Videopunk

Anarchy in Web-TV

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Der Wandel in der Interaktivität

Nichts weniger als die Körperhaltung galt bis dato vielen Video-Theoretikern als Unterscheidungsmerkmal zwischen Webvideos und Röhren-Sendungen. Diese Schwarz-Weiß-Welt war auch allzuschön: Auf der einen Seite die Couch-Potatoes, die genüßlich Heidi Klum beim Modelfinden angeifern, auf der anderen Seite der Kohlenhydrate-verseuchte YouTube-Nerd.

 

Mittlerweile gehört YouTube-Content zur Werksausstattung eines aktuellen Fernsehers und Portale wie Hulu bringen Serien und Filme auf den Netbook. Verschwimmt alles? War die Unterscheidung in lean-back und in lean-forward nur ein Hoax?

 

Schauen wir uns ein paar Zahlen an, wird schnell klar: Die als Hype abgespeiste "Interaktivität" ist elementar für die Rezeption eines Bewegtbildes. Die Erkenntnis ist nicht neu, gleichwohl wird an der Umsetzung gespart. Im Zeitalter der "Synergieeffekte" und des "Content-Sharings" wird zunehmend die Video-Kuh gemelkt, bis sie leer ist. Innovation sieht anders aus.

 

Es fehlt an mutigen Konzepten - und deren Umsetzung - mit dem Thema Bewegtbild Grenzen zu überschreiten. HBO hat vergangenes Jahr einen mutigen Schritt getan und mit viel Aufwand ein vollkommen nicht-lineares Video-Erlebnis auf den Monitor gebracht. Die weiter voranschreitende Verquickung von verschiedenen Content-Quellen wird diesen Ideenschwung weiter beschleunigen.

Übrigens, um den Text-Anfang wieder ins Spiel zu bringen, wird diese neue Interaktivität weitestgehend Medien-unabhängig sein. Eine spannende Rolle könnte das dieser Tage viel zu oft zitierte iPad bringen. Sollte es sich als Mainstream-Gadget durchsetzen, wird der Ruf der kritischen Masse nach neuen Storytelling-Methoden vielleicht erhört.

Der Bewegtbild-Markt ist soeben erst den Kinderschuhen entwachsen. In spätestens fünf Jahren wird niemand mehr darüber streiten, ob nun welches Format wann wie wo ausgespielt wird.

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Veröffentlicht February 2, 2010
Feb 02, 2010
udo.michel.curia said...
Ja, sehr guter und nötiger Denkanstoß - fand das HBO Voyeur Project schon klasse und Imagine einen würdigen Nachfolger.

Problem allerdings: solchen Unternehmungen sind in der Größe und Stärke viele Hürden vorausgeschaltet (und für nachhaltige Innovationen braucht man 'broad-power'): viele Entscheider, die nicht wirklich viel Sinn für Innovation haben - viele Nadelstreifen, denen das fehlt, was Du forderst: Mut.

Und wenn es neue/junge/independent Künstler gibt, die die richtigen Impulse geben, besteht die Gefahr, die Du nennst: es wird gemolken, bis die 'CreativeRessources' leergesaugt sind.

An der Stelle wär es vielleicht nicht verkehrt, auch mal die kultur-politische Seite zu sehen: Wie bringt man gute Ideen und Realisierungs-Kapazität zusammen, ohne die Sache wieder 'asymetrisch umkippen' zu lassen (s. 'abMelken').

Es gibt gerade ein kulturelles 'Großraum-Projekt' ;-) [wir verstehen uns], um welches herum sehr viel über die Zukunft der Kreativwirtschaft diskutiert wird - bis dato mit recht mäßigem Erfolg und einem kulturellen Leben, welches ebenso bis dato nicht viel Neues gebracht hat (v.a. eben auch die video/WebTv-Projekte).

Das iPad ist vermutlich schon das richtige 'Mittel zum Zweck' - aber reicht das, um sich als Mainstream-Gadget durchsetzen?

Feb 03, 2010
Markus Hündgen said...
Die Chance für Änderung liegt gerade deswegen abseits des üblichen Medien-Industrie-Weges. Interessierte Menschen, die einfach "mal machen". Alles nur eine Frage der Zeit.

Bis auf die Öffis - um mal eine Lanze für diese zu brechen - sehe ich keinen anderen Weg.