgen jetzt die offiziellen Logos (Danke an @cvonposer !) zur mannigfaltigen viralen Vertröpfelung im digitalen Gewässer.

(Special-Edition in transparent)

Es ist eine Lüge für den guten Zweck

Es war einmal ein Werbespot, der spaltete eine Region. So oder ähnlich wird man in wenigen Jahren über den Versuch dreier junger Sauerländer sprechen, ihrer Region einen Stempel aufzudrücken, der viel zu groß war.

Ich möchte an dieser Stelle gar nicht erneut auf das Wie, Was und Warum eingehen. Der Versuch ist löblich, das Engagement sicherlich erwähnenswert. Und dennoch schießt das Projekt meilenweit am Ziel vorbei.

Lauschen wir einem der Initiatoren bei WDR, wird schnell das ganze Debakel offensichtlich.

"Das ist ja Werbung und da ist häufig etwas gelogen. Es ist nicht ganz gelogen, es stimmt ja von Arnsberg. Und es ist ja eine Lüge für den guten Zweck."

Im Kern geht es darum, dass die im Spot angepriesenen, und nicht ganz ernst gemeinten Entfernungen nicht stimmen.

Es ist genau dieses Mantra, dass junge Leute scharenweise vor Werbung flüchten lässt. Es ist genau diese antiquierte Geisteshaltung, die in Zeiten des digitalen Wandels die sich verschiebende mediale Rezeption ignoriert. Und es ist genau der Grund, warum sich in Kürze keiner mehr an diese Aktion erinnert wird.

"Das Etikett soll nicht größer sein als der Sack."

Lukian (griechischer Satiriker)

Quelle: YouTube - Wie Spiegel Online sich ein Video "leiht"

Ted "Golden Radio Voice" Williams Teil 3: Erst eine Sensation in den USA, dann Ärger bei YouTube. Und jetzt das!

Was wird nicht viel dieser Tage wieder über Qualitätsjournalismus geredet, geschrieben und gedacht. Ohne diesen sei die Gesellschaft am Ende und liefern könne diesen ohnehin nur die bestehende Medienmischpoke. Dabei sollten sich die Verlage einfach selbst an die Nase fassen. Zur Qualität gehört auch, folgende Dinge möglichst gar nicht passieren zu lassen: Abschreiben, nachmachen oder sogar klauen.

Vielleicht sollte das mal jemand den Kollegen bei Spiegel Online sagen. In diesem Video wird die Story der goldenen Radiostimme zusammengefasst. Ein Blick in den Abspann verrät: Mit viel Bildmaterial von Reuters - aber vor allem YouTube. Verständlich - auf YouTube begann schließlich der Siegeszug des Phänomens mit dem Originalvideo. Konsequent, dass sich SpOn von dort bedient. Kostet nix. Und einen Urheber hat das Video auch nicht. Zumindest nicht laut Spiegel Online.

Das scheint der Urheber des Videos, die Columbus Dispatch, aber ganz anders zu sehen. Und hat deswegen mit einer, sicherlich fragwürdigen, Löschaktion bei YouTube losgelegt. Das braucht SpOn nicht zu interessieren. Weder im Off-Text noch per Einblendung wird auf die echte Quelle hingewiesen.

Und ich höre schon jetzt einige Unverbesserliche schreien: "Aber das ist doch Zitatrecht." Darüber mag sich streiten lassen. Unstrittig dagegen: Das ist ganz schlechter Stil. Und von Qualitätsjournalismus so weit entfernt wie Hamburg von Columbus.